Herr Lientscher, weshalb sind die Kosten für den Ausbau so hoch?

Josef Lientscher: Wir bauen während sieben Jahren. Tagsüber muss der Fahrplan in dieser Zeit so weit wie möglich eingehalten werden. Deshalb finden sämtliche Gleisbauarbeiten in der Nacht statt. Das verursacht höhere Kosten: Man braucht doppeltes Personal, der Sicherheitsaspekt ist grösser und die Vorausplanung aufwendiger. Das verursacht einen Grossteil der hohen Kosten.

Seit wann arbeiten Sie an der Planung und welchen Herausforderungen mussten Sie sich dabei stellen?

Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Der Endspurt hat aber 2012 gestartet, dann bin auch ich eingestiegen. Herausforderungen gab es in den letzten Jahren beispielsweise bei der Bauphasenplanung: Dazu gehört, dass man Sperrzeiten schon Jahre im Voraus reservieren und dann auch einhalten muss. Man muss gut vorausplanen. Ein weiterer Punkt sind die Anwohner. Sie müssen immer informiert werden. Die Kommunikation soll fair und transparent erfolgen. Ausserdem werden hier viele Personen am und auf dem Gleis arbeiten. Ein hoher Sicherheitsgedanke ist immer am Platz, wir wollen natürlich nicht, dass Unfälle passieren. Auch das ist eine grosse Herausforderung.

Was sind nun die nächsten Schritte?

Bis Ende 2019 wird ausserhalb der Gleise gearbeitet, es werden Strassenverlegungen und Werkleitungsumlegungen durchgeführt. Nächstes Jahr beginnen wir mit den eigentlichen Bahnobjekten, die ersten Bahnzugänge für die neuen Personenunterführungen, Treppen und der erste Teil des gemeinsamen Perrons der SBB und der Waldenburgerbahn werden gebaut. Inbetriebnahme der Anlage ist im Dezember 2025 zum Fahrplanwechsel.

Welche Beeinträchtigungen werden auf die Bevölkerung zukommen?

Seit Mitte Juni und bis Mitte 2020 ist die Oristalstrasse nur einspurig befahrbar. Die Reklamationen halten sich bisher in Grenzen. Diesen Standard wollen wir auch beibehalten, wenn wir an den Gleisen selber arbeiten. Es sollen möglichst wenige Verspätungsminuten erzeugt werden. Es gibt hin und wieder kleinere Einschränkungen, aber generell kann man sagen, dass der Fahrplan wie heute beibehalten werden kann. Im 2020 wird eine der grössten Herausforderungen stattfinden. Bei der Aufweitung des Burggrabens sind wir logistisch und zeitlich sehr unter Druck.

Was sagen Sie zur Kritik am Vorgehen, für den Bau während der Brutzeit Bäume zu fällen?

Ich muss klar sagen: Der Zeitpunkt war ungünstig gewählt. Dennoch wussten wir, dass der Baustart im Januar 2019 aufgrund des komplexen Vergabeverfahrens nicht möglich ist. Der Terminplan hätte es nicht zugelassen, die Arbeiten auf kommenden Winter zu verschieben. Wir haben das Thema schliesslich im Januar aufgenommen, mit dem Vogelschutzverein, der Bürgergemeinde und diversen Spezialisten Kontakt aufgenommen und alles Mögliche versucht, um die Brutzeit nicht zu beeinflussen. An den Gebäuden, die abgerissen werden, haben wir zum Beispiel die Öffnungen verschlossen, sodass Mauersegler nicht mit der Brut beginnen können. Ausserdem haben wir die Nester regelmässig auf Jungvögel kontrolliert.