Vierspur-Ausbau

SBB fällen beim Bahnhof Liestal Bäume – und erzürnen Vogelschützer

Für den Vierspur-Ausbau beim Bahnhof Liestal lassen die SBB Bäume fällen und stossen damit Pro Natura Baselland vor den Kopf.

In den ersten Juni-Tagen haben die SBB in Liestal mit den Vorarbeiten für den Vierspurausbau der Gleise begonnen. Eine erste sichtbare Auswirkung ist ein Kahlschlag am Hang oberhalb der Oristalstrasse. Auf der Südseite des Bahnhofs wurden zahlreiche Bäume und Sträucher gefällt.
Die Rodungen während der Brut- und Setzzeit kommen nicht gut an.

In einem Leserbrief in der bz ärgerte sich der Prattler Naturschützer Benedikt Schmid: «Mitten während der Brut- und Setzzeit haben die SBB die Bäume beim Bahnhof Liestal gefällt. Wenn die Verantwortlichen mehr ökologisches Feingefühl hätten, hätten sie die Bäume später gefällt.» Das eidgenössische Gesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere sehe eine Strafe für Personen vor, die das Brutgeschäft der Vögel störten.

Glücklich über die Baumfällungen im Baselbieter Kantonshauptstadt ist auch Pro Natura Baselland nicht. «Wir finden es nicht in Ordnung, dass während der Hauptbrut- und Setzzeit Bäume und Sträucher gefällt wurden», sagt Geschäftsführer Stefan Grichting. Die Rodungen seien zum «schlechtesten Zeitpunkt» durchgeführt worden. Seine Organisation sehe jedoch davon ab, eine Anzeige gegen die SBB zu erstatten. «Um dies erfolgreich tun zu können, müsste man beweisen, dass Vögel in den Bäumen brüteten.» Dies sei aber in diesem Fall unmöglich, da die Bäume bereits gefällt worden seien.

Stefan Grichting spricht von einer «unschönen Situation», betont aber gleichzeitig auch: «Mittels Umweltbaubegleitung und dem Einsatz des Liestaler Natur- und Vogelschutzvereins wurde zumindest gewährleistet, dass die Saatkrähen, die in den Bäumen beim Bahnhof brüteten, bereits ausgeflogen waren, als es zu den Rodungen kam.»

«Alle Bestimmungen eingehalten»

Im Bundesgesetz, auf das sich Leserbriefschreiber Benedikt Schmid beruft, heisst es: «Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich und ohne Berechtigung das Brutgeschäft der Vögel stört.» Ob dies bei den Rodungen in Liestal tatsächlich geschehen ist, bleibt ungeklärt. Das Bundesamt für Verkehr, das die Baubewilligung für den Vierspurausbau erteilt hat, betont auf jeden Fall, sämtliche bundesrechtlichen Bestimmungen eingehalten zu haben – so auch diejenigen des Umwelt- und Naturschutzes.

Eine Anfrage ans Amt für Wald beider Basel, ob die SBB in Liestal ungesetzlich vorgegangen seien, beantwortet Beat Feigenwinter mit Verweis auf das Baselbieter Waldgesetz wie folgt: «Gemäss Waldgesetz sind Holzschläge bewilligungspflichtig und werden wenn immer möglich ausserhalb der Brut- und Setzzeit ausgeführt. Es kann jedoch Ausnahmen geben, bei denen Bäume aus Sicherheitsgründen in dieser heiklen Zeit gefällt werden müssen.» Für Stefan Grichting von Pro Natura steht fest, «dass die Bäume beim Liestaler Bahnhof nicht aus Sicherheitsgründen, sondern aufgrund des grossen öffentlichen Interesses» gerodet wurden. «Sonst wäre das Riesenprojekt der SBB stillgestanden.»

Rein rechtlich gesehen, scheinen die SBB auf der sicheren Seite zu sein, auch wenn die Rodungen – so legen es die Auskünfte der Naturschützer nahe –, zu einem unglücklichen Zeitpunkt passiert sind. Beim betroffenen Grünstreifen beim Bahnhof, auf dem gefällt wurde, handle es sich nicht um einen Wald, sondern um ein sogenanntes Gehölz, teilt das Bundesamt für Verkehr der bz mit. Deshalb bedürfe es hier gar keiner Rodungsbewilligung.

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