Gastronomie

«Schützenstube» im Winterschlaf: Die Suche nach einem neuen Pächter geht weiter

Seit Februar ist die bekannte «Schützenstube» in Liestal geschlossen.

Seit Februar ist die bekannte «Schützenstube» in Liestal geschlossen.

Seit Februar ist die «Schützenstube» geschlossen. Für die verwaiste Liestaler Traditionsbeiz ist noch kein neuer Pächter in Sicht – der Besitzer trauert Lukas Ott nach.

158 Jahre hat die «Schützenstube» inmitten der Liestaler Altstadt auf dem Buckel – und das sieht man ihr auch ein Stück weit an: Sie ist baulich weder aussen noch innen auf dem neusten Stand. Das führt zusammen mit der Coronakrise dazu, dass das gutbürgerliche Restaurant – seit Menschengedenken Stammbeiz der Freisinnigen – seit dem Abgang der letzten Pächter im Februar leer steht. Deshalb die Frage an Andreas Hirt, Verwaltungsratspräsident der Besitzerfirma Zedrima AG in Basel: Wie geht es weiter mit der «Schützenstube»? «Wir sind auf der Suche nach einem Wirt mit einem stimmigen Konzept, der unsere Philosophie und die Tradition des Restaurants umsetzen kann, noch nicht fündig geworden.» Die Suche mit Hilfe eines spezialisierten Unternehmens laufe weiter.

«In Liestal braucht es einen Wechsel der Doktrin»

Hirts Anspruch heisst, einen freundlichen, kompetenten Gastgeber mit Stil zu finden, der für eine bürgerliche Küche mit Qualität zu vernünftigen Preisen sorgt. Allenfalls wäre er auch zu Kompromissen bereit: «Wenn sich ein Sternekoch mit einem überzeugenden Konzept meldet, wie er das Restaurant in einem höheren Preissegment führen will, sind wir offen.» Was aber nicht in Frage komme, sei eine Restaurant-Kette als Betreiberin oder die «Schützenstube» in ein Hamburger- oder Kebab-Lokal umzuwandeln.

Hirt, dessen Firma die «Schützenstube» 2014 übernommen hatte, proklamierte von Anfang an baulichen Handlungsbedarf. 2015 machte er ein Projekt von Ritter Giger Schmid Architekten SIA AG in Basel öffentlich. Dieses sah für rund 7,5 Millionen Franken einen Umbau der Liegenschaft mit modernen Wohnungen in den oberen Geschossen inklusive Gebäudeaufstockung auf der Hinterseite an der Mühlegasse und einer Totalsanierung von Restaurant und Sälen vor. Doch das müsse warten, weil «auf Seiten der Stadt der Exponent verloren gegangen ist, der sich für das Projekt einsetzte», sagt Hirt.

Es brauche für das vorgelegte Projekt eine Ausnahmebewilligung der Stadt, «die nur zu haben ist, wenn sich der politische Wille zu einer Neugestaltung der Stadtentwicklung abzeichnet». Hirt nennt zwar keinen Namen, aber aus seinen Ausführungen kann gefolgert werden, dass er alt Stadtpräsident Lukas Ott nachtrauert, der heute Stadtentwickler in Basel ist. Und Hirt, der in Liestal wohnt, wird grundsätzlich: «Wenn wir die Belebung des Stadtkerns wirklich voranbringen wollen, dann braucht es einen Wechsel der Doktrin.»

Denn im Liestaler Stedtli herrsche das Problem, dass mit den Mieten für Läden und Lokale traditionell der Wohnteil der Gebäude subventioniert werde. Wolle das Stedtli eine Zukunft als Einkaufszentrum haben, müsse man das Prinzip umkehren: Die teils veralteten Wohnungen in den Obergeschossen modernisieren und marktgerecht vermieten und im Gegenzug die Mieten der gewerblichen Flächen senken. Hirt: «Genau diesen Weg wollte ich mit meinem nun aufgeschobenen Projekt begehen.»

Frühestens im Herbst wieder offen

Stattdessen will Andreas Hirt jetzt das Gebäude einer kleineren Renovation unterziehen. Er sagt: «Klar ist, dass wir das Erscheinungsbild auf der Rathausstrassen-Seite auffrischen. Die Modernisierung der etwas ins Alter gekommenen Innenteile werden wir mit den Bedürfnissen des neuen Mieters abgleichen.» Weil Aussen- und Innenarbeiten miteinander realisiert werden sollen, muss als erstes der Vertrag mit dem noch unbekannten Wirt unterzeichnet sein. Trotz dieser Hängepartie ist Hirt zuversichtlich, dass die «Schützenstube» noch diesen Herbst wiedereröffnet werden kann.
Die Firma Zedrima AG ist seit über 20 Jahren in der Immobilienentwicklung tätig und besitzt etliche Liegenschaften in beiden Basel, wie aus ihrer Website hervorgeht. Wie viele es sind, will Verwaltungsratspräsident Hirt nicht verraten. Man sei ein Familienunternehmen, das keine Zahlen bekannt gebe.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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