Baselbieter Strafgericht

Sex mit 13-jährigem Mädchen – Notorischer Straftäter (30) muss in geschlossene Therapie

(Symbolbild)

«Keine Jugendliebe»: Das Gericht rügte die Beziehung des Angeklagten.

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Nach einer Beziehung mit einer 13-Jährigen ordnete das Baselbieter Strafgericht in Muttenz eine stationäre Therapie für einen 30-jährigen Mann an. Er fällt seit Jahren wegen Drohungen, Raubüberfällen, Drogen- und Strassenverkehrsdelikten auf.

«Ihr Problem ist die dissoziale Persönlichkeitsstörung, nicht die Pädophilie. Das hat auch der Gutachter bestätigt», sagte Gerichtspräsident Christoph Spindler zum 30-jährigen Verurteilten vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. «Ich weiss gar nicht, was das heisst», knurrte der Mann zurück. «Dass Sie Ihre Impulse nicht unter Kontrolle haben», erklärte Spindler. «Und dafür braucht man eine stationäre Therapie?», fragte der Mann zurück. Ja, befanden die drei Richter, auch wenn die Aussichten auf Erfolg im konkreten Fall nicht gerade rosig sind.

Raub, Überfall, Brandstiftung

Ein Blick zurück: Im November 2012 fasste der Mann vom Baselbieter Strafgericht bereits eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, weil er im August 2010 zusammen mit seinem jüngeren Bruder in der Prattler Längi einen Taxifahrer ausgeraubt hatte. Im Juni 2011 fackelte er beinahe die Wohnung seines Bruders ab, und im September 2011 überfiel er die Volg-Filiale in Möhlin. Später sagte er dazu, er habe sich damals von einem Kriminellen 6000 Franken geliehen und sei in Geldnot gewesen.

Bereits in der Verhandlung 2012 strapazierte er die Nerven des Gerichtspräsidenten (die bz berichtete). Entweder gab er sich völlig desinteressiert oder kicherte mit seinem mitangeklagten Bruder herum. Ein Gutachter sprach noch von «Adoleszenzdelinquenz», empfahl aber dennoch eine Therapie. «Völlig zwecklos», kommentierten damals die Richter. Disziplinarprobleme im Strafvollzug führten dazu, dass er die Strafe vollständig absitzen musste.

Der Mann hatte schon früher fremde Kontrollschilder benutzt und war regelmässig ohne Führerausweis und als Drogenkurier unterwegs. So ging es auch nach der Haftentlassung weiter. Ab dem Sommer 2016 führte er ein halbes Jahr lang eine sexuelle Beziehung mit einem damals 13-jährigen Mädchen. Er hatte gegenüber den Behörden zuerst jeglichen näheren Kontakt abgestritten, dann von einer platonischen Freundschaft gesprochen, er habe warten wollen, bis sie 16 sei. Das Gericht nahm ihm das allerdings nicht ab. «Sie haben kaum je Kooperationsbereitschaft gezeigt und auch Offensichtliches immer wieder geleugnet», kommentierte Christoph Spindler.

Vergewaltigung war kein Thema, laut Spindler habe das Mädchen vor Gericht glaubhaft geschildert, dass sie die sexuellen Handlungen auch selber gewollt habe. Auch das vom Gericht beschlagnahmte Tagebuch bestätige dies, ebenso Telefonüberwachungen und Chatprotokolle. Strafbar ist dies dennoch, das Gericht verurteilte den heute 30-Jährigen wegen mehrfachem Sex mit einer Minderjährigen. Von einer «Jugendliebe» könne man hier nicht mehr sprechen, fand das Gericht. Als die Sozialhilfebehörde das Paar trennen wollte und die 13-Jährige im Februar 2017 deshalb in ein Heim einwies, rastete er aus und drohte einem Mitarbeiter am Telefon, er werde mit dem Baseballschläger vorbeikommen. Drohungen gab es auch bei einer Apothekerin in Liestal, weil sie ihm keine Schmerzmittel geben wollte.

5000 Franken für das Mädchen

«Sie haben in der letzten Verhandlung gesagt, Sie schaffen das alleine, Sie bräuchten keine Therapie. Nun haben Sie den Tatbeweis erbracht, dass Sie das überhaupt nicht können», kommentierte Spindler. Insgesamt lautete das Strafmass auf vier Jahre unbedingt, der Mann bleibt wegen Wiederholungsgefahr auch weiterhin in Sicherheitshaft. Er muss auch Verfahrenskosten von über 55'000 Franken übernehmen. Das Gericht verfügte allerdings eine stationäre Massnahme nach Artikel 59, deren Dauer unbestimmt ist. Deshalb hat sich der Begriff «kleine Verwahrung» eingebürgert. Die Massnahme sei keine Verwahrung, präzisierte Spindler, fügte aber mahnend an: «Sie müssen sich einfach im Klaren sein, dass Sie Delikte begangen haben, die eine Verwahrung zulassen. Mit Ihrer Diagnose laufen Sie schnurgerade darauf zu. Überlegen Sie sich, ob Sie Ihre Chance jetzt nicht nutzen wollen.»

Der 30-Jährige deutete bereits an, das Urteil weiterziehen zu wollen. Das Gericht sprach der inzwischen 15-Jährigen 5000 Franken Genugtuung zu: Das Mädchen habe vor allem durch das Strafverfahren und die Heimplatzierung Nachteile erlitten, nicht aber durch die Beziehung an sich. Die Opfervertreterin hatte vergeblich eine Genugtuung von 30'000 Franken verlangt.

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