Ausschaffungsstopp

Sans-Papiers Anouchka und Ornella wären fast ausgeschafft worden

Verwandte, Schulfreunde und Menschenrechtsaktivisten demonstrieren gegen die drohende Wegweisung von Ornella und Anouchka (Mitte).  JHO

Verwandte, Schulfreunde und Menschenrechtsaktivisten demonstrieren gegen die drohende Wegweisung von Ornella und Anouchka (Mitte). JHO

Die Anlaufstelle für Sans-Papiers und die Menschenrechtsorganisation Augenauf Basel kämpfen gegen die Ausschaffung der 14-jährigen Anouchka, ihrer 11-jährigen Schwester Ornella und ihrer Mutter.

An einer Standaktion gestern in Laufen sammelten die Organisationen Unterschriften für eine Petition. Sie fordern von Regierungsrätin Sabine Pegoraro das sofortige Bleiberecht der Geschwister.

Eigentlich hätten Anouchka und Ornella heute in den Kongo fliegen müssen, doch Pegoraro reagierte schnell auf die gestern eingereichte Petition und setzte noch gestern Abend die Wegweisung vorläufig aus. Die Regierungsrätin entschied, dass die Situation der ganzen Familie neu geprüft werden müsse.

«Wir sind erleichtert und freuen uns für die Familie», sagt Katrin Meyer von Augenauf. Man werde aber am Ball bleiben und weitere Unterschriften sammeln.

Die Geschwister sind illegal hier

Die Geschwister sind in der Schweiz geboren und gehen in Laufen in die Schule. Sie sprechen beide Schweizerdeutsch und sind gute Schülerinnen. Das Herkunftsland ihrer Eltern, den Kongo, kennen die beiden nicht. «Ich fühle mich als echte Schweizerin, ausser dass ich eben braun bin», sagt Anouchka.

In den Kongo will sie auf keinen Fall: «Dort herrscht Krieg. Wieso soll ich dorthin wollen?» Die beiden Geschwister sind Sans-Papiers, haben also keinen geregelten Aufenthalt. Am 22. März reichte die Familie beim Amt für Migration ein Härtefallgesuch ein, damit sie in der Schweiz bleiben dürfen. Dieses lehnte der Kanton Baselland bereits einen Tag später ab.

In ihrem Entscheid schreibt das Amt für Migration: «Dass die Situation für die Kinder sehr hart ist, wird nicht bestritten, jedoch muss an dieser Stelle betont werden, dass diese Lage durch die Eltern zu verantworten ist. Diese wussten immer um den illegalen Status der Betroffenen und lediglich aufgrund ihres Zuwartens und der Nichtbefolgung behördlicher Anordnungen wird auf die Kinder nun eine harte Zeit zukommen.»

Kinder für Fehler von Eltern bestrafen

Mirjam Ringenbach von der Anlaufstelle für Sans-Papiers: «Es kann nicht sein, dass Kinder für die Fehler ihrer Eltern bestraft würden.» Am 24. März teilte ihnen das Amt für Migration mit, dass sie heute in Genf ins Flugzeug steigen müssten. Die Menschenrechtsaktivisten werfen den Behörden vor, dass sie die Situation der beiden Minderjährigen nicht ausreichend geprüft hätten und die Familie auseinander reissen würden.

Der Vater lebt seit 1988 in der Schweiz. Seine Aufenthaltsbewilligung wurde im März 2010 verlängert: «Die Behörden hielten eine Wegweisung für nicht zumutbar», erklärt Meyer. Sie verstehe nicht, warum eine Wegweisung für die Mädchen aber zumutbar sei. Der Vater habe vergeblich versucht, für seine Töchter eine Bewilligung zu bekommen. Diese sei wegen der Verschuldung des Vaters abgelehnt worden.

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