In Zwingen tun sich derzeit tiefe Gräben auf. Schulrat Harald Schmidlin wollte zum Elternabend, der vergangene Woche stattfand, gegenüber der bz keine Stellung nehmen. «Den Eltern ist sehr wichtig, dass wieder Ruhe einkehrt. Daher haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir der Presse bis auf Weiteres keine Auskunft erteilen werden», sagt er.

Mehrere Eltern reagierten auf die Aussage, die in der Zeitung publiziert wurde. Sie sagen übereinstimmend, dass es nicht zu einer Abmachung gekommen sei. Vielmehr habe ihnen Schmid schlicht einen Maulkorb verhängen wollen.

Eigentlich hätte es ein ganz normaler Elternabend im Hinblick auf das Schullager der 5. Klasse werden sollen. Stattdessen dominierten Gehässigkeiten. Grund waren die jüngsten Ereignisse an der Primarschule, über welche die bz berichtet hatte. Die Klassenlehrerin Marianne Lander hatte die Kündigung eingereicht. Vorangegangen war ein monatelanger Konflikt.

Landers Klasse hatte im Vergleichstest der Laufentaler Primarschüler schlecht abgeschnitten. Der Grund für die Wissenslücken der Schüler drang erst später ans Licht. So zeigte sich, dass die Schüler in den Jahren davor mit anthroposophischen Lehrmethoden unterrichtet worden waren. Die offensichtlich der Steiner-Lehre verpflichteten Lehrerinnen hatten Eurythmie im Stundenplan verankert und den Epochenunterricht eingeführt.

Lander konfrontierte die Schulleitung damit, stiess allerdings nicht auf offene Ohren. Im Gegenteil: Ihr wurde vorgeworfen, nicht loyal zu sein. Lander sah sich daraufhin gezwungen, die Kündigung einzureichen.

Lander will bleiben

Eigentlich hätte Lander noch bis zu den Sommerferien unterrichten sollen. Sie hatte bereits eine andere Stelle in Aussicht. Doch hat sie den neuen Arbeitsvertrag nicht unterschrieben, wie die bz weiss. Denn die Solidaritätswelle in Zwingen hat sie nicht kalt gelassen.

Zuerst setzten sich die Schüler für einen Verbleib ein, am Elternabend prasselten auch Sympathiebekundungen der Eltern auf sie ein. Ein Vater soll den Schulrat mit der Frage konfrontiert haben, ob er bereit wäre, sich für den Verbleib von Marianne Lander an der Zwingner Primarschule einzusetzen. «Darauf sagte Schmidlin, er könne ihr kein Vertrauen mehr entgegenbringen», sagt eine Mutter.

In der Folge habe sich eine hitzige, teils gar gehässige Diskussion entwickelt. Die Eltern hätten dem Schulrat vorgeworfen, sich nicht für das Wohl der Kinder einzusetzen. Ein Lehrerwechsel würde die Klasse drei bis sechs Monate nach hinten werfen, gab jemand zu bedenken. Im letzten Primarschuljahr sei das verheerend.

In Zwingen zeichnet sich nun ein Showdown ab. Auf der einen Seite der Schulrat, der Schulleiter und die beiden Lehrerinnen, die nach der Steiner-Methode unterrichten. Auf der anderen Seite die Eltern, ein Grossteil der Schüler und Lehrer sowie die 5.-Klass-Lehrerin Marianne Lander.

Über ihr Schicksal wird der Schulrat bis zum 23. Mai beraten. Dann werden die Eltern darüber informiert, ob Lander bleiben darf. Eng mit diesem Entscheid verknüpft dürfte auch das Schicksal von Schulleiter Erich Rubitschung sein. «Lander und dieser Schulleiter unter einem Dach: Das ist nicht vorstellbar», sagt eine Mutter. Rubitschung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.