Biel-Benken

Schnipo geniessen im Gewerbegebiet bei Rolfs Chalet mit Vorgarten

Rolf Fahrni hat das Häuschen für seinen Imbiss selber gebaut, mithilfe von Freunden.

Rolf Fahrni hat das Häuschen für seinen Imbiss selber gebaut, mithilfe von Freunden.

Wo essen in der Agglomeration, wenn es schnell gehen muss? Die bz stellt die kultigsten, verstecktesten, speziellsten und natürlich besten Imbisse vor. Heute: «Rolf’s Imbiss-Egge» im Biel-Benkemer Gewerbegebiet bietet viele Kalorien für wenig Geld.

Nein, raffiniert ist «Rolf’s Imbiss-Egge» in Biel-Benken nicht. Ein Blick auf das Wochenmenü zeigt: Viel Kalorien für wenig Geld lautet hier die Devise. Für 12 bis 14 Franken 50 (Tagesmenü) gibts Bratwurst, Rahmschnitzel, Spaghetti oder Fischknuschperli. Wer richtig Hunger hat, holt an der Theke den «Megahamburger» – es gilt Selbstbedienung. Und zu fast allem gibt es Pommes.

«Elefantenohren» mit einem Berg Pommes: das Tagesmenü bei Rolf.

«Elefantenohren» mit einem Berg Pommes: das Tagesmenü bei Rolf.

Als die bz das Lokal besuchte, kriegten wir als Tagesmenü zwei panierte Schweinsschnitzel mit einem Berg Pommes serviert, Gemüse suchten wir vergeblich. Für Büromenschen ist das wohl gar etwas deftig, aber für Handwerker, die den ganzen Tag auf den Beinen stehen, gerade richtig. «Ich versuche, jeden Tag etwas Gesundes anzubieten», sagt Imbiss-Besitzer Rolf Fahrni – und lächelt: «Nun ja, heute nicht so.» Das Konzept seines Lokals bezeichnet er als «Hausmannskost, wie sie Hausfrauen kochen. Bei mir gibt es kein Schickimicki.»

Dabei hat sein Lokal durchaus Charme. Das vorfabrizierte Chalet mit Giebeldach ist zwar mitten im Gewerbegebiet. Trotzdem hört man über Mittag mehr Vögel als Lastwagen. Die Gäste dürfen ihre Autos unter Bäumen parken. Vor dem bunt bepflanzten Vorgarten führt eine kantonale Veloroute durch, rund um die Terrasse ist ein Zaun wie vor einem Einfamilienhäuschen. Aus einem Gettoblaster säuselt leise Musik, daneben hängt ein Coca-Cola-Spiegel mit dem Spruch «I’m sexy and I know it». Nicht fehlen darf bei Rolf auch ein typisches Merkmal für Imbisse: der Rasenteppich. Und was nicht wenig zum Ambiente beiträgt: Fahrni ist auffallend freundlich, ist gesprächig und verbreitet gute Stimmung.

Es gab sogar mal Decken auf den Gartentischen – doch das gab Fahrni bald auf. «Mir wäre eine schöne Inneneinrichtung wichtig, aber meinen Gästen leider nicht», musste er feststellen. Auch sein Versuch mit Weihnachtsschmuck war ein Flop: «Erst nach drei Wochen sprach mich jemand zum ersten Mal darauf an.» Letztlich ist er aber nicht unglücklich, dass er so Geld spart. So kann er immer günstige Menüs anbieten. Denn das ist, was seine Gäste wünschen. Dafür kommen sie nicht nur aus Biel-Benken, sondern aus allen umliegenden Gemeinden zu ihm.

40 000 Franken investiert

Dabei gab es im Biel-Benkemer Gewerbegebiet lange gar keine Verpflegungsmöglichkeit, nachdem der letzte Imbiss vor 15 Jahren zugemacht hatte. Später zeigte eine Umfrage unter den Gewerblern, dass viele Angestellte am liebsten vor Ort essen würden. «Als ich anfragte, ob ich meinen Imbisswagen hierher stellen könne, rannte ich offene Türen ein», sagt Fahrni. Das war vor zwei Jahren. Den Wagen hatte er gemietet, nachdem er seine Stelle in der Transportbranche verloren hatte und gesundheitliche Probleme ihm einen Branchenwechsel nahelegten. Weil er schon immer gerne gekocht hatte, stand für ihn fest: Er wollte sich als Wirt selbstständig machen.

Der Wagen lief in Biel-Benken sofort gut an. Bald investierte er rund 40 000 Franken in den Bau eines Häuschens. Freunde halfen ihm, etwa beim Bau des Betonsockels. Einen Teil der Küche erwarb er auf Ebay. Auch von den umliegenden Firmen erhielt er Unterstützung, durfte Material lagern oder kriegte mal einen Schraubenzieher ausgeliehen. Allerdings kamen bisher von den Firmen immer nur Sachleistungen, nie Geld.

Dabei haben die Gewerbe Interesse daran, dass der Imbiss bleibt. Sonst, sagt Fahrni, würden die Angestellten ihr Essen im Coop in Therwil holen und dafür heimlich eine Viertelstunde von der Arbeitszeit abzwacken. «Und wenn es mich nicht mehr gibt, müssen die Angestellten der umliegenden Firmen wieder in den winzigen Firmenküchen Mikrowellenfood aus dem Supermarkt aufwärmen. Das kann es doch auch nicht sein.»

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