Thomas Engel weiss: «Guter Wein braucht Geduld.» Diese Überzeugung in seiner Arbeitsweise zahlt sich für den Kellermeister der Liestaler Kellerei Siebe Dupf aus. Nachdem bereits zwei seiner fünf nominierten Weine zum Baselbieter Staatswein gekürt worden sind (bz berichtete), ereilt ihn eine weitere erfreuliche Nachricht: Alle sieben Weine, die er und sein Team für die internationalen «Decanter World Wine Awards 2017» in London eingereicht haben, sind mit einer Auszeichnung prämiert worden.

Es ist das erste Mal, dass Baselbieter Weine eingereicht worden sind – und gleich mit durchschlagendem Erfolg: einmal Silber, fünfmal Bronze und ein Diplom. «Wir haben mit der Teilnahme an den Decanter Awards etwas gewagt, und jetzt hat es sich ausgezahlt. Für uns ist das ein toller Ansporn», freut sich Engel. In dieser Risikobereitschaft sieht er den grossen Vorteil seines jungen Teams. Auch die gute Zusammenarbeit mit Kellerei-Mitarbeiter Lukas Wiedmer sei sehr wertvoll. Engel erklärt: «Die Teilnahme kostet, also trägt man ein gewisses Risiko. Aber wer nie mitmacht, kann nicht gewinnen.»

Überzeugende Bandbreite

Die Auszeichnungen freuen ihn auch deshalb, weil sie für ihn eines deutlich machen: «Baselbieter Weine sind gut.» Mit der Bestätigung einer internationalen Jury traue man sich eher, die eigenen Weine Restaurants in der ganzen Schweiz anzubieten. Engel sagt: «Mir haben diese Auszeichnungen gezeigt, dass die ganze Bandbreite unserer Weine überzeugt. Dieses Resultat ist mir lieber, als wenn nur ein einzelner Wein Gold gewonnen hätte.» Er fühlt sich bestärkt darin, hinter jedem einzelnen Produkt stehen zu können.

«Besonders freut mich die Auszeichnung für den Syydebändel Pinot Noir Sélection 2015. Das ist ein tolles Produkt, das aus der Zusammenarbeit mit sieben Winzern der Region entstanden ist.» Engel hat das Produkt mit Trauben aus den Gemeinden Wintersingen, Buus, Maisprach, Magden, Sissach und Gelterkinden gekeltert. «Das ist sozusagen eine regionale Best-of-Rundschau, ein sehr komplexer Wein.»

Ebenfalls sehr erfreulich sei die Silber-Medaille für den Pi Not Noir. Das Wortspiel im Namen weist darauf hin, dass der Weisswein aus Blauburgunder-Trauben hergestellt wurde. «Da wir sehr viele Rotwein-Trauben haben und die Nachfrage nach Weisswein stetig zunimmt, haben wir uns da auf ein Experiment eingelassen», erklärt Engel.

«Wir haben den Wein während eines Jahres auf der vollen Hefe im grossen, neuen Eichenfass ausgebaut.» Das Resultat sei überzeugend. Daher sei der 2015er bereits komplett ausverkauft. Der 2016er werde aber bald kommen. Auch der mit Bronze prämierte Magdener Kerner 2015 ist ausverkauft.

Stöbern Sie hier in der Gewinner-Liste der Decanter Awards 2017

Gold für Schweizer Weine

Das britische Weinmagazin «Decanter» veranstaltet seit 2004 die World Wine Awards. Sie gelten als grösste und wichtigste internationale Weinauszeichnung. Dieses Jahr wurden 17 200 Weine eingereicht, darunter 184 aus der Schweiz. Eine Jury von 219 fachkundigen Mitgliedern degustierte gruppenweise. 65 Masters of Wine und 20 Master-Sommeliers befanden sich unter den Juroren, beides prestigeträchtige Expertentitel.

Acht Schweizer Weine wurden mit Goldmedaillen prämiert, drei weitere erhielten die Platinum-Auszeichnung. Diese wird in einer Nachdegustation unter den mit Gold ausgezeichneten Weinen vergeben. Als Gewinner einer Silbermedaille ist Thomas Engel eingeladen, sein Produkt anfangs Juli an einer exklusiven Degustation in London zu präsentieren.

«Wir werden nächstes Jahr bestimmt wieder mitmachen und wie immer unser Bestes geben, aber nicht zwanghaft auf eine Goldmedaille hinarbeiten», sagt Engel. Die Auswahl der Weine sei sehr wichtig. «Der Zeitpunkt ist für jeden Wein entscheidend. Eine optimale Trinkreife erhöht die Chancen, bei einer internationalen Degustation erfolgreich abzuschneiden.»

Nun freue sich das Team auf die 2015er-Barrique-Weine, die vor zwei Wochen abgefüllt wurden sind. «Die präsentieren sich jetzt schon sehr schön. Optimale Vorzeichen also für den Decanter Award 2018.»