Eigentlich ist es paradox: Da hat die Baselbieter SVP in ihren Reihen einen gestandenen Nationalrat, den sie 2015 der nationalen Partei sogar für den Bundesrat vorschlug. Und dennoch gibt es grosse Zweifel, ob dieser Mann 2019 ins Rennen um einen kantonalen Regierungssitz geschickt werden soll. Thomas de Courten, der 51-jährige Rünenberger, ist seit vergangenem Samstag der offizielle Wunschkandidat von SVP-Präsident Oskar Kämpfer. Anders ist dessen Aussage in der «Schweiz am Wochenende» nicht zu deuten: «Ich werde alles unternehmen, um Thomas de Courten davon zu überzeugen, für den Regierungsrat zu kandidieren.» Was für eine Ansage. Und da auch de Courten selbst sein Interesse bestätigt hat, käme es einem Gesichtsverlust Kämpfers gleich, wenn die Parteibasis de Courten am Ende nicht den Platz neben Amtsinhaber Thomas Weber auf einem SVP-Doppelticket zugestehen würde.

«Schwerer Stand» bei CVP-Basis

Doch de Courten und die Exekutive, das ist keine Liebesbeziehung. Zweimal scheiterte er bereits in der SVP-internen Ausmarchung für eine Regierungskandidatur, zuletzt 2013, als er sich zugunsten von Thomas Weber zurückzog. Das Problem: Eine Regierungswahl ist eine Kopfwahl. Die besten Chancen hat, wer auch über die eigene Parteibasis hinaus Stimmen machen kann. Konsenspolitiker sind gesucht. Bestes Beispiel ist Weber. Das Etikett aber, das Thomas de Courten anhaftet, ist «Hardliner». Was er selbst als «klare Linie» und «konsequent» bezeichnet, gilt für viele Freisinnige und Christdemokraten als zu weit rechts. Und deren Stimme konnte die SVP in der Vergangenheit nicht ignorieren, da man stets für Majorzwahlen die «Büza» propagierte, die bürgerliche Zusammenarbeit (oder später Allianz).

Für 2019 jedoch scheint die Lage so vertrackt wie nie zuvor, die Verhandlungen zwischen SVP, FDP und CVP harzen und sind geprägt von diversen gegenseitigen Angriffen. Gesucht ist ein gemeinsames 4er-Ticket mit Anton Lauber (CVP), Monica Gschwind (FDP), Thomas Weber (SVP) und einem weiteren Kandidaten, der von SVP oder FDP kommt. Besteht die SVP auf Thomas de Courten, dürfte das das Ende der Büza sein. «De Courten wird es schwer haben bei unserer Basis», sagt CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli auf Anfrage der bz. Die gebürtige Aargauerin stützt sich für diese Einschätzung auf viele Gespräche, die sie innerhalb ihrer Partei geführt habe. «Er ist ein strammer Parteisoldat. Gerade in Ausländerfragen setzt er sich für eine harte Linie ein, die wir von der CVP nicht vertreten.»

Müller-Kaderli teilt auch nicht Kämpfers Hauptargument für de Courten, dass dieser in Bundesbern stark vernetzt sei. «Was regionale Belange angeht, konnte ich kaum eine Wirkung feststellen. Sein Leistungsausweis ist überschaubar.» Die 40-Jährige spricht noch etwas anderes an: «Auch unsere KMU-Vertreter stimmen keine Lobeshymnen auf ihn an.» Tatsächlich konnte de Courten keine Stricke zerreissen, als er von 2012 bis 2015 die Wirtschaftsförderung Baselland leitete. Und bei der Wirtschaftskammer verdrängte ihn Christoph Buser (FDP), der auch bei Webers Nomination 2013 die Finger im Spiel hatte.

Bürgerlicher Sitz wackelt stark

Das lässt auch darauf schliessen, dass de Courten bei den Freisinnigen einen schweren Stand haben dürfte. Zwar geben sich sämtliche angefragten FDP-Politiker wortkarg und verweisen an Präsident Paul Hofer, der ebenfalls noch nichts zur Personalie de Courten sagen möchte. Wie die bz weiss, verhängte Hofer parteiintern einen Maulkorb. Eigentlich sind aber nur zwei Szenarien denkbar, sollte die SVP auf de Courten bestehen: Entweder die FDP entschliesst sich, nur noch zusammen mit der CVP in den Wahlkampf zu steigen. Oder sie taktiert knallhart und nimmt de Courten als Regierungskandidaten neben Weber und Gschwind in Kauf, damit die FDP im Herbst 2019 wieder mithilfe der SVP den Ständeratssitz angreifen kann. Dies in der Annahme, dass die Bürgerlichen am 31. März sowieso einen Regierungssitz an die SP verlieren werden – natürlich jenen, den Thomas de Courten gerne hätte.