Liestal blickt bahntechnisch gebannt ins Jahr 2025. Das Erfreuliche: Dann sollte der neue Bahnhof samt viertem Gleis und S-Bahn-Wendegleis fertig sein. Das Unerfreuliche: Gleichzeitig drohen Liestal schlechtere Schnellzugsverbindungen. Als erster hat der grünliberale Liestaler Einwohnerrat Rolf Gutzwiller mit einem Postulat auf dieses drohende Szenario aufmerksam gemacht. Als zweiter hat der freisinnige Liestaler Thomas Eugster im Landrat nachgehakt. Dazu liegt nun die Antwort der Regierung vor, die derzeit in der Bau- und Planungskommission behandelt wird. Darin bestätigt die Regierung, dass Liestal die direkte Schnellzugsverbindung nach Luzern verlieren wird. Doch sie sagt nichts darüber, dass es für Liestal noch schlimmer kommen könnte.

Federführend bei der Planung des Schnellzugverkehrs ist die SBB. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) legt jedoch mit der Fernverkehrs-Konzession die Rahmenbedingungen fest. Eine wichtige Rolle spielt dabei dessen «Wegleitung Grundsätze und Kriterien für den Fernverkehr». Darin sind die Schweizer Städte in drei Kategorien eingeteilt: Zuoberst stehen die A-Zentren wie Basel und Zürich, gefolgt von den B-Zentren wie Luzern und St. Gallen, die in ein Fernverkehr-Netz aus Intercity- und Interregio-Züge eingebunden sind. Von untergeordneter Bedeutung sind in diesem Netz die C-Zentren, zu denen Liestal, Aarau, Olten und Solothurn zählen (siehe Box). Bei der Zuteilung der Städte stützt sich das BAV auf das vom Bundesamt für Raumplanung erarbeitete Raumkonzept Schweiz.

Nur Schnellzug nach Zürich?

Liestals Problem ist nun, dass es im Gegensatz etwa zu den Räumen um Aarau, Solothurn oder Olten-Zofingen nicht als «einwohnerstarke Agglomeration» mit über 70 000 Bewohnern gilt. Solche Regionen werden fahrplantechnisch zu B-Zentren aufgewertet mit entsprechenden Schnellzugshalten. Liestal dagegen verbleibt in der schnellzugsmässigen Bedeutungslosigkeit der C-Zentren. Das hat Auswirkungen. Gemäss dem «Angebotskonzept 2025», einem Planungspapier des BAV für die Infrastruktur, verliert Liestal den von der Regierung erwähnten Schnellzugshalt nach Luzern, soll aber weiterhin mit dem IC nach Bern sowie den Interregio-Zügen nach Zürich und neu Zofingen statt Luzern bedient werden. Das entspricht auch dem aktuellen Planungsstand der SBB.

Doch BAV-Mediensprecherin Olivia Ebinger schränkt ein: «Das Angebotskonzept ist nur ein Hinweis, wie der Fahrplan sein könnte.» Verbindlich werde es erst mit dem SBB-Fahrplan. Bei dessen Ausgestaltung haben die SBB aber Spielraum, denn das BAV schreibt laut Ebinger nur ein Mindestangebot von ein oder zwei Fernverkehrszugshalten pro Stunde in Liestal vor, die die SBB einhalten müssten. Der Rest stehe in der unternehmerischen Freiheit der SBB, die die Fernverkehrsverbindungen im Gegensatz zum Regionalverkehr, bei dem Bund und Kantone als Besteller auftreten, kostendeckend betreiben müssen.

Der nächste Netz-Ausbauschritt im Zeitraum 2030/35 könnte für Liestal zu einem noch grösseren Abbau führen: Während das BAV weiterhin von drei stündlichen Schnellzugshalten ausgeht, sehen die SBB in ihren Planungspapieren nur noch einen halbstündlichen Halt von und nach Zürich vor.

Liestal wehrt sich

Diese Perspektiven sind der Liestaler Stadtregierung bekannt. Stadtpräsident Daniel Spinnler sagt: «Wir müssen das Steuer herumreissen. Der Kanton Baselland wird in Bern nicht ernstgenommen, und Liestal wird zum Provinzbahnhof degradiert.» Für den Bund gebe es nördlich vom Jura nur noch Basel. Dabei gewinne Liestal mit dem attraktiven Viertelstunden-Takt der S-Bahn nach Basel ab 2025 an Bedeutung als Umsteigeknoten auch für Pratteln oder sogar Muttenz. Dadurch werde Liestal mit seinem Umfeld zu einer Agglomeration mit weit über 70 000 Bewohnern und gehöre bahntechnisch aufgewertet, fordert Spinnler und ergänzt: «Gute Zugverbindungen sind für uns, aber auch für den Kanton relevant. Wir müssen jetzt den Fuss in die Abbauszenarien halten. Deshalb laden wir alle unsere Bundesparlamentarier zum Gespräch ein und werden auch den Kanton miteinbeziehen.»