Zweckmässigkeit

Sie ziehen keine Blicke mehr auf sich: Deshalb räumt Pratteln die Info-Kästen ab

Der Kasten im Längi-Quartier ist schon abgebaut. Übrig bleibt die Plakat-Stele.

Der Kasten im Längi-Quartier ist schon abgebaut. Übrig bleibt die Plakat-Stele.

Die Vitriten seien nicht mehr zeitgemäss, schreibt der Gemeinderat. Das ist aber nicht der einzige Grund für den Abbau-Beschluss.

Sie sind verzogen, nicht mehr wasserdicht, oftmals verunstaltet und machen keine gute Falle mehr. Die offiziellen Informations-Kästen in Pratteln sind in die Jahre gekommen. Das weiss auch der Gemeinderat. Doch statt Handwerker damit zu beauftragen, die Vitrinen zu reparieren oder neue herzustellen, lässt er sie jetzt kurzerhand abbauen, ersatzlos.

Es stelle sich bei den Info-Schaukästen die Frage der Zweckmässigkeit, teilte die Gemeinde kurz vor Weihnachten mit: «Sie stammen aus der Zeit, als es noch keine digitale Welt in der heutigen Form gab.» Auch hätten Anwohnende bei der Verwaltung reklamiert, weil die Kästen versprayt und nicht mehr attraktiv seien.

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder gibt einen weiteren Punkt zu bedenken, der gegen öffentliche Aushänge spreche. «Der Datenschutz wird immer strenger. Es ist heute gar nicht mehr ohne weiteres erlaubt, Personendaten wie etwa Eheschliessungen zu publizieren. Bei Todesanzeigen etwa braucht es die Zustimmung von Angehörigen.»

Nur ein Kasten wird verschont, vorerst

Der Gemeinderat bezifferte die Kosten für den Ersatz aller Schaukästen auf rund 45'000 Franken. Er habe stattdessen beschlossen, die Info-Schaukästen «bis Ende Jahr demontieren zu lassen.» Betroffen seien die Exemplare in den Quartieren Aegelmatt, Gehrenacker, Längi und Rankacker. Der Aushang bei der Gemeindeverwaltung bleibe in Betrieb, weil er stark beachtet werde. Dort finden die Passanten also weiterhin Amtliches vor, etwa Todesanzeigen und militärische Aufgebote, aber auch Hinweise zu Konzerten und Ausstellungen sowie aktuelles Wahl- und Abstimmungsresultate. Am grossen Info-Kasten bei der Verwaltung ändere man vorerst nichts, sagt Burgunder. Er sei gut frequentiert. Pratteln beabsichtigt, die Verwaltung in einem Neubau unterzubringen. «Dort könnten wir dann eine neue Lösung anstreben, mit einem Bildschirm oder ähnlich», sagt Burgunder.

Auch ohne die Kästen komme Pratteln der gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflicht an die Einwohnerinnen und Einwohner nach, etwa per Postversand und via Internet. «Wir haben in den letzten Jahren stark in unsere Online-Präsenz investiert», sagt Burgunder. «Unsere Gemeinde-App ist beliebt. Auf ihr kann man auch Push-Meldungen abonnieren. Dann erhält man zum Beispiel eine Erinnerung, wenn gerade Grünabfuhr ist.»

Für die amtlichen Mitteilungen gebe es auch noch den «Prattler Anzeiger». Einmal im Monat dient die Abo-Wochenzeitung auch als offizielles Publikationsorgan der Gemeinde. Sie erscheint dann in Grossauflage und geht an alle Haushalte. Es ist die jeweilige Ausgabe nach den monatlichen Einwohnerratssitzungen. «Dann stehen auch die Beschlüsse des Einwohnerrats drin», sagt Burgunder. Als Amtsblatt darf die Grossauflage des Anzeigers in alle Briefkästen verteilt werden, also auch in solche mit einem «Stopp»-Reklame-Kleber.

Vereine und Kirchen dürfen auf Stelen ausweichen

Genutzt wurden die Vitrinen auch von Kirchen und Quartiervereinen. «Wir haben uns mit diesen Akteuren im Vorfeld abgesprochen. Sie haben uns versichert, dass auch sie mittlerweile andere Kanäle bespielen können, um über ihre Aktivitäten zu informieren.» Eine dieser Kanäle sind die Plakat-Infostelen für die Kulturplatzierung. Von ihnen gibt es in Pratteln elf Stück. Auf ihnen dürfen Vereine und andere Institutionen kostenlos auf ihre Veranstaltungen aufmerksam machen, sofern sie nicht-kommerziell sind.

Viele andere Gemeinden nutzen ebenfalls Info-Kästen zur Information der Bevölkerung, etwa Birsfelden. Dort will man die Vitrinen stehen lassen, sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Man hege keine Abbaupläne. «Soweit wir wissen, werden die Schaukästen als Mitteilungsplattform von der Bevölkerung sehr geschätzt, vor allem von älteren Personen.»

In welcher Form Mitteilungen publizieren? Diese Frage stellt sich auch der Kanton. Gewisse Mitteilungen sind nur in der gedruckten Form des Amtsblatts enthalten, darunter auch sensible Personendaten. Der Kanton will so verhindern, dass sie automatisch archiviert und jahrelang verfügbar sind.

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