Therwil

Sind Asylbewerber bald im Jugendheim statt im Löwen-Hochhaus zu Hause?

Das Jugendheim Erlenhof in Therwil hat freie Gebäude – in diese werden jedoch keine Asylsuchenden einziehen. bz-Archiv

Das Jugendheim Erlenhof in Therwil hat freie Gebäude – in diese werden jedoch keine Asylsuchenden einziehen. bz-Archiv

29 Asylsuchende hat Therwil, 80 sollten sich aufnehmen. Jahrelang wurde ein neuer Ort für die Asylunterkunft gesucht – erfolglos. Dann hatte die Verwaltung die zündende Idee – ein Anwohner hat sie darauf gebracht.

Beim Reinacher Jugendheim Erlenhof stünden Gebäude frei, teilte ein Anwohner der Therwiler Verwaltung mit. Die Gemeinde könne doch dort ihre Asylsuchenden unterbringen, für die sie schon lange eine neue Unterkunft sucht. Nachdem sich der Erlenhof gegenüber der Idee aufgeschlossen gezeigt hat, konzentriert sich der Gemeinderat nun auf diese Lösung. Die Asylsuchenden sollen dort provisorisch unterkommen – vorerst für fünf Jahre. Die Pläne für einen Neubau werden damit auf Eis gelegt.

Therwils Handlungsbedarf ist akut: Die Gemeinde will das Löwen-Hochhaus, in dem die Asylsuchenden untergebracht sind, verkaufen. Mit dem Verkauf zuzuwarten, ist keine Option: Die Liegenschaft im Zentrum sei «in höchstem Masse sanierungsbedürftig», teilte die Gemeinde mit.

Kanton gibt grünes Licht

In Kürze wolle sich Therwils Exekutive mit der Heimleitung, dem Kanton und Vertretern Reinachs zu Gesprächen treffen, sagt Gemeindeverwalter Theo Kim – bisher hätten sich alle Beteiligten mit dem Vorschlag «grundsätzlich einverstanden» erklärt. Zu den erwarteten Kosten kann er keine Angaben machen – dafür befinde sich das Projekt noch in einem zu frühen Stadium. Therwil hatte zuvor andere mögliche Standorte evaluiert. Dabei stiess die Gemeinde jedoch auf starken Widerstand in der Bevölkerung.

Das Jugendheim Erlenhof hat eine Reinacher Adresse. Das Gelände wird jedoch von den Gemeindegrenzen durchschnitten – einige Gebäude liegen auf Therwiler Boden. Erlenhof-Leiter Pascal Brenner bestätigt, dass seine Institution sich «ernsthaft mit dem Vorschlag Therwils» auseinandersetze, zukünftig auch Asylsuchende aufzunehmen. Dafür seien einige der nicht genutzten Liegenschaften auf dem Erlenhof-Areal geeignet.

Zurzeit sind in Therwil 29 Asylsuchende untergebracht. Gemäss Kanton ist die Gemeinde dazu verpflichtet, rund 80 Personen aufzunehmen. Das Kontingent wird jedoch schon seit längerer Zeit nicht mehr vollständig ausgeschöpft. Deshalb plant Therwil, in der provisorischen Unterkunft 30 bis 40 Plätze bereitzustellen.

Im Erlenhof sind rund 35 männliche Jugendliche untergebracht, die schwierig einzugliedern sind und dort eine Ausbildung absolvieren. Ihre Freizeit verbringen sie unter anderem in Reinach. Es ist davon auszugehen, dass dies bei den Asylsuchenden auch der Fall sein wird. Reinach stehe deswegen mit Therwil im Gespräch, sagt die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit (SP)

Reinach betreibt zwei Asylunterkünfte: beim Werkhof Strassen und im Kägen. An beiden Orten sind auch Personen untergebracht, die Arlesheim oder Binningen zugeteilt sind. Der Kanton befürwortet derartige Kooperationen im Asylbereich.

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