Baustellenführung

SBB pflügen mit viertem Gleis Liestal um

Derzeit finden die Bauarbeiten für den Vierspurenausbau am Liestaler Bahnhof statt. Noch ist nicht alles erkennbar. Aber auf der Baustellenführung erläutern die Projektverantwortlichen die nächsten Schritte.

Krane, Bagger und Lastwagen in ausgehobenen Gruben, gesichert durch riesige Wände mit Hunderten von Ankern, wachsende Brückenpfeiler und Betonmauern, dazwischen herumwuselnde Bauarbeiter und sich durchschlängelnder Verkehr. Das derzeitige Bild von der Südseite des Bahnhofs in Richtung Oristal eignet sich nicht gerade für eine Liestaler Imagekampagne. Das umso weniger, da alles akustisch von einem ständigen Rattern und Knattern überlagert wird. Dies so sehr, dass eine Verständigung praktisch unmöglich ist. Es sei denn, man unterhalte sich über Funkmikrofone wie an der gestrigen Baustellenführung durch SBB- und Stadtvertreter.

Baulicher Hauptfokus bleibt im 2020 im Oristal

Was chaotisch aussieht, ist aber so gut durchorganisiert, dass SBB-Projektleiter Josef Lientscher nach rund einem halben Jahr Bauzeit im Brustton der Überzeugung sagen konnte: «Wir sind terminlich und bezüglich Kosten voll auf Kurs.» Auf Kurs heisst: Bis zum Fahrplanwechsel Ende 2025 durchqueren vier anstelle der heutigen drei SBB-Gleise den Bahnhof, dazu gibt es ein neues Mittelperron, einen neuen Bahnhof samt angegliedertem Bürogebäude und ein S-Bahn-Wendegleis. Hinzu kommen im Vergleich zum Genannten schon fast Marginalien wie zwei neue Parkhäuser (eines für Autos, eines für Velos), eine verbesserte und eine neue Personenunterführung am Bahnhof und anderes mehr.

Und wenn Mitte 2026 die Installationsplätze zurückgebaut sind, folgt als Supplement der Bau des SBB-Hochhauses am Bahnhof. Das alles für knapp 500 Millionen Franken.

Doch vorläufig bleibt der bauliche Hauptfokus im Oristal. Dort sollen in den nächsten Monaten die Stützmauern gegen den Bahnhof und gegen den Sichternhang erstellt werden. Vor allem Letztere, die Lientscher als «sehr wuchtig» bezeichnete, hat es in sich: Sie wird vor die derzeit sichtbare Grubensicherung gebaut und wird hundert Meter lang und bis zu zwölf Meter hoch. Wobei Stadt und SBB in den nächsten Wochen über ein Begrünungskonzept reden wollen.

Auch Neubau und Abbruch der alten Tiergartenstrasse stehen bis im Juni an, dazu werden die beiden Personenunterführungen auf der Südseite bis Ende Jahr fertiggestellt. Betreffend Verkehrsregime kündete Lientscher an: «Das grosse Ziel heisst, die neue Oristalstrasse im nächsten August in Betrieb zu nehmen.» Wer sie dann nach längerer Zeit erstmals benutzt, wird staunen: Man fährt 25 Meter weiter südlich mitten im einstigen Abhang.

Bevölkerung muss viel erleiden

Aber nicht nur eingangs Oristal wird am SBB-Grossprojekt gebuddelt, das dereinst Fahrplanstabilität und Viertelstundentakt von und nach Basel verspricht. So beginnen im Frühling die Vorarbeiten für die neue Stützmauer an der Wiedenhubstrasse, das ganze Jahr wird an der neuen Seltisbergerbrücke gebaut und der Burggraben erweitert. Bei diesen Arbeiten gibt es teils auch nächtlichen Lärm und Zugausfälle. Lietscher meinte bedauernd: «Die Arbeiten verlangen der Bevölkerung leider viel Geduld ab.»

Was alles noch auf die Anwohner zukommt, lässt sich an der Zahl der Bauarbeiter erahnen: Derzeit sind 80 im Einsatz, zur Spitzenzeit im Jahr 2022, wenn unter anderem der Bahnhof neu gebaut wird, werden es um die 200 sein.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1