In neuem Gewand

Seit zehn Jahren werden im Baselbiet Burgen und Ruinen saniert – Diese sind einen Besuch wert

Seit 2007 hat der Kanton Baselland Millionen in die Sanierung seiner Ruinen und Burgen gesteckt. Die «Schweiz am Wochenende» zeigt auf, was erreicht wurde – und wo noch Handlungsbedarf besteht.

In den vergangenen Jahren musste im Kanton Baselland jeder Rappen umgedreht werden. Investitionen wurden zurückgestellt, Lehrer und Beamte beklagen sich über marode Schulhäuser und bröckelnde Verwaltungsgebäude. Besser steht es um die Ruinen und Burgen.

Noch bevor die Sparpakete geschnürt wurden, beschloss die Regierung: Die alten Gemäuer sollten nicht verlottern. Bemerkenswert war die Rede der FDP-Regierungsrätin Monica Gschwind, die eher für ihre Sparbemühungen bekannt ist als für ihre Generosität, als vor einem Jahr die Wiedereröffnung der Ruine Pfeffingen gefeiert wurde. «Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können. Kultur ist der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert», zitierte Gschwind den früheren deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Auch das Volk bekräftigte den hohen Stellenwert der Burgen und Schlösser. 2013 stimmte es gegen die Veräusserung des kantonseigenen Schlosses Wildenstein bei Bubendorf sowie den Verkauf des Bottminger Schlosses.

Mehr Burgen als Graubünden

Gut zehn Jahre ist es her, dass der Baselbieter Landrat das Konzept zum Umgang mit Ruinen und Burgen verabschiedete. In der Landratsvorlage brachte der Regierungsrat sein Verantwortungsbewusstsein einstimmig zum Ausdruck. Mit siebzig Burgstellen und Ruinen habe man europaweit eine besonders hohe Dichte im Landkanton. Man übertreffe damit sogar den Kanton Graubünden. Doch drohe das Erbe für immer verloren zu gehen, wenn nicht endlich saniert würde – einzig Augusta Raurica, das Vorzeigeobjekt der historischen Architektur, stehe im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf wackligem Fundament.

Für die anderen kantonseigenen Ruinen und Burgen wurde Geld für Sanierungen gesprochen. In die Ruine Pfeffingen wurden insgesamt sieben Millionen Franken investiert. Seit der Eröffnung vor einem Jahr ist Pfeffingen zu einem wahren Touristenmagnet geworden. «Gerade zu Beginn waren richtige Ströme zu beobachten», sagt Gemeindepräsident Sven Stohler. Nicht nur wurde der Wohnturm mit 750 Tonnen Kalkstein saniert – auch locken neue Grillstellen und eine Aussichtsplattform auf die Ruine, die zu den beeindruckendsten in der Region gehört. Bereits im Jahr 1000 wurde sie gegründet, im 13./14. Jahrhundert war sie Sitz des Grafen von Thierstein.

Auch die Ruine Homburg in Läufelfingen, die 1240 durch Graf Hermann IV. erbaut und 1303 an den Bischof von Basel verkauft wurde, ist in der Zwischenzeit saniert worden. 2,8 Millionen Franken wurden in die maroden Mauerpartien investiert, Steine ersetzt, Risse geschlossen und Mauerkronen abgedichtet, um gerade im Winter das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Frost, das sagt der Kantonsarchäologe Reto Marti, sei der schlimmste Feind der alten Gemäuer. Sobald sie durch kein Dach mehr geschützt sind und sie nicht mehr unterhalten werden, beginnt der Zerfall. Wenn bei Sanierungen falsche Materialien angewendet werden, werde die Erhaltung umso schwieriger, führt Marti aus.

Dass von der Ruine Homburg aber überhaupt noch derart viel übrig ist, darf man bei der bewegten Vergangenheit als Wunder bezeichnen. Nachdem die Burganlage 1798 vom Bistum Basel als Sitz des Landvogts aufgegeben worden war, zündete die Bevölkerung sie als Symbol der verhassten Obrigkeit an. Erst 1941 übernahm Baselland die Burgruine – seit 2010 erscheint sie in neuem Glanz und zieht wieder Sonntagsausflügler an.

Farnsburg muss saniert werden

Die Arbeit aber geht den Archäologen nicht aus. Von den vier grösseren historischen Bauten, bei denen der Kanton in der Unterhaltspflicht steht, sind in den vergangenen Jahren noch nicht alle auf Vordermann gebracht worden. Die im 14. Jahrhundert erbaute Farnsburg zwischen Gelterkinden und Buus war bereits 2007 als sanierungsbedürftig eingestuft worden; bisher wurde erst eine als «dringlich» eingestufte Sanierung durchgeführt, nachdem an der Schildmauer Risse festgestellt worden waren. Doch ist die Ruine heute weit entfernt vom Anspruch, den ein Ausflugsziel dieser Bedeutung haben sollte. Die Treppe zum Hauptturm ist nicht in einem guten Zustand, die imposante Schildmauer, die an guten Tagen eine Aussicht bis hin zu den Alpen ermöglicht, müsste instand gestellt werden. Eigentlich war geplant, die Bauarbeiten in diesem Jahr zu beginnen.

Aber nachdem 2016 Jahrestranchen aus dem Investitionsplan für die Instandhaltung der Burgen sistiert worden waren, verzögert sich das Projekt, das Marti in der bz auf rund vier Millionen Franken bezifferte. Demnächst soll nun aber der Verpflichtungskredit in den Landrat kommen. Mit guten Chancen: Die Baselbieter Politiker scheinen bei den Burgen keine Abstriche machen zu wollen. «Unsere Vergangenheit muss dokumentiert werden», sagt etwa der angehende Historiker und SP-Landrat Jan Kirchmayr.

Nicht überall ist jedoch der Kanton in der Lage, selbst Hand anzulegen. Viele Ruinen und Burgen sind in privater Hand – getragen von Leuten, denen die Mittel für den Unterhalt fehlen. Sechs dieser Burgen wurden 2007 als stark gefährdet bezeichnet, bei dreien bestehe «akuter Handlungsbedarf». Eine Stiftung hat sich in der Zwischenzeit der einstigen Burg Witwald ob Eptingen angenommen. Der wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erstellte, einstige Stammsitz des Herren von Eptingen ist mittlerweile für 300 000 Franken saniert worden. Im August plant die Stiftung eine «Eröffnungs»-Feier.

Für die beiden anderen grossen, bedeutenden Anlagen in Privatbesitz ist noch keine Lösung gefunden. Dringend wären Sanierungen der über 800 Jahre alten Frenkendörfer Ruine Neu-Schauenburg, die seit dem frühen Aussterben des Schauenburger-Geschlechts regelmässig den Besitzer gewechselt hat. Ähnlich ist die Situation bei der Ruine Ramstein in Bretzwil. Diese war bis ins 19. Jahrhundert bewohnt, wurde danach aber ihrem Schicksal überlassen. Und das bedeutete den schnellen Verfall.

Selbst ein unerhoffter Baselbieter Geldsegen wird nicht dazu führen, dass mehr Burgruinen saniert werden. «Bei Anlagen, die heute schon zerfallen sind und vollständig unter dem Waldboden liegen», sieht der Kanton keinen Handlungsbedarf, wie er 2016 in einer regierungsrätlichen Antwort erklärte. Die Arbeit geht der Kantonsarchäologie aber auch so nicht aus. «Auch einige Burgen in Privateigentum müssen für die Zukunft gesichert werden, da sind wir derzeit auf der Suche nach Lösungen», sagt Kantonsarchäologe Marti. Das Beispiel der Ruine Eptingen-Witwald, für deren Sicherung und zukünftigen Unterhalt eine Stiftung sorge, zeige, wie eine solche aussehen könne.

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