Feuerzauber

So bereiten sich Chienbäse-Macher auf den Umzug vor

Der grosse Parkplatz vor der Schiessanlage Sichtern ob Liestal ist mit Autos gut besetzt. Beim Aussteigen sticht einem beissender Rauch in die Nase. Brennendes Holz lodert in einem viereckigen Blechmantel, in dessen Seiten Muster gestanzt sind. Das Licht durchbricht die Dunkelheit an diesem Abend, wohlige Wärme mischt sich dazu.

Unter dem angebauten Dach wird gehämmert, genagelt, gespalten, die Späne fliegen. Frauen, Männer und Jugendliche bauen ihre Chienbäse für den spektakulären Umzug, der jeweils am Abend des Fasnachtssonntags durchs Stedtli zieht und Schaulustige aus nah und fern in Scharen anzieht.

Instruktoren – erfahrene Chienbäse-Macher und langjährige -Träger – stehen bereit, um zu unterstützen, wo Hilfe gefragt ist. Doch viele sind schon Jahre dabei und wissen, wie ein Feuerbesen gebaut wird. Irfran Baltis meint: «So kompliziert ist es nicht. Wenn man einen, zwei gemacht hat, kann man es alleine.» Er muss es wissen. Seit 16 Jahren nimmt er am «Chienbäse» teil.

Chienbäse-Bauen auf der Sichtern

Chienbäse-Bauen auf der Sichtern

Hier werden die Besen für den Chienbäse-Umzug gebaut.

Satt muss er sein

Baltis erklärt, worauf es beim Bauen ankommt. Das Wichtigste sei, dass der Chienbäse «unten schön dicht» sei. Um zu vermeiden, dass dieser zu schwer wird, legt der 55-Jährige einen Drahtring um die an den massiven Stiel genagelten Chienholz-Scheite. Dann beginnt Irfran Baltis, die ersten Hölzer hineinzuschlagen. «Der Chienbäse muss satt sein, damit er während des Laufens nicht auseinanderfällt.» Zum Abschluss werden die zwei restlichen Drahtringe befestigt. Damit gibt man dem Chienbäse Form und Grösse; die kleinsten sind 30 Kilo, die grössten gegen 110 Kilo schwer.

Schon das Bauen des Chienbäse sei reizvoll. «Man trifft alle Jahre die gleichen Leute, das ist immer lässig», berichtet Baltis und fängt an zu schwärmen: «Das Schönste ist aber, wenn der Chienbäse brennt und ich losmarschieren kann durchs Stedtli.»

Der 15-jährige Simon Zbinden aus Liestal ist heuer zum dritten Mal dabei und fertigt seinen Chienbäse bereits selber. Kein Wunder – er ist Zimmermann-Lehrling und arbeitet gerne mit Holz. Zbinden ist durch seine Eltern zum «Chienbäse» gestossen. Vor drei Jahren hätten sie erstmals als ganze Familie mitgemacht. «Auch heuer sind wir zu sechst dabei», strahlt er. «Alles ist sehr eindrücklich.» Am meisten tue ihm aber weh, wenn er am Ende den Chienbäse in die Mulde werfen müsse zum Ausbrennen.

Sarah Thommen feiert diesmal eine Premiere: Zum ersten Mal nach einem Vierteljahrhundert verpasst sie das Liestaler Feuerspektakel, weil sie in den Skiferien weilt. Nichtsdestotrotz findet sie den Weg auf die Sichtern, um einem Arbeitskollegen zu helfen. Dieser bestreitet dieses Jahr seine Feuertaufe. Die heute 44-jährige Thommen erinnert sich an ihre Anfänge: «Ich war noch jung, es hatte noch nicht so viele Frauen. Ich war damals eher eine Exotin als heute.»

Wenn einen der Virus einmal gepackt habe, dann trage man ihn in sich, beschreibt sie die Faszination «Chienbäse». Ihr sei es auch so ergangen. Das Feuer sei der «ultimative Höhepunkt» – mit dem brennenden Chienbäse durchs Stedtli vorbei an jubelnden Zuschauermassen. «Das erste Mal war die Nervosität gross», sie werde mit jeder Teilnahme kleiner. «Aber den Kick, den hat man Jahr für Jahr», weiss die in Ziefen wohnhafte Sarah Thommen.

Nächstes Jahr ändert sich was

Jaro Kubicek amtet zum zweiten Mal als Chienbäse-Chef. Der Umzug verläuft gleich wie im vergangenen Jahr. Für 2020 sind jedoch Änderungen angesagt. Auf der Burg verschwinden auf beiden Seiten die Parkplätze, wo die Chienbäse und Feuerwagen jeweils entzündet werden.

Grund sind die Arbeiten fürs vierte Bahngleis. «Wir haben im Mai einen Workshop mit der Stadt, der Feuerwehr und dem Fasnachtskomitee», kündigt Kubicek an. Es werde eine Lösung geben. Er hoffe, dass sie auch nächstes Mal auf der Burg anzünden könnten. «Es würde mich stressen, wenn es auf dem Kasernenareal wäre», sinniert der Chienbäse-Chef.

Das neu renovierte Törli wird laut Jaro Kubicek von der Feuerwehr gleich geschützt wie bisher, bei jedem Wagen nassgespritzt. «Ich denke, dass während des Umzugs am Nachmittag dort die ersten Wagen anhängen. Das ist jedes Jahr so, es wäre ein Novum, geschähe das diesmal nicht», meint er lachend.

Der Chienbäse-Umzug kommt heuer zu einem weiteren Auftritt: am 28. Juli an der Fête des Vignerons in Vevey. Drei kleine Feuerwagen sind sicher dabei, noch offen ist, wie viele Chienbäse es sein werden. Derzeit ist von 80 die Rede, doch Kubicek ist zurückhaltend. Der Anlass sei mitten in den Sommerferien. «Ich bin froh, wenn wir 30 zusammenkriegen.»

Eine Delegation aus dem Waadtland erweist morgen Abend dem Liestaler Feuerbrauch ihre Reverenz. Ein Vertreter der Feuerwehr von Vevey wird sich über die Sicherheitsvorkehrungen im Baselbieter Kantonshauptort informieren. Damit die Stadt am Lac Léman Ende Juli nicht in Flammen aufgeht.

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