Duggingen

Sauerei im Wald: Jetzt verlangt Baselbieter Landrätin Bänziger eine Aufklärung

Er entdeckte die undichte Abfallgrube in Duggingen: Marco Agostini (links), hier mit einem Helfer. zvg

Er entdeckte die undichte Abfallgrube in Duggingen: Marco Agostini (links), hier mit einem Helfer. zvg

In Duggingen kommt in einem Waldstück Abfall wieder an die Oberfläche. Jetzt will Grünen-Landrätin Rahel Bänziger vom Regierungsrat wissen, ob auch noch an anderen Orten die Deckschicht aufbricht – und wer fürs Aufräumen bezahlen muss.

In den Wäldern im Gebiet Angenstein geht seit einigen Monaten ein Waldputzer um. Es ist Marco Agostini, 53-jährig, Familienvater, Umweltschützer. Im Januar stiess der Pfeffinger in Duggingen auf eine lecke Abfalldeponie. Etliche Gegenstände ragten dort aus dem Boden, etwa ein Fernseher, Pneus und ein alter Ski.

Die unappetitlichen Funde haben eine Landrätin alarmiert. Rahel Bänziger reicht heute im Kantonsparlament einen Vorstoss zu Altlasten ein. In der Interpellation mit dem Titel «Gibt es noch weitere schmutzigen Überraschungen in unseren Wäldern?» verlangt die Grünen-Politikerin vom Regierungsrat Auskunft darüber, ob es auch andere Stellen gibt, bei denen die Deckschicht dünn geworden ist – und der Boden wie in Duggingen verborgene «Schätze» frei gibt.

Rahel Bänziger interessiert sich auch für die Haftungsfrage. Gemäss Gesetz müssen die Verursacher 70 bis 90 Prozent der Kosten einer Sanierung tragen, der restliche Betrag bleibt am Grundeigentümer hängen. Diese Regelung, schreibt die Binningerin, komme aber nur dann zum Tragen, wenn der belastete Standort erkannt und richtig eingestuft worden ist. Bänziger fragt: «War die Einteilung der Belastungskategorie im vorliegenden Fall richtig?»

Wer soll das bezahlen?

Bei der Dugginger Fundstelle ist die Situation verkachelt. Das Waldstück am Länzberg gehört der Bürgergemeinde Aesch. Die Deponie Lätte war vor dem Kantonswechsel des Laufentals bewilligt worden, also vom Kanton Bern. Betreiberin war die Einwohnergemeinde Aesch, eventuell stammt der Siedlungsabfall – Sperrgut, Bauschutt, Haushaltsmüll – auch aus weiteren Gemeinden.

Duggingen stellte sich im Januar, nachdem die bz von der lecken Grube berichtet hatte, auf den Standpunkt, die Sanierungspflicht laste auf der Eigentümerin. Demnach müsste die Bürgergemeinde Aesch das Material entsorgen. Die Bürgergemeinde war mit dieser Erklärung jedoch nicht einverstanden. Sie liess verlauten, die Deponie sei legal gewesen. Folglich seien die damaligen Betreiber für die Sanierung zuständig.

Am Dienstag trafen sich Vertreter des kantonalen Amts für Umweltschutz und Energie (AUE) mit Verantwortlichen der Bürgergemeinde Aesch sowie der Einwohnergemeinden Aesch und Duggingen. Das AUE teilt mit, es werde zu gegebener Zeit über Beschlüsse informieren.

Im Januar liess das AUE verlauten, es werde analysiert, wer wann welches Material eingelagert habe. Die Untersuchung dauere an. Wahrscheinlich ist, dass das Amt verfügt, der Müll sei abzutragen und fachgerecht zu entsorgen, zumindest die obersten Schichten.

Abfallsammler putzt weiter

Deponien wie jene im Gebiet Lätte-Länzberg gab es bis in die 1980er-Jahre in praktisch jedem Ort. Siedlungsabfälle wurden häufig in freier Natur abgeladen. Das Altlasten-Kataster des Kantons Baselland verzeichnet alleine im Bezirk Arlesheim rund drei Dutzend ehemalige Ablagerungsstätten mit Siedlungsabfällen.

Die Bewilligung für die Deponie Lätte-Länzberg geht auf das Jahr 1968 zurück. 1980 wurde die Grube abgedichtet und abgesperrt. Daran hielten sich aber nicht alle. Der Präsident der Bürgergemeinde Aesch sagte im Januar zur bz, er erinnere sich daran, dass es in den 1980er-Jahren an der betroffenen Stelle noch geraucht habe. Das AUE teilte darauf hin mit: «Nach der offiziellen Schliessung wurde die Deponie offensichtlich rund ein Jahr lang als wilde Deponie weiterbenutzt.»

Der «Entdecker» der lecken Grube, Marco Agostini, sagt, er freue sich, dass in der Sache etwas gehe. «Es ist gut, dass sich die Politik dem Problem annimmt.» Er hat sein Einsatzgebiet ausgeweitet. Als nächstes nimmt er sich das Gebiet Hollen vor, es liegt unterhalb der Ruine Pfeffingen.

«Eins ist sicher», sagt der 53-Jährige, «die Arbeit geht mir und meinen Helfern so schnell nicht aus.»

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