Fahndungsmethode

Sex-Täter wird bildlich in die Enge getrieben

Bereits zum fünften Mal wird die Videofahndung auch auf der Suche nach Straftätern genutzt. (Symbolbild)

Bereits zum fünften Mal wird die Videofahndung auch auf der Suche nach Straftätern genutzt. (Symbolbild)

Erneut greift die Baselbieter Staatsanwaltschaft zum ultimativen Mittel der Videofahndung. Ursprünglich sollte sie bei Fussballkrawallen eingesetzt werden. Doch nun wird es bereits zum fünften Mal auf der Suche nach einem Straftäter benutzt.

Gedacht war dieses Fahndungsmittel für die punktuelle Identifizierung von Gewalttätern nach Fussballkrawallen. Inzwischen ist es bereits das fünfte Mal, dass die Baselbieter Staatsanwaltschaft mittels sogenannter Öffentlichkeitsfahndung, alias Videofahndung, einen Straftäter sucht. Zum zweiten Mal geht es um ein Sexualdelikt. Gestern hat sie ein entsprechendes, im Gesicht unkenntlich gemachtes Fahndungsbild publiziert.

Die Umstände dieses jüngsten Falls sind aufsehenerregend: Der Gesuchte hat am 5. April in Liestal einen sexuellen Übergriff auf eine 60-jährige Frau begangen, ist dabei aber von Zeugen beobachtet und fotografiert worden (bz berichtete). Als sich der Mann hinter einem Recyclingcontainer im Gebiet Allee über die Frau hermachte, wurde er von den Passanten angesprochen. Darauf liess er von der Frau ab und ergriff mit seinem Mountainbike die Flucht. Das Opfer blieb unverletzt. Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte der Sexualstraftäter bisher nicht identifiziert werden. Nun hofft man auf den entscheidenden Hinweis aus der Bevölkerung.

Nach Androhung der Veröffentlichung freiwillig gestellt

Die Chancen dafür stehen ziemlich gut. In den vorangegangenen Fällen mussten die Baselbieter Behörden noch nie zur allerletzten Eskalationsstufe des dreiteiligen Verfahrens greifen, der Veröffentlichung von unverpixelten Bildern (siehe Box).

Bei der erstmaligen Anwendung im Baselbiet im Juni 2014 meldeten sich mehrere der gesuchten Fussballhooligans alleine schon aufgrund der Androhung der Veröffentlichung. Im März 2015 stellten sich zwei gesuchte S-Bahn-Schläger, nachdem die Staatsanwaltschaft ein verpixeltes Bild veröffentlicht hatte; gleiches geschah bei der Öffentlichkeitsfahndung nach einer Nebenfigur im berüchtigten Dojo-Fall im Februar 2016.

Schliesslich ging auch im Oktober 2017 jener Mann freiwillig zur Polizei, der wegen einer versuchten Vergewaltigung beim Muttenzer Bahnhof per Videofahndung gesucht wurde. Er war von Verwandten zu diesem Schritt überredet worden, als diese ihn auf den verpixelten Bildern erkannten.

Eingriff in die Privatsphäre

Von den fünf Öffentlichkeitsfahndungen im Baselbiet ging es also nur bei der Premiere vor sechs Jahren um den ursprünglich angedachten Zweck. In Juristenkreisen sorgt dies gelegentlich für Kritik, da es sich bei dieser Fahndungsmethode jeweils um einen schweren Eingriff in die Privatsphäre handelt und einmal veröffentlichte Bilder fast nicht mehr aus dem Internet zu kriegen sind. Etwa in Basel-Stadt ist die Anwendung viel klarer auf Krawalle und Demos beschränkt.

Kriminalkommissär Peter Gill will sich aber nicht zur Baselbieter Methode äussern. Stattdessen verweist er auf die Strafprozessordnung, die die Fahndung mit Bildern bei Tötungsdelikten oder Sexualverbrechen ausdrücklich erlaubt. Jeder einzelne Einsatz würde durch die Behörden eingehend geprüft. Dies betont der Baselbieter Stawa-Sprecher Michael Lutz: «Die Öffentlichkeitsfahndung ist bei uns immer das allerletzte Mittel, bei entsprechender Schwere des Delikts.»

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