«Wo sind sie denn heute als Trainer angestellt, ich nehme an, nicht bei Herrn Beqiri?», fragte Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli.

Paolo Balicha lächelte etwas gequält und schüttelte den Kopf, nein, er arbeite nicht für Herr Beqiri. Balicha hatte schon keine Freude daran, dass sein Widersacher Beqiri bei der Befragung zu seiner Person hinten im Saal sass. Am Donnerstag ging es im Strafgericht in Muttenz nicht mehr um den Vorfall im Reinacher Kampfsportzentrum, sondern um andere Delikte sowie um die Detailbefragung der Angeklagten zu den persönlichen Verhältnissen. Auch Balicha musste sich einem eher skurillen Nebenpunkt stellen:

Bei der Hausdurchsuchung stiessen die Behörden bei ihm zuhause auf knapp 100 Ampullen, deren Beschriftung auf anabole Steroide hinwies, namentlich Nandrolon, Trenbolon und Testosteron. Balicha gab zu, die Mittelchen in Thailand gekauft zu haben, weil sie dort billiger seien als in der Schweiz. Handel habe er damit nicht treiben wollen, das sei alles für den persönlichen Bedarf gewesen.

Wie Antidoping Schweiz feststellte, enthielten die Fläschchen keinerlei Wirkstoff und hatten deswegen auch keine leistungssteigernde Wirkung. Juristen nennen das einen «untauglichen Versuch», und die Staatsanwaltschaft hat einen Verstoss gegen das Eidgenössische Sportfördergesetz angeklagt und spricht von Handel. Einfuhr und Besitz für den eigenen Konsum sind nicht strafbar.

Weniger unterhaltsam sind die Folgen des Überfalles vom Februar 2014 für den Hauptangeschuldigten selbst: Paolo Balicha wollte vor Gericht nicht sagen, ob er von seiner Lebenspartnerin noch unterstützt wird.

Er räumte ein, lediglich an drei Tagen pro Woche zu unterrichten und teilweise auch Sozialhilfe zu beziehen. Im Jahr 2016 versteuerte er lediglich ein Einkommen von rund 15 000 Franken. «Ich habe viele Medaillen im Ausland geholt, aber ich habe in den 30 Jahren einen einzigen Fehler gemacht. Jetzt versuche ich wieder zu arbeiten und auf die Beine zu kommen», sagte der Profisportler.

Allerlei Unklarheiten

In einer weiteren Befragung entpuppte sich ein Brasilianer als Inhaber eines spanischen Passes, was bei einer Verurteilung massive Konsequenzen hat. Zwar ereignete sich der Überfall im Jahr 2014 und damit vor Inkrafttreten der Bestimmungen zur Ausschaffungsinitiative, doch die Migrationsämter haben bei Drittstaatsangehörigen und schweren Delikten bereits bisher jeweils die Niederlassungsbewilligung kassiert.

Bei EU-Bürgern geht das allerdings nur, wenn jemand eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit der Schweiz darstellt: Wenn seit 2014 nichts mehr vorgefallen ist, dürfte die Begründung für eine Wegweisung eher schwierig werden. Von den 17 Angeklagten sind lediglich drei sogenannte Drittstaatsangehörige.

Nächste Woche halten Anklage, Privatkläger und Verteidigung ihre Plädoyers. Es geht auch um Geld: Die Helvetia Versicherung hat eine Forderung von 377'000 Franken angemeldet, offenbar wurden an drei Opfer des Überfalls über Monate hinweg Krankentaggelder wegen posttraumatischer Belastungsstörung ausbezahlt. Der Verteidiger von Balicha hatte bereits Belege dafür eingereicht, dass eines der Opfer trotz Krankschreibung an einem öffentlichen Boxkampf teilgenommen hat.