Ziviltrauung

Schlosshochzeit fast unmöglich: Beim Run auf Trauungstermine sind Ausländer im Nachteil

Eine standesamtliche Heirat auf Schloss Wildenstein – das war und bleibt für ein schweizerisch-brasilianisches Paar ein Traum.

Die standesamtliche Wunschhochzeit auf Schloss Wildenstein ob Bubendorf ist faktisch nicht möglich. Besonders ärgert den Schweizer Bräutigam der Grund dafür – weil seine Braut Ausländerin ist.

Vor welcher Kulisse geheiratet werden soll, da gehen die Geschmäcker weit auseinander. Das selbst bei den vom Ablauf her überall identischen standesamtlichen Eheschliessungen. Das Baselbieter Zivilstandsamt kommt dem entgegen und bietet eine ganze Palette an Möglichkeiten an. Standardort einer Ziviltrauung ist der Sitz des Zivilstandsamts in Arlesheim. Möglich ist der standesamtliche Akt fürs Leben oder zumindest für ein paar Jahre an ausgewählten Daten auch in Liestal und Waldenburg. Oder etwas gehobener in den Schlössern von Binningen, Bottmingen, Ebenrain, Pratteln und Wildenstein.

Heinz Ryser* und Paula Do Nascimento* haben eine Schwäche für mittelalterliche Schlösser, ganz besonders für die romantische Höhenburg Wildenstein. Dort wollen der Schweizer und die Brasilianerin standesamtlich heiraten und dann das Fest gleichentags auf dem Hofrestaurant Grosstannen in Bubendorf mit Sichtkontakt zu Wildenstein feiern, so ihre Wunschvorstellung.

Um ja nichts zu verpassen, rief Ryser bereits Anfang Jahr beim Zivilstandsamt an, obwohl die Hochzeit erst im Jahr 2020 erfolgen soll. Dort verwies man ihn darauf, dass ein standesamtlicher Termin frühestens ein Jahr im Voraus reserviert werden könne und gab Ryser die sechs möglichen Heiratsdaten im nächsten Jahr auf Wildenstein an. Ryser und Do Nascimento einigen sich auf den Hochzeitstermin 26. Juni 2020 und reservieren schon mal die «Grosstannen».

Die grosse Ernüchterung für das Brautpaar

Am 25. Juni wählt Ryser erneut die Telefonnummer des Zivilstandsamts in Arlesheim – und erlebt die grosse Ernüchterung. Ryser erzählt: «Als ich den Termin vom 26. Juni 2020 für die Ziviltrauung reservieren wollte, kam die Frage, ob wir beide Schweizer seien. Ich verneinte, worauf die Antwort war, dass ich frühestens drei Monate vorher reservieren könne. Ausser meine Verlobte hätte schon mal in der Schweiz geheiratet oder hier ein Kind geboren.»

Den Hintergrund erklärt Angela Weber, Leiterin des Baselbieter Zivilstandsamts. Ausländische Staatsangehörige, die hier heiraten wollten, aber noch nicht im Schweizer Personenstandsregister vermerkt seien, müssten zuerst heimatliche Zivilstanddokumente vorlegen, die nicht älter als ein halbes Jahr sein dürften. Erst wenn die Papiere vollständig seien, könne das obligatorische Ehevorbereitungsverfahren gestartet werden, also die amtliche Prüfung des Heiratsantrags der Brautleute. Falle diese Prüfung positiv aus, könne ein Trauungstermin vereinbart respektive bestätigt werden. Weber: «Weil das Ehevorbereitungsverfahren nach Abschluss drei Monate gültig ist, sollte innerhalb dieser Zeit eine Heirat stattfinden.» Deshalb konnten früher alle Heiratswilligen die Traulokalität erst drei Monate vor dem Termin reservieren.

Mittlerweile hat Baselland – und auch einige weitere Kantone – die restriktive Regelung gelockert. Weber begründet: «Wir wollten eine kundenfreundlichere Lösung, bei der die Leute besser planen können. Deshalb ermöglichen wir Schweizern sowie jenen Ausländern, die im Schweizer Personenstandsregister eingetragen sind, eine provisorische Reservation schon ein Jahr vor dem Heiratstermin.» Bei den andern sei das Risiko, dass es mit dem Termin nicht klappe, höher. Weber: «Wir hätten ein Problem, wenn sich das Brautpaar in Vorbereitungskosten stürzt und etwa schon Flüge für die ausländische Verwandtschaft bucht, und dann der Termin nicht eingehalten werden kann.»

Jetzt wirds profaner: Standesamt statt Schloss

Unter dem Strich hat die Baselbieter Handhabung zur Folge, dass Paare, bei denen ein Partner Ausländer ist, praktisch nicht auf Schlössern heiraten können. Denn diese sind in der Regel längst ausgebucht, wenn solche Paare reservierungsberechtigt werden. Ryser meint: «Diese Baselbieter Regelung ist für mich ein Stück weit fremdenfeindlich. Sie bevorzugt Schweizer und lässt Ausländer aussen vor.» Wäre die Regelung wenigstens auf der Homepage des Zivilstandsamts publiziert, so hätten sie nicht eine Hochzeit geplant, wie sie gar nicht umsetzbar sei, fügt Ryser bei.

Ryser und Do Nascimento werden jetzt ganz normal auf dem Standesamt statt auf dem Schloss heiraten. Zudem haben sie Hochzeitstag und Fest getrennt. Denn den Festtermin wollen sie langfristig festsetzen, nicht zuletzt auch, um den brasilianischen Verwandten genügend Zeit für die Reisevorbereitungen zu geben.


   

* Namen geändert

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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