Nun ist Silvio Fareri auch hoch offiziell in Amt und Würden. Die Generalversammlung der Baselbieter CVP wählte den 30-jährigen Prattler am Donnerstagabend in Reinach einstimmig und mit viel Applaus zum neuen Kantonalpräsidenten. Diskussionen um den gelernten Kaufmann und Kantonsangestellten gab es keine mehr, diese waren bereits im Vorfeld geführt worden.

Nach einer parteiinternen Aussprache hatte Vizepräsidentin Béatrice von Sury ihre Kandidatur zurückgezogen, um die CVP nicht einer Zerreissprobe zu unterziehen. Der ursprünglich als neuer Präsident der Jungen CVP vorgesehene Fareri konnte so kampflos die Nachfolge von Brigitte Müller-Kaderli antreten. Diese zieht in diesem Sommer mit ihrer Familie nach Toronto und hat darum nach zweijähriger Amtszeit Abschied genommen.

In einem kurzen Talk mit Findungskommissionspräsident Georg Gremmelspacher bedankte sich Fareri bei den Mitgliedern für das Vertrauen, das diese ihm geschenkt hätten. Persönlich habe er sich zum Ziel gesetzt, die Partei «in ruhigen Gewässern halten» und an den anstehenden eidgenössischen und kommunalen Wahlen die Stimmenanteile zu erhöhen. Zunächst wolle er aber die Parteistrukturen durchleuchten und sich bei allen Sektionen vorstellen. Sich selber zählt er zum «wirtschaftsliberalen Flügel» der Partei.

Wärmste Worte für Brigitte Müller

Für die abtretende Parteipräsidentin Brigitte Müller hatte die Partei nur wärmste Worte übrig. Bereits zur Einleitung des vorangehenden Parteitags lobte Regierungsrat und Finanzdirektor Anton Lauber ihr Engagement: «Brigitte hat einen tollen Job gemacht und viel Schwung in die Partei gebracht.»

Für den einzigen unvorhergesehenen Programmpunkt gestern Abend sorgte Alt-Nationalrat Walter Jermann. Sein Antrag, die Neubesetzung des Kassier-Postens nicht durch die Generalversammlung, sondern, wie in den Statuten vorgesehen, durch den Vorstand vornehmen zu lassen, fand eine Mehrheit.

Die bisherige Kassen-Verantwortliche war wegen vermuteter Unregelmässigen in der Kassenführung vom Amt freigestellt worden, weswegen der Parteivorstand die Neubesetzung von der Mitgliederbasis absegnen lassen wollte. Jetzt muss der Vorstand die Neubesetzung doch selbst verantworten.

Die ehemalige Kassiererin bestreitet jegliche Schuld. Gegen sie wurden strafrechtliche und zivilrechtliche Verfahren eingeleitet. Laut Revisorenbericht fehlten wegen dieser Vorfälle 90'000 Franken in der Kasse, welche die CVP durch Rückstellungen im neuen Vereinsjahr kompensieren möchte.