Strafgericht

Sexuelle Übergriffe: Teenager belasten Sportmasseur schwer

Der Sportmasseur soll Minderjährige betatscht haben.

Der Sportmasseur soll Minderjährige betatscht haben.

Einem Physiotherapeuten werden massive sexuelle Übergriffe gegen Jugendliche zur Last gelegt. Der betroffene Sportmasseur wehrt sich sich vor dem Strafgericht in Liestal gegen den Vorwurf. Die jugendlichen Opfer bleiben aber bei ihren Aussagen.

«Ich muss alle Muskeln behandeln», sagte der 38-jährige Sportphysiotherapeut am Dienstag zum Verhandlungsauftakt. «Kommen sie dabei auch an die Schamlippen?», fragte Gerichtspräsident Christoph Spindler den Angeklagten. «Das kann es durchaus geben, ja», antwortete der Mann, «in fünf Jahren passierte das aber höchstens zwei bis drei Mal.»

Was für ihn ganz normale Behandlungen waren, kam bei seinen Opfern anders an: Klare Grenzüberschreitungen im Genitalbereich, eine 12-Jährige sagte gar aus, der Mann sei einmal mit dem Finger in sie eingedrungen. Nach dieser Erfahrung 2009 in Liestal vertraute sie sich ihrem Vater an. So kam das Verfahren ins Rollen. Der Physiotherapeut sass über zwei Monate in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft ermittelte weitere Opfer.

Seit Dienstag muss er sich vor dem Strafgericht in Muttenz wegen sexueller Übergriffe an vier Mädchen und einem Knaben im damaligen Alter von 10 bis 13 Jahren verantworten. Angeklagt sind sexuelle Handlungen mit Kindern sowie zusätzlich auch Übergriffe an zum Widerstand unfähigen Personen, weil laut Staatsanwaltschaft die Kinder bei der Massage auf dem Rücken lagen und damit faktisch wehrlos waren. «Das stimmt einfach nicht. Ich habe die Therapie gemacht, die ich immer mache», sagte der 38-Jährige dazu.

Heute folgt das Urteil

Unbestritten sind allerdings weitere Übergriffe: Von zwei Kindern hat er mit dem Mobiltelefon heimlich den nackten Hintern fotografiert, während er mit der anderen Hand weitermassiert hat. «Das war ein Nervenkitzel», meinte er am Dienstag dazu. Er habe aber nach den Fotos des 10-Jährigen ein schlechtes Gewissen gehabt. Einige Wochen danach machte er indes erneut heimlich Nacktfotos einer 13-Jährigen. Bei der Hausdurchsuchung kamen Gewalt-, Tier- und Kinderpornos zum Vorschein, die der Angeklagte lediglich mit dem «Reiz des Verbotenen» erklären konnte.

Der Mann war als Trainer für Nachwuchstalente in vielen Sportarten tätig. Nach der Untersuchungshaft (und dem Entzug der J+S-Berechtigung) arbeitete er in Zürich. Seit einem Jahr war er wieder in Liestal als Physiotherapeut für Erwachsene tätig, nach einer Vorschau auf den Strafprozess der «Basler Zeitung» vor zwei Wochen musste er nach Protesten von Kunden seinen Sessel als Geschäftsführer räumen. Ein Gutachten spricht von «Ersatz-Pädophilie», der Mann sei eigentlich nicht auf Kinder fixiert.

Drei der jungen Frauen sagten vor dem Strafgericht aus und bestätigten ihre Aussagen in den wesentlichen Punkten. Der Angeklagte musste aus Gründen des Opferschutzes derweil in einem getrennten Raum warten und konnte die Aussagen lediglich mithören. Das Dreiergericht fällt sein Urteil am Mittwoch.

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