Info-Veranstaltung

Sicherheitsbedenken wegen Asylzentrum Feldreben verschwanden nicht

700 Menschen wollten mehr über das Muttenzer Asylzentrum wissen.

700 Menschen wollten mehr über das Muttenzer Asylzentrum wissen.

Angst vor überfüllten Rasenflächen und Spielplätzen: An der Info-Veranstaltung stellten die Asylzentrums-Kritiker hartnäckig Fragen zur Sicherheit – die Behörden antworteten geschickt.

«Die Statistiken zeigen, dass rund um Bundesasylzentren die Kriminalität nicht steigt, sondern sinkt.» Diesen Satz sagte Barbara Büschi, stellvertretende Direktorin des Staatssekretariats für Migration (SEM), vor rund 700 Muttenzern. So viele waren in den Mittenza-Saal gekommen, um sich über das Bundesasylzentrum auf dem Feldreben-Areal informieren zu lassen. Auch der Baselbieter Kantonspolizist Armin Reichenstein betonte mehrmals, man habe mit Asylbewerbern im Kanton nur gute Erfahrungen gemacht, «das erstaunt uns auch immer wieder».

In Arlesheim oder Oberdorf zum Beispiel habe es keinerlei Sorgen gegeben. «Die Betreuer gehen so streng mit den Heimbewohnern um, dass ich auch für das Zentrum in Muttenz keinerlei sicherheitstechnische Bedenken habe.»

Doch damit konnten Reichenstein und Büschi einen beträchtlichen Teil der Zuhörer nicht beruhigen. Immer wieder zweifelten diese, ob die Sicherheit im Quartier sichergestellt sei. «Im Extremfall sind 500 Asylanten draussen im Quartier», meinte ein Bürger. Die Abwartin eines Hauses in der Nähe befürchtete, die Asylbewerber würden auf ihren Rasenflächen sitzen. Eine Frau wies darauf hin, dass Schulen in der Nähe seien. Ein Freidorf-Bewohner befürchtete, der Kinderspielplatz der Genossenschaft werde überrannt.

Die Vertreter von Bund, Kanton und Gemeinde auf dem Podium entgegneten, indem sie das Betriebskonzept und das Sicherheitsdispositiv erläuterten. So dürfen die Heimbewohner erst dann ins Quartier, wenn sie registriert seien. Es seien Ein- und Austrittskontrollen vorgesehen, sagte der stellvertretende SEM-Stabsleiter Pascal Schwarz, und jedes Gepäckstück werde durchsucht. «Wir werden immer wissen, wer drin ist und wer nicht.» Wer sich ausserhalb der Ausgehzeiten (9 bis 17 Uhr, mit Ausnahmen am Wochenende) draussen befinde, werde sanktioniert. Und die Bewohner würden beschäftigt.

«Theoretisch» mehr als 2 Jahre

Roger Lang, Leiter des Bundesempfangszentrums Bässlergut, wies auf gute Erfahrungen in Arlesheim hin. Dort habe es mit der Badi, den Spielplätzen oder der Schule keine Probleme gegeben – im Gegenteil: «Kinder sind froh, wenn sie neue Fussballgegner haben.»

Doch auch das konnte nicht alle Zweifel ausräumen. Eine Frau befürchtete, kulturelle Unterschiede würden zu Schwierigkeiten führen, etwa wenn männliche Asylbewerber jungen Frauen nachschauten. «Sowas kann man nicht strafrechtlich verfolgen.» Das leuchtete auch Büschi ein. Aber man rede mit den Asylbewerbern über die hiesigen Gepflogenheiten, etwa wie Frauen sich hier verhalten.

Ein Mann sorgte sich um Krankheiten, die «diese Leute» mitbringen könnten. Laut Kantonsarzt Martin Brian sind aber vor allem die Asylbewerber selber gefährdet, weil viele keine Kinderkrankheiten gehabt hätten. Ein älterer Herr meinte, das anonyme Zentrum werde Extremisten anziehen. «Was Terroristen sicher meiden, ist ein Zentrum, in dem sie als Erstes registriert werden», antwortete Reichenstein. Für Unverständnis sorgte Regierungsrat Anton Lauber, als er erklärte, das Zentrum könne «theoretisch» länger als zwei Jahre laufen – aber nur, falls dadurch die Sanierung der Deponie unter dem Zentrum nicht verzögert werde.

Wie Tausende von Liverpoolern

Es ergriffen fast nur Zentrumskritiker das Wort. Aber die Behördenmitglieder ernteten mehrfach Applaus. Und gelacht wurde einige Male – etwa als Polizist Reichenstein versicherte, die Sicherheit rund ums Zentrum werde gleich gut gewährleistet, wie wenn Tausende von Liverpoolern kämen.

Es meldeten sich auch schon die ersten freiwilligen Helfer. Der katholische Kirchenratspräsident wollte ein Beschäftigungsprogramm anbieten, «aber macht das Sinn, wenn die Bewohner nur zwei Wochen hier bleiben?» Eine Frau forderte die Gemeinde auf, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um sich mit den Flüchtlingen zu treffen. «Es tut uns nämlich gut, mal mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken.»

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