Basel Nord

SBB und Hafenbetriebe sind auf Kollisionskurs im Hafenbecken 3

Die Hafenbetriebe und die SBB sind sich nicht einig, wer dereinst den Terminal Basel Nord betreiben soll. Beide halten sich selbst für besser geeignet als den anderen. Die Misstöne werden immer lauter.

«Wenn die SBB durch den Terminal Basel Nord zum Hafenbetrieb wird, finden wir das nicht gut», bringt Beat Heydrich als CEO der Ultra-Brag auf den Punkt, was die Hafenbetriebe denken. Und der Aargauer Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP) meint in seiner Interpellation: «In der Privatwirtschaft ist man über das Projekt Basel Nord sehr beunruhigt. Obwohl sich private Anbieter im Containerhandling bewährt haben, will die SBB ein ihr neues - ihr unbekanntes - Geschäftsfeld erschliessen.»

«SBB Cargo ist bereits heute eine der grössten Anbieterinnen von Kombiniertem Verkehr in der Schweiz und betreibt seit Jahren eigene Terminals», kontert SBB-Sprecher Christian Ginsig, worauf Heydrich kommentiert: «Die SBB kennen sich mit Land-Terminals aus. Aber mit dem wasserseitigen Umschlag hat sie null Erfahrung.» Kurz: Man liegt sich in den Haaren darüber, wer Basel Nord betreiben soll.

Konflikte an mehreren Fronten

Dabei sah es noch im Dezember nach Übereinstimmung aus für das Projekt eines Container-Grossterminals Basel Nord, der gemeinsam von SBB Cargo und den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) geplant wird: So stellte sich die vom Bund einberufene Mediations-Konferenz der Logistikfirmen, Transporteure und Verlader hinter Basel Nord, und zwar ausdrücklich als «trimodaler» Terminal, in dem also Container für die drei Verkehrsträger Schiff, Schiene und Strasse umgeschlagen werden.

Doch seither mehren sich die Misstöne. So zeigte man sich in Basel verschnupft, dass das Bundesamt für Verkehr sich in Weil a/Rh nach Alternativen zu Basel Nord umsieht. Der Bundesrat stellt in der Antwort auf die diesbezügliche Interpellation des Baselbieter Ständerats Claude Janiak (SP) klar, bei der Suche nach Alternativen stehe Weil im Vordergrund. Zudem gebe es für die Mitfinanzierung eines Hafenbeckens durch den Bund keine gesetzliche Grundlage.

Es gibt also mindestens zwei verzahnte Konflikte: Die Betreiber-Frage und zweitens, dass dem Bundesamt für Verkehr (BAV) das für den trimodalen Betrieb nötige Hafenbecken 3 offenbar zu teuer scheint.

Betreiber soll neutral sein

«Der Betreiber muss Verkehrsträger-neutral sein», betont Roman Mayer, Mitinhaber und CEO der Swissterminal AG. Das heisst, er befasst sich nur mit dem Umschlag und Handling der Container, betreibt aber selbst kein Transportgeschäft. «Sonst besteht die Tendenz, dass er die eigenen Schiffe bevorzugt oder findet, er müsse die Züge abfertigen, bevor die Schiffe drankommen.»

Rolf Vogt, CEO der Birsterminal AG, erläutert, es gebe drei Stufen: Erstens die Grundbesitzer. Dies wären in Basel Nord für das Gleisfeld SBB Cargo und für das Hafenbecken die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH). Zweitens der Träger der Suprastruktur, also der Krane und sonstigen Einrichtungen. Daran können sich alle Interessierten beteiligen. Und drittens der Betreiber.

Auch für Vogt kommen dafür die SBB nicht infrage, da sie nicht Verkehrsträger-neutral sind. «Wir sind in der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) letzte Woche übereingekommen, dass Swissterminal als Betreiber ideal wäre.»

Mayer bestätigt, dass Swissterminal diese Rolle zu übernehmen könnte, zumal sie beim Bau von Basel Nord den Terminal auf dem Westquai verliert.

Die SBB sehen dies anders: «Klar ist, dass sich SBB Cargo im Betrieb von Basel Nord engagieren wird, unter anderem um den geplanten Wegfall des Terminals im Güterbahnhof Basel zu kompensieren», erklärt Ginsig. «Doch besteht die feste Absicht, Partner einzubinden, welche einen Beitrag zur Auslastung der Anlage und Know-how in die Gesellschaft einbringen», meint der SBB-Sprecher. Mayer beharrt dagegen auf der Überzeugung der Hafenbetriebe: «Betreiber kann nur einer sein.»

Arbeitsgruppen sollen klären

Die Situation ist vertrackt: Damit sich das BAV mit der erforderlichen Mitfinanzierung durch den Bund überhaupt befasst, muss der Detailplan vorliege. Doch diese Feinplanung kann man nur in gemeinsam mit dem künftigen Betreiber machen. Dass nun aber nicht nur Uneinigkeit über die Betreiberschaft besteht, sondern vom BAV auch noch Weil als Alternativstandort für den Umschlag Schiff - Bahn ins Spiel gebracht wird und somit das trimodale Konzept insgesamt infrage gestellt ist, macht die Gemengelage zusätzlich komplex. Hinzu kommt die Forderung, im Inland bestehende Terminal-Kapazitäten für Bahn- und Strassen-Umlad von Containern seien zu integrieren.

Die brodelnde Diskussion kommt für Martin Dätwyler, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel, nicht unerwartet. «In der ersten Phase hat sich die Branche grundsätzlich auf das trimodale Konzept und den Standort Basel Nord geeinigt. In der zweiten Phase, deren Anfang wir jetzt erleben, sind die technischen Fragen und die Betreiberschaft zu klären.»

Ginsig erläutert das Vorgehen: SBB Cargo suche den Dialog über das Projekt Basel Nord eingeladen. Branchenvertreter könnten an fünf thematischen Arbeitsgruppen - Markt, Schiff, Strasse, Schiene sowie Containermanagement - beteiligen.

All dies erfolgt im Hinblick auf einen trimodalen Terminal Basel Nord: In der Hafenwirtschaft herrscht Einigkeit, dass man Basel Nord will. Rhenus-Alpina, Ultra-Brag, Danser Switzerland, Birsterminal und Swissterminal signalisieren Bereitschaft, in die Trägerfirma zu investieren. Hafensprecher Simon Oberbeck betont: «Nur mit einem Terminal im Inland behält die Schweiz die Hoheit über die von der Bevölkerung gewünschte Verlagerungspolitik. Dies kann Weil nicht bieten, denn damit würde es mehr Lastwagenfahrten geben.»

Meistgesehen

Artboard 1