SVP Baselland

Secondo, Hardrocker, SVPler: Dieser Neo-Politiker will in den Reinacher Gemeinderat

«Viele können nicht verstehen, warum ich das mache»: Csaba Zvekan.

«Viele können nicht verstehen, warum ich das mache»: Csaba Zvekan.

Csaba Zvekan machte als Heavy-Metal-Sänger Karriere – jetzt will er für die SVP in den Reinacher Gemeinderat.

Csaba Zvekan warnt schon mal vor. «Erschrecken Sie nicht. Ich trage Anzug und Krawatte.» Vom Neo-SVP-Politiker ist man sich anderes gewohnt. Drei Jahrzehnte lang bewegte sich der 51-jährige Musiker im Heavy-Metal-Zirkus. Zvekan trug lange Haare, Ledergilets, zerlöcherte Jeans. 2017 trat er der SVP bei, Anfang 2019 übernahm er das Präsidium der Sektion Reinach.

Seither ist alles anders. Zum Interviewtermin mit der «Schweiz am Wochenende» hat er sich in Schale geworfen. Blauer Veston, weisses Hemd, gestreifte Krawatte. Als er sieht, dass seine noch immer jugendlich vollen Haare ein wenig verstrubbelt sind, rückt er sie sofort zurecht.

Obwohl – er selber will nichts wissen von einem Bruch. «Ich habe Berufliches und Privates immer strikt getrennt.» Zvekan sitzt im Restaurant Rössli in Reinach, vor ihm steht eine Tasse Tee. In Sichtweite: Das Gemeindehaus, wo er hinwill. «Schon zu meiner Zeit in Kalifornien, als ich für eine Treuhandfirma arbeitete, habe ich nach Feierabend den Anzug ab- und die Jeans angezogen. Am Tag im Büro – am Abend auf der Harley: Das war völlig normal.»

Trat im Stade de France und in Wacken auf

Falls sein Plan aufgeht, wird er den Veston häufiger brauchen. Zvekan will in den Gemeinderat einziehen bei den Gemeinderatswahlen im Februar. In das Gremium, aus dem die Volkspartei bei den letzten Wahlen 2016 ausschied. Damals verpasste Paul Wenger die Wiederwahl.

Zvekan, der ungarische Wurzeln hat, soll den Sitz zurückerobern. Der Mann, der 2010 im Stade de France auftrat und im selben Jahr am Wacken Open Air, will die Bühne mit dem Gemeinderatssaal tauschen.

Csaba Zvekan (2. v. r.) mit Metal Machine 2010 im Stade de France, als Vorgruppe von AC/DC.

Csaba Zvekan (2. v. r.) mit Metal Machine 2010 im Stade de France, als Vorgruppe von AC/DC.

Ein zweites Standbein zur Musik hatte er sich schon früh aufgebaut. In seinen 20ern arbeitete er zuerst als Tontechniker, danach auch im IT-Sektor. Secondo, Hardrocker, IT-Spezialist: Das passt auf den ersten Blick nicht so recht zu einem Vertreter der Volkspartei. Auch das sieht Zvekan anders. «Wie viele Rechtspolitiker habe auch ich einen ausgeprägten Ordnungssinn. Ich bin Programmierer, da ist man immer auf der Suche nach Fehlern. Auch als Tontechniker muss alles stimmen. Diesen Ordnungssinn kann man nicht einfach ausschalten.»

Zvekan wächst in Basel auf, im St. Johanns-Quartier. Schon in der Realschule gründet er seine erste Band. Mit 18 folgt ein Plattenvertrag. Als junger Mann beginnt er eine Verkaufslehre, schliesst sie aber nicht ab. Was ihn noch mehr interessiert: IT. Er steigt in das damals noch blutjunge Business ein, arbeitet im Support, wird Leiter der EDV bei einem Grossunternehmen.

Mitte 25 geht er nach Los Angeles, will als Tontechniker arbeiten. Als ihn das nicht über Wasser halten kann, nimmt er einen Job bei einer Treuhandfirma an.

Seine Eltern sind aus Ungarn aus Serbien

1998 kehrt Zvekan, damals 30-jährig, in die Schweiz zurück, zieht nach Reinach. Grosse Erfolge feiert er mit den von ihm gegründeten Heavy-Metal-Bands Exorcism und Raven Lord.

Die musikalische Ader hat Zvekan von seinem Vater, einem Belcanto-Sänger. Die Eltern schickten ihre beiden Kinder früh in die Basler Musik-Akademie, der junge Csaba spielte zuerst Violine, später Flöte. «In meiner Jugend in den 80er-Jahren kam ich mit Metallica und AC/DC in Kontakt. Da dachte ich: Ich will Gitarre spielen.» Über seinen Gitarrenlehrer kommt er in Kontakt mit der Rockszene. Bald konzentriert er sich aufs Singen.

Geboren wurde Zvekan in Serbien, damals noch Teil Jugoslawiens. Seine Familie gehörte der ungarischen Minderheit in der Vojvodina an. Als er sechs Jahre als ist, emigrieren die Eltern in die Schweiz, arbeiten als Krankenpfleger in Basel.

Die Eltern Einwanderer. Der Sohn bei der SVP.

Auch das ist für Zvekan kein Widerspruch. «Meine Eltern haben sofort gearbeitet und sich integriert. Für uns war klar: Das ist jetzt unser Zuhause – mit allem, was dazu gehört. Jetzt will ich dieses Zuhause erhalten.»

Zvekan ist Vater von zwei Mädchen im Vorschulalter. Das habe auch einen Anteil daran, dass er in die Politik eingestiegen sei, sagt er: «Ich will, dass sie in einem sicheren und stabilen Land aufwachsen.»

«Ich mache das, wo man mich gebrauchen kann»

Mit seinem Engagement in der Politik wolle er Vorbild sein für Junge, gerade für Secondos. «Mein Werdegang ist nicht gerade typisch für einen Politiker. Mein Name tönt ausländisch, und ich bin in der SVP: Das braucht schon Mut.» Von der Metal-Community habe er viele negative Reaktionen erhalten, seit bekannt wurde, dass er für die SVP politisiert. «Viele können nicht verstehen, warum ich das mache.»

2015 entdeckte Zvekan eine weitere Leidenschaft: Die Börse. Der Autodidakt begann damit, Trading-Programme zu schreiben. 2017 machte sich Zvekan selbstständig, gründete die APL Trading Zvekan.

Falls er gewählt würde, könne er noch nicht sagen, welches Departement er favorisiert: «Ich mache das, wo man mich gebrauchen kann.» Derzeit beschäftigen ihn die eidgenössischen Wahlen im Oktober. Zvekan leitet die Kampagne für seine Parteikollegin Caroline Mall, die für den Nationalrat kandidiert.

Wenn es um die grosse Politik geht, hat Zvekan klare Vorstellungen. Die Schweiz dürfe sich nicht der EU unterwerfen und müsse ihre christlichen Wurzeln bewahren. Die Masseneinwanderungs-Initiative sei endlich durchzusetzen. «Die Zehn-Millionen-Schweiz darf es nicht geben.»

Er selber bezeichnet sich als geradlinig, jedoch auch als kompromissbereit. «Du kannst nicht einfach deinen Kopf durchstieren. Das geht in unserem System nicht, und das passt auch nicht zur Schweiz.»

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