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Selbstfahrende Busse im Oberbaselbiet – Projekt sorgt für heisse Diskussionen

Der selbstfahrende Bus Trapizio ist seit einem Jahr in Schaffhausen im Einsatz. Für die BLT hat er Vorbildfunktion.

Der selbstfahrende Bus Trapizio ist seit einem Jahr in Schaffhausen im Einsatz. Für die BLT hat er Vorbildfunktion.

In zwei Jahren will die BLT im Oberbaselbiet selbstfahrende Busse testen. In den sozialen Medien wird eifrig diskutiert.

Die Ankündigung, dass in zwei Jahren ein Testbetrieb mit selbstfahrenden Kleinbussen im Oberbaselbiet gestartet werden soll, schlägt hohe Wellen. Die bz berichtete am Donnerstag exklusiv darüber. Regionale Zeitungen haben das Thema aufgenommen. In sozialen Medien wird eifrig diskutiert.

Die Kommentare sind fast ausschliesslich vernichtend: «Ohne Chauffeur – ohne mich!!!» oder «Zum Glück bin ich nicht auf so einen Mist angewiesen!» sind bloss zwei der zahlreichen Meinungen. Nur ganz wenige Leute äussern sich positiv.

Gemeindepräsident ist offen

Einer davon ist der Gemeindepräsident von Oberdorf, Piero Grumelli (CVP). Dessen Gemeinde könnte von einer Testphase direkt betroffen sein. Die BLT-Buslinie 92 verkehrt zwischen Oberdorf und Liedertswil. Grumelli schreibt auf Twitter: «Sicher etwas, was zu überlegen ist. Die ‹teuerste› Komponente im ÖV ist neben den Abschreibungen fürs Fahrzeug eindeutig das Personal. So könnten solche selbstfahrende Busse ein gutes Angebot auch in Randregionen ermöglichen.»

Was meinen Buschauffeure zu den Plänen der Baselland Transport AG (BLT), in zwei Jahren selbstfahrende Kleinbusse zu testen? «Das ist zwar schön und gut. Dass aber ein solches Gefährt bei diesem Verkehrsaufkommen und mit speziellen Situationen ohne Buschauffeur klarkommt, glaube ich weniger», meint ein Chauffeur, der schon seit 17 Jahren Busse steuert. Zudem habe man keinen Ansprechpartner, wenn irgendwas sei. Der 45-jährige Mann äussert sich auch zur Kostenfrage: «Ein Buschauffeur ist günstiger, als derartige Fahrzeuge zu kaufen. Ich bezweifle, dass so Geld gespart werden kann.»

Ein weiterer Busfahrer zeigt sich ebenfalls wenig begeistert. Er fände die Idee nicht gut, sagt der 50-Jährige. «Stellen Sie sich vor, was auf die Dauer mit all den Buschauffeuren geschieht. Das sind Arbeitsplätze, die verloren gehen», mahnt er. Auch weist er auf die Sicherheit hin und betont, dass das Ganze noch keineswegs ausgereift sei.

Ein Mann aus dem Oberbaselbiet kann selbstfahrenden Bussen viel Gute abgewinnen. «Das ist ein grosser Schritt, der hier gewagt wird», sagt er begeistert. Interessant sind für den 28-Jährigen die Fragen, welche aufgeworfen werden. Zum Beispiel beim Anhalten: Steigen eine oder mehrere Personen aus und ein? Wie entscheidet sich der Bus? Der Mann, der im Sozialbereich tätig ist, outet sich geradezu als Fan von selbstfahrenden Bussen und generell von selbstfahrenden Autos. «Ich bin überzeugt, dass ganz viele Unfälle, die sich durch menschliches Versagen ereignen, verhindert werden könnten. Mit nur noch selbstfahrenden Fahrzeugen könnten unglaublich viele Staus vermieden werden.»

«Ich habe Angst davor»

Dennoch hat der 28-jährige Oberbaselbieter gewisse Bedenken: Technisches Versagen sei möglich, sagt er. Kritische Geister glaubten, vollständig automatisierte Busse seien durch irgendwelche gesteuerte Satelliten, die ins System eingreifen könnten, angreifbar und manipulierbar.

«Ehrlich gesagt, ich habe Angst davor», sagt eine 67-jährige Frau, als sie von der bz auf das geplante Projekt der BLT angesprochen wird. Sie traue «diesem Zeug» nicht, auch aus Sicherheitsgründen. «Ich würde nie in einen solchen Bus steigen», sagt sie dezidiert.
Für das Pilotprojekt ist noch einiges offen und ungeklärt: Technik, Finanzierung, Genehmigung, Buslinie, Haftung. Laut Fredi Schödler, Vizedirektor der BLT, ist der reguläre Betrieb eines führerlosen Busses frühestens in fünf Jahren möglich. Während der Anfangsphase wird im Kleinbus ein Begleiter sitzen, der eingreifen kann.

Im Schaffhausischen fährt seit knapp einem Jahr der selbstfahrende Kleinbus Trapizio beim Rheinfall auf einer 500 Meter langen Strecke – bisher unfallfrei. Ganz anders in Sion. Im Walliser Kantonshauptort touchierte am 21. September 2016 ein führerloses Mini-Postauto eine offene Heckklappe eines abgestellten Lieferwagens. Verletzt wurde niemand, es entstand geringer Sachschaden. Postauto Schweiz stellte den Testbetrieb ein. Dieser wurde zwei Wochen später wieder aufgenommen, nachdem der Fahrzeuglieferant aufgrund einer Analyse technische und organisatorische Massnahmen umgesetzt hatte.

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