Am kommenden Donnerstag ist der Baselbieter Landrat in seiner neuen Zusammensetzung zurück aus der Sommerpause. Auf der Traktandenliste der ersten Sitzung der neuen Legislatur steht eine Motion, die Klaus Kirchmayr (Grüne) im Mai eingereicht hat: Er wehrt sich damit gegen die Lohnrelevanz der Mitarbeitergespräche (MAG) bei Lehrpersonen.

Nun hat der Regierungsrat eine Antwort veröffentlicht. Er beantragt, dass das Parlament die Motion ablehnt. «Der Regierungsrat ist überzeugt, dass auch die Arbeit von Lehrpersonen in einem lohnrelevanten Mitarbeitendengespräch beurteilt werden kann», so Finanzdirektor Anton Lauber auf Anfrage.

In der Stellungnahme betont die Regierung, die Forderung würde zu einer Ungleichbehandlung von Lehrpersonen und Verwaltungsangestellten führen. Bei letzteren wurden die lohnrelevanten MAG bereits eingeführt. Zurzeit sind die Gespräche noch im Gang, bis zu den Herbstferien sollen sie abgeschlossen sein. Prozessmässig seien die neuen MAG gut angelaufen, so Anton Lauber.

Neben der ungleichen Behandlung argumentiert die Regierung mit dem Aufwand: Für Lehrpersonen müsste ein zweites Lohnsystem eingeführt werden, das nicht von den MAG beeinflusst würde. «Eine personelle und finanzielle Erhöhung der Ressourcen ist damit unvermeidbar», schreibt die Regierung. Man habe aber erkannt, dass die Beurteilung von Lehrpersonen mit Herausforderungen verbunden ist. Ein Gremium mit Schulorganisationen arbeite deshalb an einer konkreten Ausgestaltung der MAG bei Lehrpersonen.

Noch keine gemeinsame Lösung gefunden

Michael Weiss, Geschäftsführer des Lehrervereins Baselland (LVB), ist in dieser Arbeitsgruppe und spricht sich deutlich gegen die lohnrelevanten MAG aus. Einerseits sei das System generationenungerecht, kritisiert er: «Junge Lehrer, die am Anfang der Lohnentwicklung stehen, profitieren von einer einmaligen beschleunigten Lohnentwicklung ein Leben lang, ältere gar nicht mehr.» Ein weiterer Grund: Man finanziere die beschleunigte Lohnerhöhung einiger Lehrpersonen mit dem Lohn anderer. Dass man je zu einer gemeinsamen Lösung kommen könnte, bezweifelt er.

Wie die Arbeit einer Lehrperson lohnrelevant beurteilt werden könnte, kann sich Miriam Locher, SP-Landrätin und Mitunterzeichnerin der Motion, nicht vorstellen. «85 Prozent der Arbeit einer Lehrperson ist das Unterrichten. Um den Teil zu beurteilen, müsste die Schulleitung den Unterricht viel öfter besuchen», sagt sie. Den zusätzlichen Aufwand können und wollen die Schulleitungen im Kanton nicht stemmen, ist sie überzeugt.

«Das lohnrelevante MAG ist für Lehrpersonen schlicht nicht umsetzbar und fahrlässig. Es ist unverständlich und verantwortungslos, dass der Regierungsrat es trotzdem durchsetzen will», sagt die Pädagogin. Locher hofft, dass die Motion am kommenden Donnerstag trotz der Empfehlung der Regierung angenommen wird.