Liestal

Sie sind noch die Einzigen – und es läuft wie geschmiert im «Bütler»

Vater und Sohn Bütler haben gut lachen – es läuft wie geschmiert.

Vater und Sohn Bütler haben gut lachen – es läuft wie geschmiert.

Ein Herrenmodegeschäft nach dem andern schloss – Bütlers dagegen feiern das 30-Jahr-Jubiläum.

Werner Bütler (71) hatte vor 30 Jahren ein glückliches und mutiges Händchen, als er ein Herrenmodegeschäft direkt neben dem Liestaler Törli eröffnete. Mutig, weil er alle seine Kassen inklusive Pensionskasse plünderte und das Geld in die Verwirklichung seines Lebenstraums, selbstständig zu werden, investierte. Glücklich, weil von den damals vier Herrenmodegeschäften in Liestal seines heute als einziges noch existiert.

Und es existiert nicht nur, sondern es floriert. Das zeigt das letztjährige Ergebnis: Es war das zweitbeste in der Geschichte von Bütler Men’s Fashion, wie das Geschäft mittlerweile heisst. Und es stand als erstes in der vollen Verantwortung von Sohn Fabrice (35). Denn vor fünf Jahren übergab ihm Bütler senior die Geschäftsführung, vor einem Jahr das ganze Geschäft. Der Vater sagt: «Ich bin stolz, dass ich es schaffte, ihm freie Hand zu lassen. Er macht vieles anders und besser als ich.»

Werner Bütler hat die Modewelt in ihrer ganzen Breite durchschritten: «Vor 30 Jahren konnte es bei den Herren nicht weit genug sein mit flatternden Hosen und ausladenden Schulterpolstern, heute kann es nicht eng genug sein.» Wobei ein beginnender Trend zu wieder mehr Weite zu beobachten sei. Und Fabrice Bütler, seit Kurzem zurück von der «tonangebenden» Herrenmode-Messe in Florenz, fügt bei, dass die Wintermode auf den lange verpönten Stoff Cord setze.

Einkaufen nach Ladenschluss

Florenz ist einer der Faktoren, der hilft zu erklären, wieso es das Liestaler Herrenmodegeschäft im Gegensatz zu vielen andern noch gibt: An der dortigen Messe stossen die Bütlers immer wieder auf neue, vielversprechende Manufakturen, deren Produkte sie ins Sortiment aufnehmen; im Gegenzug werfen sie andere Marken über Bord.

Ein anderer Erklärungsfaktor ist ihre Anpassungsfähigkeit an neue Bedürfnisse. So reagierte Fabrice Bütler zusammen mit seiner Frau Nicole im grösseren Stil auf das geänderte Einkaufsverhalten vor allem der jungen Generation, die bevorzugt online shoppt: Sie erneuerten die Homepage komplett und erhöhten die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken mit dem Resultat, wieder mehr junge Kunden zu haben. Auch bedienen Bütlers zunehmend Gruppen wie Hochzeitsgesellschaften ausserhalb der Ladenöffnungszeiten und damit ungestört.

Dazu schrecken sie nicht vor Lösungen zurück, die zwar aufwendig sind, längerfristig aber positiv zu Buche schlagen. Ein Beispiel ist ihre Reaktion auf den Euro-Crash vor vier Jahren: Sie reduzierten die Preise um 10 bis 15 Prozent und schrieben alle Ware mit neuem und altem Preis an. Das sei ein Riesenaufwand mit finanziellen Einbussen gewesen, aber sie hätten keine Kunden verloren und das zahle sich bis heute aus, resümiert Werner Bütler.

Und als 2016 ein Herrenmodegeschäft in Rheinfelden schloss, kauften Bütlers dessen Kundenkartei und schrieben alle Adressen unter Beilage eines 100-Franken-Gutscheins an. Etliche machten Gebrauch davon – und blieben Kunden bei Bütlers. Und wie sieht die Zukunft aus? Fabrice Bütler meint kurz, aber vielsagend: «Wir haben im Februar den Mietvertrag um zehn Jahre verlängert.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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