Die Familie Keigel hatte ihr Nummernschild BL1 besonders fest an ihren Renault Espace befestigt. Denn das wertvolle Stück ist begehrt, es wurde in den letzten Jahren bereits zwei Mal gestohlen. Doch die festeren Schrauben reichten offensichtlich nicht. Vor zehn Tagen wurde das Nummernschild schon wieder gestohlen. Der Renault stand vor der Familienfirma der Garage Keigel an der Rheinstrasse in Frenkendorf. Der Parkplatz ist nicht gesichert. «Der Dieb konnte das Schild unbemerkt abschrauben», sagt Geschäftsleiter Urs Keigel. Die Garage montiert die Schilder seit Jahren regelmässig an Testwagen und Ersatzfahrzeugen.

Vater erhielt Nummer gratis

Gestohlen wurde vorletzte Woche nur das hintere Blechschild. Versichert ist es nicht. Wie viel es Wert ist, lässt sich nur schätzen. Keigel spricht von «mehreren zehntausend Franken». Es könnten auch mehr sein. 2013 wurde nämlich im Kanton St. Gallen die dortige Nummer 1 für 135’000 Franken versteigert. Auch in anderen Kantonen wurden sechsstellige Beträge erzielt. In Graubünden zahlte jemand für die verhältnismässig unattraktive GR8 exakt 111’111 Franken.

Für die Garagistenfamilie Keigel hat BL1 aber mehr als einen materiellen Wert. «Ohne sie fehlt uns als einer der ältesten Garagen des Kantons einfach etwas», sagt Urs Keigel. Bis in die 1950er-Jahre gehörten die Nummern BL1 bis BL20 der Polizei. Danach wurden sie als U-Nummern abgegeben, mit denen nicht eingelöste Fahrzeuge überführt werden können. Urs Keigels Vater konnte auswählen, welche er wollte, und nahm die Nummer eins. Später konnte er sie in normale Nummern umwandeln. All dies geschah kostenlos.

Rätselhaft bleibt, was der Dieb mit dem Blechschild anfangen will. «Ich nehme an, dass er es irgendwo aufstellen will», mutmasst Keigel. All zu öffentlich darf er das allerdings nicht tun – ansonsten droht ihm «mindestens eine Anzeige», wie Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei, erklärt. «Je nach dem, was dann diese Person mit einem entwendeten Kontrollschild macht, kommen allenfalls noch weitere Straftatbestände ins Spiel.»

Die Frenkendörfer Garagistenfamilie kann jetzt nicht einfach ein neues BL1-Schild abholen. Vermisste Kontrollschilder werden nämlich fünf Jahre lang im schweizweiten Fahndungsregister ausgeschrieben. Erst nach Ablauf dieser Ausschreibungsfrist kann der Halter auf Wunsch das ursprüngliche Kontrollschild erneut erhalten und an sein Auto schrauben – ausser es taucht in der Zwischenzeit wieder auf.

Täter entschuldigte sich

Vorerst dürfen die Keigels den Renault Espace einen Monat lang nur mit dem vorderen BL1-Schild fahren. Eine Anzeige eingereicht haben sie nicht – noch nicht. Denn sie hoffen, dass dasselbe passiert wie beim letzten Diebstahl von BL1, als das Auto in Allschwil stand.

Damals empfand der Dieb offenbar Reue und schickte der Garage nach einigen Tagen ein Couvert mit den Nummern drin. Im Begleitbrief blieb er zwar anonym. Aber er entschuldigte sich und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass keine Anzeige gegen ihn eingereicht werde. Das tat die Garage dann tatsächlich nicht, und sie will es auch jetzt nicht tun, falls die Nummer wieder auftaucht. Urs Keigel: «Ich hoffe, dass auch dieses Mal der Dieb zur Vernunft kommt und einsieht, dass er einen kleinen ‹Seich› gemacht hat.»