Naturschutz

Die Salinen geben auf: Das Resultat des langen Kampfs gegen den Salzabbau auf der Rütihard

Das Naherholungsgebiet Rütihard bleibt für mindestens 20 Jahre, wie es ist.

Das Naherholungsgebiet Rütihard bleibt für mindestens 20 Jahre, wie es ist.

Der Widerstand gegen den Salzabbau auf der Rütihard war zu gross. Jetzt wurde das Vorhaben abgeblasen. Denn die Salinen sehen wegen der Aktivisten die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährdet. Alternative Standorte gibts noch nicht.

Seit einigen Jahren ist man in Muttenz nicht gut auf die Schweizer Salinen zu sprechen. Der Grund: Die Absicht der Schweizer Salinen, unter der Rütihard Salz abzubauen. Ein beträchtlicher Teil der Muttenzer Bevölkerung befürchtet dauerhafte Schäden in diesem beliebten Erholungsraum. Die Gruppierung «Rettet die Rütihard» sammelte Unterschriften, liess kritische Geologen zu Wort kommen und holte die Fondation Franz Weber ins Boot.

Jetzt haben die Gegner die Schweizer Salinen dazu gebracht, den Bettel hinzuwerfen. Gestern teilte das Unternehmen mit, für mindestens 20 Jahre auf die Gewinnung des Salzes unter der Rütihard zu verzichten. Als Grund nennt es «regionalpolitische Unsicherheiten» und «Verzögerungen bei der Planung des neuen Fördergebiets».

Salz im Wert von einer Milliarde Franken

Der Rückzieher der Salinen kommt unerwartet. Schliesslich hatten sie in die Erschliessung der Rütihard bereits rund zwei Millionen Franken investiert. Die Unternehmensspitze machte gestern vor den Medien deutlich, dass der Entscheid nichts mit geologischen Schwierigkeiten zu tun hat. «Wir sind weiterhin überzeugt, dass die Rütihard abbauwürdig wäre», sagte Geschäftsführer Urs Hofmeier.

Vielmehr sei die Opposition gegen das Projekt ausschlaggebend für den «unternehmerischen Entscheid» gewesen, so Verwaltungsratspräsident Köbi Frei. «Wenn wir noch länger gewartet hätten, wäre das Risiko noch grösser geworden, dass wir die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten können.»
Denn die Schweizer Salinen, die den Kantonen gemeinsam gehören, sind dazu verpflichtet, den Salzbedarf der ganzen Schweiz zu decken. Die Salinen hatten bisher fest mit dem Salz der Rütihard gerechnet, um dieser Verpflichtung nachzukommen, weil andere Standorte bald zu versiegen drohen.

Für die 4,5 Millionen Tonnen Salz unter der Rütihard (Verkaufswert eine Milliarde Franken) wird das Unternehmen einen Ersatz finden müssen – wo, ist noch unklar. Im Baselbiet und im Aargau gebe es noch Solgebiete, die man rasch erschliessen könne, sagte Geschäftsführer Hofmeier. Zur Diskussion steht ein neuer Standort im Kanton Jura. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Salinen als Überbrückung Salz importieren müssen.

Klar ist: Mit dem Verzicht auf die Rütihard ist der Salinenstandort Schweizerhalle mit 200 Arbeitsplätzen mittelfristig gefährdet, weil dort ohne Rütihard bald kaum mehr Salz zu gewinnen ist. Der Prattler Gemeinderat zeigte sich gestern «beunruhigt». Nicht zuletzt, weil Steuereinnahmen für die Gemeinde wegzufallen drohen.

Finanzielle Konsequenzen auf mehreren Ebenen

Auch der Kanton verliert mit dem Verzicht auf die Rütihard Geld, laut dem Baselbieter Regierungsrat und Salinen-Verwaltungsrat Anton Lauber (CVP) in vertretbarem Rahmen. Aus diversen Verträgen wird eine halbe Million Franken fehlen. Der Bürgergemeinde Muttenz, der das Land auf der Rütihard gehört, entgehen einige Zehntausend Franken. Denn die Rütihard hätte die ausgehende Salzausbeutung Zinggibrunn ersetzen sollen.

Nur für die Einwohnergemeinde Muttenz hat der Entscheid der Salinen keine Konsequenzen – zumindest keine finanziellen. «Wir sind sicher erleichtert», sagt Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann (CVP). «Der Streit über die Rütihard spaltete unser Dorf.»

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