Jubiläum

Seit fünf Jahren entwickelt CSEM in Muttenz neue Technologien

Christian Bosshard, Geschäftsführer der CSEM in Muttenz, mit einer gedruckten, flexiblen Fotovoltaikzelle. Kenneth Nars/Archiv

Christian Bosshard, Geschäftsführer der CSEM in Muttenz, mit einer gedruckten, flexiblen Fotovoltaikzelle. Kenneth Nars/Archiv

Das Unternehmen, welches als Reaktion auf die Uhrenkrise in den 80er Jahren gegründet wurde, hat seit 2011 einen Sitz in Muttenz

Die Gäste an der  Jubiläumsfeier zum fünfjährigen Bestehen des Muttenzer Standorts des CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique), darunter Regierungsrätin Monica Gschwind, werden einem kontakthungrigen Roboter begegnen: Je nachdem, wo die Gäste seine sensible Haut berühren, reagiert er unterschiedlich.

Die Folie mit den Eigenschaften eines Handy-Touchscreens, aus der diese Haut gemacht ist, ist eine Neuentwicklung des Baselbieter CSEM. «Die Industrialisierung 4.0 erfordert extrem viele Sensoren. Diese konventionell zu vernetzen wäre zu aufwendig», ist Standort-Geschäftsführer Christian Bosshard überzeugt. Kommen die elektronischen Schaltungen dagegen aus dem Tintenstrahldrucker, bleiben sie bezahlbar.

Aus der Katastrophe gelernt

Hauptsitz des CSEM ist Neuenburg. Gegründet wurde es Anfang der 80er-Jahre auf dem Höhepunkt der Uhrenkrise: Die Quarzuhr war zwar in der Schweiz erfunden worden, aber der Ferne Osten war schneller und flutete den Weltmarkt mit Billiguhren. In der Schweiz gingen 30 000 Jobs verloren.

Dass man einen Technologiesprung verpasst, sollte sich nicht wiederholen. Deshalb förderte der Bundesrat die Gründung des CSEM als private Firma, deren Zweck es ist, neue Technologien zu entwickeln und rasch in die Industrie zu transferieren; was Bosshard heute als besonders dringend erachtet: «Die Schweiz gilt zwar als Innovations-Spitzenreiter. Doch wegen der lange anhaltenden Frankenstärke sind viele Unternehmen derart am Anschlag, dass sie neben dem täglichen Geschäft nur noch über wenig Ressourcen für Neuentwicklungen verfügen.»

Insgesamt arbeiten 450 Ingenieure und Wissenschaftler für die Technologieschmiede, davon deren 40 in Muttenz. Neben dem Neuenburger Hauptsitz verfügt das CSEM über Niederlassungen in Zürich, Alpnach, Landquart, und Muttenz – jede mit anderen Spezialisierungen.

Oberflächen mit Wirkung

«Kommt ein Unternehmen mit einem Projekt zu uns, profitiert es vom Know-how aller CSEM-Standorte», betont Bosshard. So arbeitete man für gedruckte Sensoren zur Überwachung biologischer Reaktionen im Labor der C-CIT AG aus Binningen und Wädenswil (ZH) mit den Elektrochemie-Spezialisten der CSEM Landquart zusammen.

Ein weiterer Muttenzer Schwerpunkt ist die Mikro- und Nanostrukturierung von Oberflächen. Beispiel: Die Lamellen-Fassade am Neubau der Messe Basel dient – neben der Ästhetik – der passiven Steuerung des Klimas im Innern: Beim hohen Sommer-Sonnenstand hält sie die eigentliche Gebäudehaut im Schatten. Steht die Sonne im Winter tief, scheint sie durch die Öffnungen und hilft so, das Gebäude zu heizen.

Dieses Prinzip könnte einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Um es für bestehende Bauten nutzbar zu machen, tüftelt man bei BASF Schweiz an Folien, die ähnliche Funktionen übernehmen, und die man in Fenster einlaminieren kann. Technologie-Partner für diese Innovation ist das CSEM in Muttenz. Daneben findet man nanostrukturierte Flächen mit Technik aus Muttenz in Sicherheitselementen französischer Pässe oder philippinischer Banknoten.

Öffentlich geförderte Innovation

«Wir entwickeln die Technologie-Plattformen und nehmen so der Industrie das Risiko ab, ob etwas grundsätzlich funktioniert», erklärt Bosshard. Dies sei der Humus, in dem die Industrieprojekte als Pflänzchen gedeihen. An der Erneuerung dieses «Humus» beteiligt sich die öffentliche Hand finanziell: Ein Drittel der Mittel kommt von Bund und Kanton. Baselland trägt jährlich 3 Millionen Franken bei, unter der Bedingung, dass das CSEM Muttenz mindestens im gleichen Umfang Aufträge externer Partner ausführt.

Über 20 industrielle Projekte aus der Region bearbeitet CSEM jährlich im Austausch mit der Uni Basel, der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Paul-Scherrer-Institut. Für Projekte wie «Lassie» – die Entwicklung grossflächiger LED-Leuchten, unter anderem zusammen mit BASF Schweiz und Regent Lighting aus Basel – hat CSEM Muttenz im Auftrag der EU die europaweite Koordination übernommen. «Das CSEM agiert als hochstehender Brückenbauer zwischen Hochschule und Industrie und stärkt damit nachhaltig unsere Region als attraktiver Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort», verschickt die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind nette Geburtstagsgrüsse.

Autorin

Daniel Haller

Daniel Haller

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