Lärmschutz

Schlaflos in Bennwil – der Kampf der Anwohner gegen den Lärm

Die neue Betonmauer an der Sammelgasse verstärkt den Strassenlärm.

Die neue Betonmauer an der Sammelgasse verstärkt den Strassenlärm.

Die Anwohner der Kantonsstrasse in Bennwil beklagen die hohe Lärmbelastung seit der letzten Strassensanierung.

«Seit zwei Jahren kämpfen wir gegen die Lärmbelastung und noch immer ist die Situation höchst unbefriedigend», macht eine Anwohnerin der Sammelgasse in Bennwil ihrem Ärger Luft. Ursprung dessen ist der Lärm, den die Kantonsstrasse nach Oberdorf verursacht. Der tägliche Pendlerverkehr, Töffs auf Spritztour sowie durchfahrende LKW stören Tag und Nacht die Ruhe der Bennwiler, wie diese berichten.

Betonmauer des Anstosses

Bei der letzten Strassensanierung der Sammelgasse am Dorfeingang mussten Anwohner einen Teil ihrer Grundstücke an den Kanton abtreten, damit ein Trottoir mit Stützmauer in die Böschung gebaut werden konnte. «Vorher war die Böschung mit dichten Hecken bepflanzt. Diese Situation war für uns lärmmässig erheblich angenehmer», erklären die Betroffenen in einem Brief an den Kanton. «Die neue Betonmauer leitet und vervielfacht den Schall, was den Verkehrslärm noch vergrössert.

Im Sommer kann man unmöglich bei offenem Fenster schlafen.» Nachdem sich die Anwohner zusammengetan und sich bei Gemeinde und Kanton beschwert haben, wurde vom Lärmschutzamt eine Lärmermittlung durchgeführt. Gemäss eidgenössischer Vorgabe muss der Kanton Baselland bis März 2018 ein Lärmsanierungsprogramm seiner Kantonsstrassen durchführen. Er unternimmt daher momentan Messungen und Prüfungen der betroffenen Kantonsstrassen.

Die Lärmgrenzwerte sind in der eidgenössischen Lärmschutzverordnung (LSV) festgelegt. «An der Sammelgasse werden die Werte von durchschnittlich 60 Dezibel am Tag und 50 Dezibel in der Nacht selbst bei einer Hochrechnung der ermittelten Werte auf das Worst-Case-Szenario voraussichtlich nicht überschritten», zeigt Andreas Stoecklin, Leiter der Abteilung Lärmschutz, anhand der vor Ort gemessenen und berechneten Werte auf.

Allerdings befinde sich das entsprechende Lärmsanierungsprojekt des Tiefbauamtes noch im Entwurfsstadium. Gewisse Punkte könnten sich in fachlich begründeten Fällen noch ändern. «Wir haben viel Verständnis für die Anwohner. Aber wenn die Grenzwerte eingehalten sind, dürfen wir nicht einfach Steuergelder für darüber hinausgehende Lärmschutzmassnahmen ausgeben.»

Die Bennwiler Gemeindepräsidentin Verena Scherrer-Nef plädiert für Gelassenheit: «Der Kanton ist dabei, die Lärmbelastung zu messen und mögliche Massnahmen auszuarbeiten. Es braucht jetzt einfach etwas Geduld.» Die Gemeinde nehme die Reklamationen der Betroffenen ernst. «Deshalb haben wir auch die Lärmbeschwerde an den Kanton mitunterzeichnet.» Aber da es sich um eine Kantonsstrasse handle, seien ihr die Hände gebunden. «Letztlich entscheidet der Kanton.»

Massnahmen sind zu prüfen

Andreas Stoecklin erklärt: «Um die Lärmbelastung zu reduzieren, gibt es eine Reihe zu prüfender Massnahmen.» Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass diese in der Sammelgasse umgesetzt werden können, vor allem, wenn keine Grenzwertüberschreitungen vorliegen. «Tempo 30 würde im vorliegenden Fall einen Unterschied von etwa einem halben Dezibel ausmachen, ist also nicht effektiv und daher nicht verhältnismässig.

Für eine Verkehrsumlagerung müsste es eine alternative Strassenroute geben, was nicht der Fall ist.» Eine Lärmschutzwand brauche einerseits zu viel Platz und würde andererseits das Ortsbild negativ beeinflussen. «Und ein Flüsterbelag kann bei der Steigung von 12 Prozent an der Sammelgasse nicht eingesetzt werden. Die mechanische Belastung wäre immens.» Der Kanton toleriere es, wenn Betroffene auf ihrem Grundstück selber Massnahmen treffen, könne dafür aber keine finanzielle Unterstützung bieten.

Die Anwohner haben Schilder mit einer Empfehlung zu Tempo 30 aufgestellt. «Das hat eigentlich gut funktioniert, nur leider wurden die Schilder verunstaltet und mit Beschimpfungen verschmiert», berichtet eine Anwohnerin. Für sie und ihre Nachbarn ist klar, dass sich die Situation nur verändern lässt, wenn Anwohner und Behörden dran bleiben.

Stoecklin sagt: «Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung vor übermässigem Lärm zu schützen. Aber wir sind an die gesetzlichen Vorgaben gebunden und agieren unparteiisch.» Das Bundesgericht hat den Bundesrat dazu aufgefordert, die Grenzwerte für Fluglärm zu überprüfen. Ob in der Folge auch die Grenzwerte für Strassenlärm zu überprüfen wären, lässt sich noch nicht abschätzen, erklärt Stoecklin. Für ihn steht jedoch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung fest, dass mit den heutigen Grenzwerten und der entsprechenden Ermittlungsmethode beispielsweise die Lärmbelästigung eines vorbei rasenden Töffs nicht «störungsgerecht» abgebildet werden kann.

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