Strafgericht Baselland

Schwerer Unfall auf Baustelle: Nach sechs Jahren fallen Schuldsprüche wegen fahrlässiger Körperverletzung

Der schwere Unfall fand 2014 statt. (Symbolbild)

Der schwere Unfall fand 2014 statt. (Symbolbild)

Das Baselbieter Strafgericht sprach den Vorgesetzten sowie den Bauleiter schuldig.

Lange Gesichter am Freitag Nachmittag in Muttenz: Das Baselbieter Strafgericht verurteilte einen 38-jährigen Vorgesetzten sowie den 43-jährigen Architekten und Bauleiter wegen fahrlässiger Körperverletzung. Gerichtspräsident Beat Schmidli sagte, beide Männer seien kausal für den schweren Unfall auf der Baustelle im August 2014 verantwortlich.

Es sei klar, dass der Unfall durch fehlende Bodenbretter auf dem Gerüst verursacht wurde. Wer die Bretter zur welchem Zeitpunkt entfernt hatte, konnte aber nicht mehr ermittelt werden. Der 38-Jährige der Metallbaufirma habe faktisch die Rolle eines Vorarbeiters übernommen und dem Verunfallten die Arbeit zugewiesen, dabei hätte er den Arbeitsplatz inspizieren müssen. "Hätte er die Kontrolle vorgenommen, wäre es nicht zum Unfall gekommen", sagte Schmidli.

Der Gerichtspräsident räumte ein, dass das Opfer sich falsch verhalten habe: Der Temporärarbeiter sei trotz seiner langjährigen Erfahrung auf dem Bau unaufmerksam gewesen. Das Fehlverhalten des Verunfallten wiege aber nicht so stark, dass die Vorgesetzten keine Schuld mehr trügen.

Auch der 43-jährige Bauleiter hätte für die Einhaltung der Vorschriften sorgen und etwa das Gerüst regelmässig kontrollieren müssen. Zum Schuldspruch trug auch die Tatsache bei, dass der 43-Jährige wie bei Bauleitern üblich die Aufträge lediglich telefonisch erteilte und hinterher nicht sauber dokumentierte. Der 57-jährige Chef einer Fensterbaufirma hingegen hingegen wurde freigesprochen, ihm konnte laut Gericht kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.

Durch das lange Verfahren sowie ein Gutachten sind hohe Untersuchungskosten entstanden, die beiden Verurteilten müssen nebst ihrer bedingten Geldstrafe auch die Verfahrens- und Gerichtskosten von jeweils über 10'000 Franken übernehmen. Sie werden das Urteil wohl ans Kantonsgericht weiterziehen.

Die Frage einer Genugtuung an den Verletzten sowie weitere Forderungen verwies das Gericht auf den Zivilweg: Im Grundsatz bejahte Schmidli die Haftung der beiden Verurteilten, doch über die Höhe der Entschädigungen sei noch keine Entscheidung möglich. Auch die in Haftpflichtverfahren wichtige Haftungsquote legte das Gericht nicht fest, damit wird sich wohl noch ein Zivilrichter befassen müssen.

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