Isaac Reber, Ihre Vorbedingung zu diesem Interview war, dass Sie nichts zu Ihren Plänen als neuer Vorsteher der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) sagen wollen. Warum nicht?

Isaac Reber: Ich bin noch bis zum 30. Juni mit Leib und Seele Sicherheitsdirektor. Die Rollen müssen klar bleiben. Wenn ich eine neue Aufgabe übernehme, will ich mir zuerst ein Bild von der Lage machen, die Leute kennenlernen und an Bord holen. Das habe ich schon bisher so gehalten und damit Erfolg gehabt.

Was man aber jetzt schon sagen kann: Die Erwartungshaltung in Ihrer Partei ist riesig, dass Sie in der BUD die Wende hin zu einer ökologischen Bau- und Verkehrspolitik vollziehen. An diesem Anspruch müssen Sie schlicht scheitern.

Was stimmt: Ich habe sehr viel Respekt vor meiner neuen Aufgabe. Ich kenne diese Erwartungen, die überdies ja von vielen Seiten kommen. Ich kann zwar auch nur mit Wasser kochen, aber dafür aus der Erfahrung von acht Jahren Regierungstätigkeit schöpfen. Darum traue ich mir schon zu, dass wir in der neuen Direktion rasch zu gestalten beginnen.

Ist Ihr Wechsel in die Baudirektion mit der Absicht verbunden, noch mindestens zwei Amtszeiten anzuhängen? In nur vier Jahren werden Sie ja keines Ihrer eigenen Projekte zu Ende begleiten können?

Das kann man als Baudirektor ohnehin kaum je, wenn man an die lange Realisierungszeit vieler Projekte denkt. Im Moment bin ich für vier weitere Jahre gewählt, möchte starten, und es ist jetzt der falsche Zeitpunkt, darüber hinaus nachzudenken. Ausschliessen möchte ich es aber explizit nicht.

Wie schnell wird sich der Wechsel bemerkbar machen?

Grundsätzlich bin ich mit der BUD bereits vertraut, habe sie als langjähriger Stellvertreter von Sabine Pegoraro schon ein paar Monate interimsweise geführt, habe früher selber dort gearbeitet. Ich werde also bald loslegen können – wobei das meiste dann eben doch dauert.

Was auffällt: Sie nehmen keinen Ihrer Stabsleute mit.

Dieses Thema beschäftigt mich generell sehr. Das Loslassen und die Trennung von vertrauten Mitarbeitenden, mit denen ich viel Spass bei der Arbeit hatte, fallen mir nicht leicht. Es ist aber nicht mein Stil, an einem neuen Ort mit eigenen Leuten einzufahren. Dann wäre ein guter Start schwierig zu vollziehen. Abgesehen davon sind solche Wechsel faktisch sehr oft gar nicht möglich.

Es heisst, Ihr bewährter Generalsekretär Stephan Mathis wird über seine Pensionierung im kommenden Jahr hinaus im Amt bleiben, um Ihre Nachfolgerin Kathrin Schweizer zu unterstützen.

Stephan Mathis ist ein ausgezeichneter Generalsekretär. Aber diese Frage ist zunächst ausschliesslich Sache der Beteiligten, und es liegt nicht an mir, dies zu kommentieren. Fakt ist, dass man per Gesetz neuerdings bis spätestens zum 70. Lebensjahr für den Kanton arbeiten kann.

In welchem Zustand überlassen Sie Ihrer Nachfolgerin die Sicherheitsdirektion?

Kathrin Schweizer wird es bei ihrem Amtsantritt einfacher haben als ich damals. So viel steht fest. Die SID ist organisatorisch viel schlanker und übersichtlicher geworden. Bei meinem Antritt waren die Standorte noch über den ganzen Kanton versprengt. Wir hatten enorm lange Wege. Ein Staatsanwalt musste für einen Haftantrag jeweils von Laufen nach Liestal zum Zwangsmassnahmengericht fahren. Das Gefängnis lag irgendwo dazwischen, die Polizei betrieb enormen Aufwand für die vielen Gefangenentransporte. Heute ist alles stark auf der Achse Liestal–Muttenz konzentriert. Im neuen Strafjustizzentrum sind Staatsanwaltschaft, Strafgericht und Gefängnis im selben Gebäude. Und die Polizeiposten, noch halb so viele wie früher, stehen genau dort, wo sie benötigt werden. Ja, wir sind massiv effizienter geworden.

Waren Sie überrascht, wie verhältnismässig ruhig der emotional aufgeladene Postenabbau über die Bühne gegangen ist?

Nein, eigentlich nicht, da wir, wie sonst auch, sehr rasch, proaktiv und transparent gehandelt haben. Als sich abzeichnete, dass wir Posten schliessen müssen, haben wir zuerst das Korps eingebunden und sind, wenn nötig, auch direkt mit hochkarätigen Delegationen zu den Gemeinden gefahren. Diesen haben wir überzeugend darlegen können, dass wir mit mehr Strassenpräsenz mehr Sicherheit erreichen. Im Fall von Waldenburg haben wir zudem die nötige Flexibilität bewiesen und uns von den Argumenten des Posten-Beibehalts überzeugen lassen. Bis auf weiteres zumindest, da sich die Frage infolge des Bahnhof-Neubaus erneut stellt.

Worauf in den vergangenen acht Jahren sind Sie besonders stolz?

Eben deshalb, weil wir viele Problemfelder frühzeitig erkannt und angegangen haben, ist es bei uns oft verhältnismässig ruhig geblieben. Es kam auch fast nie wegen unserer Vorlagen zu Volksabstimmungen, weil wir schon vorher Konsens schaffen konnten. Nehmen Sie die Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes, die wegen der Einbürgerungsthematik in vielen Kantonen stark umstritten ist. Bei uns ist sie einstimmig durchs Parlament; wegen der sehr guten Vorbereitungs-Arbeit der landrätlichen Justiz- und Sicherheitskommission, aber auch, weil wir von Anfang an alle Interessengruppen eingebunden haben.

Und was war für Sie der Tiefpunkt der vergangenen Jahre?

2015 war es sehr ernüchternd festzustellen, dass die Massnahmen des ersten Entlastungspakets zu wenig stark gegriffen hatten. Wir als Regierung gingen damals zu wenig entschieden auch die grossen Brocken wie etwa Bildung und Gesundheit an. Dass wir noch einen zweiten, diesmal erfolgreichen Anlauf nehmen mussten, um den Staatshaushalt ins Lot zu bringen, hat Zeit und Energie gekostet.

Gehen wir Ihre wichtigsten Bereiche durch. Ich welchen Zustand befindet sich heute zu Ihrem Amtsende die Baselbieter Polizei?

Ich darf schon sagen, dass wir eine top aufgestellte Polizei haben. Sie ist hervorragend ausgerüstet, Stichwort Mobile Computing, und zeigt überall dort Präsenz, wo es am wirksamsten ist. Früher war sie noch mit Bleistift und Schreibblock unterwegs. Natürlich tauchen immer wieder Probleme und neue Aufgabenbereiche auf. Die Bekämpfung der Cyber-Kriminalität wird der nächste grosse Schritt sein. Das Problem ist, dass wir trotzdem bei der Einbruchskriminalität wachsam bleiben müssen, sonst schnellt diese sofort wieder in die Höhe.

Es stimmt, dass Sie bei der Einbruchskriminalität einen beeindruckenden, statistisch belegbaren Rückgang erreichen konnten. In anderen Bereichen trat die Polizei aber vor Ort. Etwa bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität. Oder dass bis heute noch nie ein Fall von Menschenhandel im Baselbiet zur Anklage gekommen ist, obschon es dafür Spezialisten bei der Staatsanwaltschaft gibt.

Das ist Spekulation, da es eben keine statistischen Angaben gibt. Es stimmt allerdings, dass wir vorbereitet sind, obwohl unser Kanton in diesen beiden Bereichen kaum zu den Hotspots zählt. Ausserdem handeln wir auch hier pragmatisch. Bei der Drogenkriminalität etwa verfolgen wir nicht jeden Konsumenten. Dort, wo Handel betrieben und Geld verdient wird, sind wir jedoch am Ball und können durchaus auch Erfolge vorweisen.

In welchem Zustand übergeben Sie die Staatsanwaltschaft, die so lange mit Negativschlagzeilen zu kämpfen hatte?

Ich muss betonen, dass die Reorganisation noch anspruchsvoller war als bei der Polizei. Dies deshalb, weil 2011 zuerst die organisatorischen Umbauten wegen der neuen Strafprozessordnung erfolgen mussten, und erst Jahre später die räumliche Zusammenführung im Strafjustizzentrum in Muttenz geschah. Mit der neuen Strafprozessordnung ist der Aufwand für die Staatsanwaltschaft zudem noch grösser geworden, und wir bewältigen diesen jetzt mit weniger Personal als vorher. Da möchte ich zuerst andere sehen, die dasselbe von sich behaupten können. Wir haben heute eine sehr gut aufgestellte Stawa.

Im Landrat wird kritisiert, dass man die alte Aufsichtskommission ins Leere laufen liess und durch eine handzahme ersetzt hat.

Das stimmt überhaupt nicht. Auch die jetzige Fachkommission sieht sehr gründlich hin und ist überdies mit hervorragenden Fachleuten besetzt. Nur wurde im ersten gesetzlichen Anlauf ein ungeeignetes Aufsichtskonstrukt festgelegt, das zu vielen Rollenkonflikten führte. Seit der entsprechenden Gesetzesänderung und der Rollenklärung läuft es nun tatsächlich viel ruhiger.

Bleibt das Sorgenkind Arxhof. Ein Grossteil des Personals wollte den Philosophiewechsel von der offenen zur geschlossenen Jugendanstalt nicht mittragen. Die notorische Unterbelegung beweist, dass in Ihrer Amtszeit die zuweisenden Kantone das Vertrauen in die Baselbieter Institution verloren haben.

Momentan ist der Arxhof zwar tatsächlich nicht voll belegt, selbst wenn das Betriebsdefizit geringer ist als vor zehn Jahren. 2015 kam bei einer Umfrage unisono von den Kantonen und zuweisenden Behörden der Wunsch nach einem geschlossenen Eintritt. Fakt ist: Für den geschlossenen Eintritt haben wir derzeit Anmeldungen, aber für den direkten Eintritt in den offenen Bereich praktisch keine.

Das ändert nichts daran, dass diese Kehrtwende vor allem intern nicht goutiert wird.

Ich weiss, dass es diese Philosophiedebatte rund um den Arxhof gab, aber wir können nicht an den Realitäten vorbeischauen: Die Möglichkeit eines geschlossenen Eintritts hilft, den Arxhof als offene Institution zu erhalten. Deshalb sind wir momentan wieder bei allen zuweisenden Behörden unterwegs, um ausdrücklich auf die Vorzüge des neuen Konzepts aufmerksam zu machen. Auch hier lohnt sich der vergleichende Blick in andere Kantone: Ähnliche Institutionen haben ebensolche Belegungsprobleme, 2016 hat Bern in Prêles sogar ein grosses Jugendheim geschlossen. Wir haben den Arxhof nun umgebaut, und man muss dem neuen Konzept ein bis zwei Jahre Zeit geben.

Sorgenkind Nummer zwei, das Amt für Militär- und Bevölkerungsschutz (AMB). Der neue Amtsleiter stand kurz nach Amtsantritt mehrfach in der Kritik, auch in der bz.

Mit Verlaub: Die Schlagzeilen, die deswegen produziert wurden, entbehren teilweise einer faktischen Grundlage. Sicher musste das AMB, wie andere Dienststellen auch, Personal abbauen. Mehrere Schlüsselpositionen mussten oder müssen neu besetzt werden. Auch hier braucht es Zeit, bis sich die neuen Abläufe einspielen. Ebenso klar ist, dass sich der neue Amtsleiter das Vertrauen seiner Belegschaft und der Partnerorganisationen erarbeiten muss, was in dieser Querschnittsfunktion naturgemäss besonders anspruchsvoll ist. Aber die Aufregung, die entstand, war bisweilen eine künstliche. Zum Beispiel beim Chienbäse-Einsatz. Wir haben anschliessend ein Debriefing mit allen Beteiligten vorgenommen. Dabei kamen wir zum Schluss, dass wir angesichts der Sturmwarnungen angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben.

Sie wollen Ihrer Nachfolgerin Kathrin Schweizer bestimmt keine Handlungsanweisungen mitgeben, aber welche Botschaft?

Die SID ist eine grosse Direktion mit 1200 Mitarbeitenden. Da gibt es schon immer wieder das eine oder andere Problem. Man muss also immer am Ball sein, wachsam bleiben und proaktiv reagieren. Kathrin Schweizer bekommt vor allem aber eine gut aufgestellte Direktion mit guten Leuten. Es zahlt sich in guter Arbeit aus, ihnen jenen Gestaltungsspielraum zu geben, den man sich selber wünscht.