Hochstapler in Reinach

Schwindel und psychischer Druck: Arbeitsloser 50-Jähriger machte seiner Partnerin jahrelang das Leben zur Hölle

Jahrelang machte der Angeklagte seiner Frau Reichtum vor - die Realität sah anders aus. (Archivbild)

Jahrelang machte der Angeklagte seiner Frau Reichtum vor - die Realität sah anders aus. (Archivbild)

Er gaukelte Frauen Reichtum vor. Dabei betrog er sie und versteckte seine Schulden.

Es war ein Ende mit Schrecken: Eine Reinacherin entdeckte 2014, dass ihr Lebenspartner sie jahrelang angelogen und finanziell ausgenommen hatte. 2010 lernte sie den heute 50-Jährigen kennen. Bald zog er bei der alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern ein, machte den Haushalt, ging zu Weiterbildungen oder zur Arbeit. Auch erwartete er bald viel Geld aus dem Verkauf einer Olivenplantage.

Sorgen machte er sich auch um einen angeblich krebskranken eigenen Sohn. Bloss: Es waren alles Lügen, der Mann war bereits hoch verschuldet und arbeitslos. Tatsächlich fing er die Postsendungen seiner Freundin ab, darunter Zahlungsbefehle und Betreibungen. Die Familie fiel aus allen Wolken, als die Polizei vorbeikam, weil die Motorfahrzeugsteuer sowie die Haftpflichtversicherung fürs Auto nicht bezahlt waren. Er wollte sich dann darum kümmern, bezahlte die Forderungen aber nur teilweise. Die Frau erhielt deshalb später einen Strafbefehl, auch diesen liess er verschwinden.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so viel Geld bezogen habe»

Die Frau überliess ihm ihre Bankkarten mitsamt Code, um einzukaufen. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings von ungerechtfertigten Bezügen von über 80'000 Franken aus. «Ich habe auch für alle im Haus eingekauft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so viel Geld bezogen habe», meinte der 50-Jährige dazu am Montag vor Gericht. Als die Frau skeptisch wurde, setzte er psychischen Druck auf: Mehrmals wöchentlich kontrollierte er ihre Mails, und als sie schlief, durchforstete er ihr Mobiltelefon. Fragte sie nach, drohte er mit seinem Weggang: Dann seien die Kinder traumatisiert, und sie lande in der Psychiatrie, behauptete er. «Ich habe ihm geglaubt. Er sagte immer, er habe Kontakte», sagte die Frau am Montag dem Gericht.

Ein «charmanten Hochstapler»

Der Angeklagte entschuldigte sich wortreich, konnte sein Verhalten aber nicht erklären. Der Gutachter sprach von einer dissozialen Persönlichkeit und einem «charmanten Hochstapler», der seit Jahrzehnten mit derartigen Verhaltensmuster auffalle. Dies missfiel der Verteidigerin, denn das Gericht darf nur den angeklagten Zeitraum berücksichtigen und auch Vorstrafen aus den 90er-Jahren nicht mehr berücksichtigen. Der Gutachter hingegen darf zur Beurteilung der Rückfallgefahr sämtliche Akten in seine Überlegungen miteinbeziehen.

Drei Monate nach der Trennung lernte er 2015 eine 17 Jahre jüngere Frau kennen, auch diese trennte sich nach einem Jahr und erhebt ähnliche Vorwürfe gegen ihn: verschwundene Briefe, Lügen und Kontrollwahn. Der hier aufgewachsene Italiener hat eine C-Bewilligung, deren Erneuerung jetzt sistiert ist. Derzeit arbeitet er als Koch, und seit 2017 lebt er auch wieder in einer Beziehung. Rechtlich geht es um die Vorwürfe der Aneignung, des Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie der Nötigung. Das Dreiergericht fällt sein Urteil morgen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1