Frenkendorf

Sind die Rampassen besser als die Bebbi? Baselbieter Cliquen trommeln um den Preis

Fachsimpeln am Regionalen Preistrommeln und -pfeiffen in Frenkendorf: Basel habe mehr Masse, doch am Ende sei die Clique entscheidend.

Bereits auf der Treppe hinunter zum Vorraum auf dem Weg zur Bühne herrscht eine Druggedde wie an der Fasnacht. Die Gruppen sind dran. Die einen warten nervös, bis sie aufgerufen werden, die anderen analysieren bereits ihren Auftritt. Anja Leupin und Nathanael Erhardt von der Wurlitzer-Clique Zunzgen haben mit ihren fünf Kolleginnen und Kollegen auf dem Piccolo soeben den «Pinocchio» vorgespielt. «Mit der Leistung der Gruppe bin ich zufrieden, mit meiner persönlichen nicht so», resümiert Nathanael Erhardt selbstkritisch. Bei den Gruppenvorspielen sind bis zu acht Personen erlaubt. Der Vorteil einer grossen Gruppe sei die Möglichkeit des gegenseitigen Absicherns in den einzelnen Stimmen, verrät Anja Leupin. «Zu siebt oder acht ist es aber natürlich schwieriger, einen harmonischen Auftritt hinzulegen.»

Überlegenheitsgefühl bei den Städtern?

Ähnlich sieht es Leila Polsini, die zu Acht mit den Excalibur Lieschtel den «Calvados» vorgetragen hat. «Man hat in einer grossen Gruppe stets einen doppelten Boden in der einzelnen Stimme. Aber das eigentliche Zusammenspiel ist schwieriger. Man muss konsequent auf die Details achten: leise, laute, kurze und lange Töne und ganz allgemein die Dynamik eines Marsches.» Die Excalibur-Präsidentin stuft den Auftritt ihrer Gruppe als «recht gut» ein. «Wir haben den Marsch beim Üben aber sicher auch schon besser getroffen.» Für sie stehe in der Kategorie «Gruppe» aber der Spass im Vordergrund.

Grundsätzlich sind Wettspiele aber eine ernste Sache. Dabei hiess es jahrelang, die Baselstädter seien die besseren Tambouren und Pfeifer als die Landschäftler. «Sie wissen ganz genau, dass es in der Stadt und auf dem Land gute Tambouren gibt», sagt Stefan Freiermuth. Der Frenkendörfer muss es wissen: Mit fünf Siegen ist er zusammen mit Ivan Kym – seines Zeichens ein Möhlemer – Rekordsieger am Offiziellen Basler Bryysdrummle und -pfyffe. Das Regionale im Baselbiet hat er zehn Mal gewonnen.

Dass bei den Basler Fasnächtlern während Jahren das Gefühl vorherrschte, sie seien die Musiker, wolle er so nicht aussprechen, meint Freiermuth mit einem Schmunzeln. Auch Leila Polsini, die das Regionale Preispfeifen im Einzel schon mehrfach gewonnen hat und Pfeifer-Instruktorin ist, findet nicht, dass die Städter besser sind. Die Vorurteile hätten auch abgenommen. «In Basel wissen sie schon, dass wir auch etwas können.»

Wettspiele hätten auf dem Land eine höhere Bedeutung

Im Rechnungsbüro löst die Frage, wer denn die bessern Tambouren und Pfeifer sind, eine intensive Diskussion aus. «Ich sehe dies alles ebenbürtig», antwortet der langjährige Juror Simon Guggisberg. «Das ist mehr der Kantönligeist, der dachte, die Städter seien besser. Die Baselbieter haben schon genügend bewiesen, dass sie genauso gut sind.» Ausschlaggebend, ob jemand musikalisch ein hohes Niveau erreichen kann, sei die Clique. Wird dort ein Leistungsdenken gelebt und Wert auf musikalische Qualität gelegt, sei dies die beste Voraussetzung für das eigene Können. «Oben hinaus ist das Niveau genau gleich. Das sind ja teilweise die gleichen Namen», betont Stephan Ruffieux, Tambourmajor bei der Rotstab-Clique Liestal.

Michael Rickli, Tambour-Instruktor bei der Tambouren- und Pfeiferclique Bubendorf, erinnert daran, dass die Basler über viel die grössere Masse verfügen. Doch auf dem Land hätten Wettspiele und die Qualität der Musik öfter die grössere Bedeutung, ist Stefan Juchli, Tambour der Rotstab-Clique und OK-Mitglied des Regionalen Preistrommelns und -pfeifens, überzeugt. Dies hätte auch mit der Grösse der Fasnacht zu tun, die in Basel bereits viele Bedürfnisse abdecke.

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