Tagfalter-Projekt

Seltene Schmetterlings-Art findet den Weg zurück ins Baselbiet

Er ist zurückgekommen: Der dezente Kreuzenzian-Ameisenbläuling.

Er ist zurückgekommen: Der dezente Kreuzenzian-Ameisenbläuling.

Die Lebensräume der einheimischen Tagfalter konnten erfolgreich aufgewertet werden. Durch das anpflanzen nötiger Pflanzen konnte der Kreuzenzian-Ameisenbläuling wieder angesiedelt werden. Ein Erfolgskapitel des Tagfalter-Projekts.

Bergkronwicken-Widderchen, Rostbraunes Wiesenvögelein, Kreuzenzian-Ameisenbläuling: Was für viele sehr fremd tönt, war für den Biologen Marcel Goverde in den letzten Jahren wichtiger Lebensbestandteil mit Höhen und Tiefen.

Goverde leitete sechs Jahre lang die Arbeitsgruppe Tagfalterschutz von Pro Natura Baselland. Vorgestern publizierte die Gruppe ihre Projekt-Bilanz und legte auf 66 Seiten Rechenschaft ab, wie sie die rund eine viertel Million Franken, davon fast die Hälfte vom Swisslos-Fonds Basel-Landschaft, eingesetzt hatte.

Die zentrale Botschaft: Mehrere Lebensräume im Kanton konnten für die heimischen Tagfalter – um solche handelt es sich bei den eingangs erwähnten drei Arten – nachhaltig aufgewertet werden.

Parallel dazu konnte der in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beobachtete Artenschwund unter den Tagfaltern vorerst gestoppt werden. Derzeit leben im Baselbiet noch rund 100 von einst 130 Tagfalterarten, im Volksmund schlicht Schmetterlinge genannt, auch wenn Wissenschafter unter diesem Oberbegriff weit mehr subsumieren.

Mit Lieblingspflanze hergelockt

Unter ihnen ist auch der Kreuzenzian-Ameisenbläuling, für Goverde eines der grössten Erfolgskapitel des Tagfalter-Projekts: Diese Bläulingsart, die im Kanton nur noch in Liesberg vorkam, war nach 2005 verschwunden, weil der Kreuz-Enzian stark zurückging. Auf diese Pflanze ist der rare Schmetterling aber angewiesen, weil er nur auf ihr seine Eier ablegt.

Der Kreuz-Enzian seinerseits war auf dem Rückzug, weil er auf den zu schwach beweideten Wiesen von Gräsern verdrängt wurde. Also intensivierte man die Beweidung im nötigen Mass und pflanzte Hunderte Kreuz-Enziane, die im Botanischen Garten in Basel gezogen wurden.

Mit dem Resultat, dass im letzten Jahr erstmals in Liesberg wieder ein Kreuzenzian-Ameisenbläuling von der Population im nahen Soyhières einflog. Jetzt warten die Projektverantwortlichen darauf, dass sich der Bläuling in Liesberg wieder fortpflanzt.

Als «Frust» bezeichnet Goverde andererseits die Entwicklung des Skabiosen-Scheckenfalters. Dessen einst grössere Population im Passwang-Gebiet ist bei Projektbeginn aus nicht ganz klaren Gründen verschwunden, weshalb die Arbeitsgruppe auf Massnahmen verzichtete.

Und das Bergkronwicken-Widderchen hat sich von einem seiner letzten Baselbieter Lebensräume, der Lauchweide in Eptingen, trotz umfangreicher Aufwertungsmassnahmen verabschiedet, sodass die Arbeitsgruppe derzeit über eine Aussetzung des Widderchens diskutiert.

Doch wieso braucht es diese Schmetterlinge überhaupt? Goverde sagt: «Je mehr Biodiversität ein Lebensraum aufweist, desto stabiler ist er.» Die Rolle der Schmetterlinge respektive ihrer Raupen im Gesamtgefüge kann zum Beispiel sein, Pflanzen zu bestäuben, Pflanzen zu regulieren oder als Futterquelle für Vögel zu dienen.

Jetzt kommen Böschungen dran

Zu den Erfolgen des Tagfalter-Projekts zählt Goverde auch die Aufwertungsmassnahmen in Liesberg und Rothenfluh, die nicht einer speziellen Tagfalter-Art zugutekommen, sondern der Gattung als Ganzes.

In Liesberg war das die Schaffung von neuen sowie die Aufwertung von bestehenden Magerweiden, in Rothenfluh das Auslichten von Waldrändern und das Fördern von Gebüschen mit Raupenfutterpflanzen.

Und obwohl der teuerste Projektteil die erbrachte Manpower des federführenden Umweltbüros Hintermann & Weber aus Reinach war, singt Goverde ein Hohelied auf die Freiwilligenarbeit und die kantonalen Fachstellen: «Ohne die vielen freiwilligen Helfer und das Wohlwollen des Kantons hätten wir das Projekt in dieser Form nicht durchführen können.»

Die Arbeitsgruppe Tagfalterschutz wolle nun «auf kleinerer Flamme» weiterarbeiten und sich vor allem Strassen-Böschungen, die eigentliche Schmetterlingsparadiese sein können, widmen. Derzeit werden neue Geldmittel gesucht.

Meistgesehen

Artboard 1