Spitalkooperation

Schon Anfang 2016 zieht die Frauenklinik vom Bruderholz in die Stadt

Schon bald werden Unterbaselbieter Babys nicht mehr im Bruderholz, dafür noch öfter im Bethesda zur Welt kommen.

Schon bald werden Unterbaselbieter Babys nicht mehr im Bruderholz, dafür noch öfter im Bethesda zur Welt kommen.

Früher als gedacht gibt das KSBL das Bruderholz für Geburten auf. Wie die bz weiss, übernimmt Chefarzt David Hänggi Anfang 2016 die Leitung der neuen Kooperation im Basler Bethesda-Spital. Dabei kann er viele, aber nicht alle Mitarbeiter mitnehmen.

Die Frauenklinik des Kantonsspitals Baselland (KSBL) hat auf dem Bruderholz keine Zukunft. Das steht fest, seit die Gesundheitsdirektoren beider Basel letzte Woche ihre Pläne offenlegten, das KSBL und das Basler Universitätsspital (USB) zu einer Spitalgruppe zusammenzufassen und aus dem Bruderholzspital eine Tagesklinik für ambulante Behandlungen zu machen. Und seit wenigen Tagen weiss man, dass das KSBL eine Kooperation mit dem auf Geburtshilfe und Gynäkologie spezialisierten privaten Bethesda-Spital eingehen wird (die bz berichtete). Über genaue Inhalte schwiegen sich die Beteiligten bis jetzt aus und verwiesen auf Mitte August.

Die bz erhielt nun aber doch etwas tieferen Einblick in die Kooperation. Überraschend ist vor allem eines: Angehende Mütter werden voraussichtlich nur noch gut ein halbes Jahr im Bruderholz gebären können. Das Bethesda schreibt auf Anfrage: «David Hänggi, Chefarzt der Frauenklinik des KSBL, wird Anfang 2016 am topmodernen Zentrum für die Frau und Geburt des Bethesda-Spitals seine Tätigkeit aufnehmen. Ihm folgt ein Team von Ärzten, das bisher an der Frauenklinik Baselland tätig war.»

Schliessung auf einen Schlag

Auch Hänggi selbst bestätigt diesen Zeitplan im Gespräch mit der bz, auch wenn er ihn etwas weiter fasst: «Anfang 2016 muss nicht zwingend Januar heissen, aber es ist geplant, sicher in der ersten Jahreshälfte umzuziehen.» Einen schrittweisen Übergang vom Bruderholz ins Bethesda schliesst er aus: «Wir müssen am Tag X komplett den Standort wechseln. Um beide Standorte parallel zu betreiben, fehlen uns die Ressourcen.» Wie bereits berichtet, wird Hänggi die operative Gesamtverantwortung der neuen Kooperation übernehmen. Geburten werden dann noch am KSBL-Standort in Liestal und am Bethesda angeboten. Nicht betroffen sind die Angebote des USB.

Werden hier also bereits Fakten geschaffen, obwohl die neue Spitalgruppe und damit der Bruderholz-Umbau zur Tagesklinik erst eine Absichtserklärung der beiden Regierungen und Verwaltungsräte von KSBL und USB ist? Ein detailliertes Konzept wird frühestens in einem Jahr vorliegen. Hänggi ist sich bewusst, dass der Entscheid zur Spitalgruppe die Kooperation mit dem Bethesda beeinflusst. Dennoch relativiert er: «Die Gespräche mit dem Bethesda haben schon früher angefangen. Damals ging es einfach um eine Kooperation, bei der auch die Frauenklinik im Bruderholz weiter Bestand gehabt hätte.» Für den Chefarzt bestehen keine Zweifel mehr, dass die stationären Angebote des Bruderholz früher oder später an die anderen Standorte Liestal, USB oder eben Bethesda verschoben werden.

Keine Massenentlassung

Eine weitere Passage der schriftlichen Antwort des Bethesda-Spitals fällt auf: «Ein Benefit für beide Seiten ist die effiziente Nutzung der bisher bestehenden Infrastrukturen und Personalressourcen.» Das klingt wie die vorgespurte Argumentation für einen Personalabbau. Dabei hatte KSBL-Verwaltungsratspräsident Werner Widmer letzte Woche noch hochoffiziell folgendes betont: «Wir garantieren allen Mitarbeitern, die heute an Bord sind, einen Arbeitsplatz.» Hänggi sagt nun aber, dass man selbstverständlich Synergien nutzen möchte: «Ich werde einen Grossteil, aber nicht alle meine Mitarbeiter vom Bruderholz mitnehmen können.» Gewisse Angestellte müssen also wenn nicht mit einer Entlassung, dann mit einem KSBL-internen Stellenwechsel rechnen. Das Gerücht, dass das KSBL allen Pflegerinnen der Frauenklinik kündigen wolle, bezeichnet Hänggi als haarsträubend und falsch.

Bethesda wird massiv ausgebaut

«Die Stimmung auf dem Bruderholz ist seit der Ankündigung der ambulanten Tagesklinik nicht die beste», sagt er aber auch. Das gelte allerdings nicht für sein Team. Die Lösung mit dem Bethesda-Spital sei gut angekommen. «Die Mitarbeiter der Frauenklinik sehen eben bereits heute, wie es weitergeht.» Auch Hänggi selbst freut sich auf die neue Herausforderung. Dass damit der ursprünglich geplante Frauenklinik-Neubau des KSBL gestorben ist, sorgt bei ihm zwar für «einen gewissen Frust». Doch Hänggi betont, dass er nicht wegen des Neubaus zum KSBL zurückgekehrt sei, sondern wegen des Teams.

Für ihn überwiegen die Vorteile der Kooperation. So bestätigt das Bethesda, dass die bisher ausschliesslich mit Belegärzten betriebene Klinik zu einem Komplettangebot im Bereich der Frauenmedizin erweitert wird. Das bedeutet, dass ein Chefarztsystem eingeführt wird und eine ärztliche 24-Stunden-Präsenz sichergestellt sein wird. Die Belegärzte sollen dabei «ohne Kapazitätseinschränkung» weiter beschäftigt werden. Hänggi möchte sie auch explizit in die Entwicklung einbinden. Letztlich soll die Frauenklinik des Bruderholz «eins zu eins» ins Bethesda verlegt werden, inklusive Neonatologie ab der 34. Schwangerschaftswoche. Das Bethesda muss daher auch neue Gebär- und OP-Kapazitäten schaffen, um die rund 700 Bruderholz-Geburten pro Jahr aufnehmen zu können. «Das setze ich voraus», sagt Hänggi.

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