"Man hat bei Ihnen alles probiert: Strafen, Massnahmen, ambulante Behandlungen, Bewährungshilfe. Eigentlich hat das alles nicht gebracht, sie sitzen wegen gleichartiger Delikte wieder hier", meinte Gerichtspräsident Andreas Schröder am Donnerstag. Es ging ledliglich um die genaue Strafe, das Dreiergericht hatte bereits im vergangenen Mai einen Schuldspruch wegen gewerbsmässigem Diebstahl gefällt.

Der Mann hatte die meisten Delikte sowieso zugegeben: 140 Diebstähle im Gartenbad Joggeli und Bachgraben, in der Kunsteisbahn Binningen sowie in weiteren Sport- und Eishallen der Schweiz in den Jahren 2010 und 2011. Die gesamte Deliktsumme liegt bei rund 80'000 Franken. Wie er aussagte, hatte er sich zuvor jeweils über die genauen Spielzeiten der Sportler informiert. Der heute 41-jährige Mann ist aufgeflogen, weil ein Spieler in Renens VD zu spät zum Training kam und ihn dabei erwischte, wie er in der Mannschaftsgarderobe die Portemonnaies einsammelte.

Dissoziale Persönlichkeit

So klar die Delikte, so umstritten sein Geisteszustand: Nur drei Wochen nach seiner letzten Haftentlassung fing er wieder mit dem Klauen an, obwohl er beim Grossvater wohnen konnte. Zum ersten Mal wurde er wegen ähnlicher Diebstähle im Alter von 21 Jahren verurteilt. Ein Gutachten aus dem Jahre 1993 diagnostizierte nebst einer Hirnfunktionsstörung das Asperger-Syndrom, eine Entwicklungsstörung im Bereich des Autismus. Ein Gutachten im Frühling hingegen sprach von einer dissozialen Persönlichkeit. Das Gericht gab daraufhin im Mai ein Obergutachten bei Forensiker Marc Graf von der UPK in Auftrag – dieses sieht nun keine Dissozialität und verneint auch eine andere psychiatrische Diagnose.

"Er ist schon sozial auffällig, vermutlich leidet er an einer hirnorganischen Störung. Aber was hätte er von dieser Diagnose? Das wäre ein ein nicht zu korrigierendes 'Hardwareproblem'", sagte Graf vor Gericht. Wenn er wieder alleine sei, werde er wohl erneut deliktisch tätig. "Er kann nicht anders?", fragte Andreas Schröder zurück. "Ja, bis zu einem gewissen Grad", meinte Marc Graf. Die Steuerungsfähigkeit sei bei den Delikten aber dennoch nicht eingeschränkt gewesen, weil er dabei sehr taktisch und planmässig vorgegangen sei.

Tadelloses Führungszeugnis

Seit rund zwei Jahren lebt der Angeklagte im offenen Vollzug in einer Strafanstalt und arbeitet in der Landwirtschaft, sein Führungszeugnis ist tadellos. Er erklärte seine Taten mit Arbeitslosigkeit und Beziehungsproblemen. Sein Verteidiger betonte, man solle seinem Mandanten eine Chance geben, Drogensüchtige kämen ja meist auch nicht beim ersten Entzug langfristig von den Drogen los. Staatsanwalt Martin Hälg hingegen forderte eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren. "Ein weiteres mildes Urteil darf es nicht mehr geben, und auch das Privileg des offenen Vollzuges muss hier und heute ein Ende haben", so Hälg.

Das Dreiergericht verurteilte den Mann zu vier Jahren Freiheitsstrafe, mangels psychiatrischer Diagnose sei keine Massnahme möglich. "Das Gericht war ratlos bei ihnen", kommentierte Andreas Schröder. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.