Die Bürgergemeinde Bottmingen ist weitgehend ein Scheinkonstrukt. Die Aufgaben des Bürgerrats (Exekutive) erfüllt der Gemeinderat – die beiden Gremien sind personell identisch. Denn in Bottmingen ist der Gemeinderat gleichzeitig auch Bürgerrat. Deshalb ist es faktisch der Gemeinderat, der die Einbürgerungsverfahren durchführt. Der Bürgergemeinde gehört der Wald, den aber schon lange das Forstrevier Leimental bewirtschaftet. Der Kanton erwartet, dass Bürgergemeinden die Heimatverbundenheit fördern.

In Bottmingen ist das ein Bürgeressen alle zwei Jahre. Der Finanzhaushalt der Bürgergemeinde wird seit vielen Jahren von der Gemeindeverwaltung erledigt, der Gemeindeverwalter ist Schreiber und Rechnungsführer der Bürgergemeinde. Und die Bürgergemeindeversammlung (Legislative) hat keine anderen Aufgaben, als das Gemeindebürgerrecht zu erteilen und das jährliche Budget zu verabschieden.

Zudem ist die finanzielle Lage der Bürgergemeinde prekär. Ihre einzigen Einnahmen sind die Einbürgerungsgebühren und die Erlöse aus der Bewirtschaftung des Bottminger Walds. Dieser ist allerdings verglichen mit anderen Gemeinden klein. Seit Jahren subventioniert die Einwohnergemeinde die Bürgergemeinde mit zehn Franken pro Einwohner. Trotzdem haben sich die negativen Jahresabschlüsse gehäuft, sodass das Eigenkapital letztes Jahr auf unter 60 000 Franken gesunken ist. Deshalb stellt sich die Bürgergemeinde jetzt radikal die Frage nach ihrer Existenzberechtigung. Für die Bürgergemeindeversammlung vom kommenden Mittwoch hat der Gemeinderat einen Antrag eingereicht, der die vollständige Auflösung der 1881 gegründeten Institution zum Ziel hat.

Der Bürgerrat solle eine Vorlage ausarbeiten, die das Zusammengehen mit der Einwohnergemeinde vorsieht, heisst es im Antrag. Die versammelten Ortsbürger werden am Mittwoch also einen Grundsatzentscheid fällen. Über die konkrete Auflösung der Bürgergemeinde würden sie erst zu einem späteren Zeitpunkt befragt, wenn die Vorlage vorliegt.

Doch auch wenn sie dann zustimmen, ist das Verschwinden der Bottminger Bürgergemeinde noch nicht besiegelt. Gemäss kantonalem Gemeindegesetz braucht es zusätzlich die Zustimmung der Gemeindeversammlung und positive Entscheide an der Urne, sowohl von der Einwohnergemeinde (einfaches Mehr) als auch der Bürgergemeinde (Zweidrittelmehr).
In den Erläuterungen für die Versammlung nächste Woche macht der Bürgerrat keinen Hehl daraus, dass er die altehrwürdige Institution auflösen möchte.

Als Alternativen sieht er nur das Generieren von zusätzlichen Einnahmen, oder aber dass die Gemeinde ihre Subventionen «wesentlich» erhöht. «Hierfür bedürfte es jedoch substanzieller Strukturveränderungen, die mangels Finanzen durch die Einwohnergemeinde finanziert werden müssten.» Als Gemeinderäte könnten die Mitglieder des Bürgerrates das selber in die Wege leiten – offensichtlich haben sie nicht den Willen dazu.