Gut ist diese Entwicklung nicht, zumindest nicht auf Dauer. Im Kanton Baselland geht die Schere bei den Preisen für Wohnbauland immer mehr auseinander. Das könnte die Zersiedelung weiter befeuern – und die Ungleichheit zwischen vermögenden und ärmeren Gemeinden verschärfen.

Geht es so weiter wie gehabt, werden die stadtnahen, gut erschlossenen Gemeinden immer reicher, die ländlichen Regionen treten an Ort.

In diese Richtung weisen die jüngsten Erhebungen zu Baulandpreisen, die das Baselbieter Amt für Statistik erhoben hat. Im Bezirk Arlesheim sind die Preise für Wohnbauland zwischen 2009 und 2018 im Schnitt um über 70 Prozent gestiegen. Kantonal betrug das Plus im selben Zeitraum 64 Prozent.

Während die Bezirke mit starken Zentren, also Liestal und Sissach, ebenfalls anständige Wertzuwächse verzeichneten, werden die beiden ländlichen Bezirke je länger, je mehr abgehängt. Im Waldenburgertal lag das Plus seit 2008 bei verhältnismässig geringen 18 Prozent, im Laufental waren es sogar lediglich 15 Prozent.

Die Baselbieter Gemeinde mit dem günstigsten Bauland ist Liesberg. Im hintersten Zipfel des Laufentals wurden 2018 für den Quadratmeter durchschnittlich 294 Franken bezahlt. Zum Vergleich: In der teuersten Gemeinde Binningen kostete der Quadratmeter im vergangenen Jahr sieben Mal mehr: 2084 Franken.

Liesbergs Gemeindepräsident Markus Wackernagel hat eine einfache Erklärung für die geringe Attraktivität seiner Gemeinde als Ort zum Bauen: «Wir haben eine wunderbare Landschaft und im oberen Dorfteil ist es extrem sonnig. Aber wir liegen zuhinterst im Laufental – das schreckt wohl viele ab.»

Der Traum vom Zughalt in Liesberg Bahnhof

Die Gemeinde sei auch gar nicht so schlecht erschlossen, wie viele meinten. «Mit dem Auto ist es eine halbe Stunde nach Basel. Von manch grösseren Gemeinde aus braucht man länger.» Wackernagels Wunsch wäre, dass der alte Bahnhof wieder bedient würde. Liesberg liegt an der Bahnlinie Basel – Laufen. «Doch die SBB und die Politik haben kaum Interesse daran, dass bei uns wieder Züge halten.»

Ganz andere Probleme hat Reinach. Die bevölkerungsmässig zweitgrösste Gemeinde im Baselbiet kann nicht mehr nach Aussen wachsen. Bis auf wenige Ausnahmen sind laut dem Gemeindepräsidenten alle Baulandreserven aufgebraucht. «Unser Motto heisst seit Jahren: Verdichtung nach innen», sagt Melchior Buchs. «Seit der neuen Zonenordnung aus dem Jahr 2015 ist es auch möglich, höher zu bauen. Mehr und mehr werden Einfamilienhäuser mit grösserem Umschwung durch Mehrfamilienhäuser ersetzt.»

In der Gemeinde sind mehrere Quartierpläne in Bearbeitung, bei einigen steht der Spatenstich kurz bevor. Reinach will seine Bevölkerungszahl, aktuell 19'000, auf 21'000 bis 22'000 Personen steigern.

Hohe Preise, hohe Steuern: Liestal tanzt aus der Reihe

Ein anderes Problem, welches die grossen Differenzen bei den Baulandpreisen verursachen, ist die Zersiedelung. Gerade jüngere Familien, die Wohneigentum erstehen wollen, werden häufig erst in der Peripherie fündig. Die Arbeitsplätze jedoch konzentrieren sich in Ballungsräumen. Die Folge: Die Mobilität nimmt zu, die Verkehrswege werden mittelfristig stärker belastet.

Einen weiteren Zusammenhang mit den Baulandpreisen hat der Unternehmensberater Jens Feger aus Münchenstein untersucht. Er schreibt: «In den vergleichbaren Gemeinden betrug die belastbare Korrelation zwischen den Preisen für Wohnbauland und den Steuersätzen für Privatpersonen erstaunliche minus 74 Prozent». Das bedeutet: Teures Bauland geht mit tiefen Steuersätzen einher und umgekehrt.

Daraus lässt sich jedoch noch kein direkter Wirkungszusammenhang ableiten, denn weitere Standortfaktoren spielen eine Rolle. Neben der Erreichbarkeit sind das unter anderem die Attraktivität der einzelnen Grundstücke, die landschaftliche Schönheit der Standortgemeinde, die Nähe zu Basel oder das Angebot an Schulen und anderen Einrichtungen.

Aus der Reihe tanzt Liestal. Die Kantonshauptstadt weist teure Baulandpreise auf. 2018 war der Quadratmeter im Schnitt 1075 Franken Wert. Der Gemeinde-Steuersatz wiederum lag weit über dem kantonalen Schnitt, bei 65 Prozent der Staatssteuer (Schnitt aller Gemeinden: 59 Prozent). Die hohe Standort-Attraktivität Liestals hängt mit den Zentrumsfunktionen zusammen.

Im Fall Liesberg gibt es ebenfalls eine Anomalie. Im 1140-Einwohner-Dorf hat die Pharmafirma Acino in den vergangenen Jahren rund 140 Arbeitsplätze geschaffen, und es sollen weitere Jobs hinzukommen. «Ich hoffe natürlich», sagt Markus Wackernagel, «dass sich ein paar Angestellte der Acino auch bei uns niederlassen.»