Asylzentrum Feldreben

So hofft das Asylzentrum, Gewalt verhindern zu können

Massenschlägereien beschäftigten das provisorische Asylzentrum in Thun stark. In Baselland ist man zuversichtlich, dass Konflikte auf dem Areal des geplanten Registrierungszentrums von Muttenz weniger zum Problem werden. Dazu gehört auch die Gestaltung des Aussenbereichs.

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit: Nichts beschäftigt die Muttenzerinnen und Muttenzer beim geplanten Bundesasylzentrum Feldreben stärker. Das wurde nicht zuletzt wieder am Infoanlass vom Dienstagabend deutlich. Dabei machte es den Anschein, als fühlten sich viele erst sicher, wenn die 500 Asylbewerber gar nie das Areal im Dreieck Hofacker-, Stegacker- und Kriegackerstrasse verlassen würden. «Wir haben darauf gedrängt, dass der Aussenbereich des Asylzentrums begrünt wird, genügend Sitzmöglichkeiten und Spiel- und Sportanlagen bietet. Das ist wesentlich, damit die Menschen eher auf dem Areal bleiben», sagte etwa der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt.

130 Polizeieinsätze in Thun

Diese Aussenanlagen sind auch Teil des Baugesuchs, das heute publiziert wird und in das die bz bereits Einblick nehmen konnte. Tatsächlich fällt auf, dass der Aussenbereich einiges zu bieten haben wird, wenn das Registrierungszentrum Anfang August den Betrieb aufnimmt (siehe Grafik). Ein Platz widmet sich dank Kletter- und Sandspielplatz eher den Bedürfnissen von Kindern und Familien und der andere bietet mehr Raum für Fussball oder Basketball. Überall verteilt hat es zudem Pingpongtische, Töggelikästen und Schachfelder. Sogar ein Blumen- und Kräuterfeld steht Asylbewerbern mit entsprechend grünem Daumen zur Verfügung. Kiwi- und Brombeersträucher sorgen als «essbare Zaunvegetation» dafür, dass auch die Einfriedung des Geländes attraktiv gestaltet ist. «Das ist kein übertriebener Luxus», sagt der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi auf Anfrage. Stattdessen sollen die Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem eines: Konflikte verhindern.

Dass dies nötig ist, zeigt der Blick auf ein anderes temporäres Bundesasylzentrum. Auf dem Waffenplatz von Thun schloss erst vor wenigen Tagen ein Zentrum, das 300 Asylsuchende beherbergte, seine Tore. In der kurzen Betriebszeit von einem halben Jahr musste die Polizei nicht weniger als 130 Mal dorthin ausrücken. Dies bestätigt der Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler auf Anfrage der bz. «Wir erlebten auf dem Gelände die ganze Palette an Delikten: Gewalt, Diebstähle, Drogenbesitz.» Dabei betont er, dass es meistens Bagatelldelikte gewesen seien, daraus aber immer wieder grössere Schlägereien entstanden seien. «Jemand hat um Viertel vor sieben Uhr morgens mit dem Töggelikasten gespielt, worauf sich einige beschwerten. Die Situation eskalierte zu einer Massenschlägerei von 50 Personen, die erst durch den Aufmarsch von 20 Polizisten beendet werden konnte.»

Mehr Privatsphäre in Muttenz

Siegenthaler spricht von generellen Unverträglichkeiten verschiedener Gruppen. So habe die Lage etwas beruhigt werden können, als man Afghanen und Afrikaner in zwei verschiedenen Hallen unterbrachte. Auch habe man einzelne Nordafrikaner, die am meisten Probleme bereitet hätten, in andere Zentren umplatziert. Trotz allem zieht Siegenthaler ein positives Fazit und verweist darauf, dass es ausserhalb des Asylzentrums nur einen – wenn auch gravierenden – Zwischenfall gegeben habe. Zwei Asylbewerber hatten sich an einem Nachmittag mitten in Thun einer Polizeikontrolle widersetzt und dabei einen Polizisten verletzt.

Muss man nun in Muttenz mit Ähnlichem rechnen? Schliesslich war auch in Thun die Firma ORS für den Betrieb und die Securitas für die Sicherheit auf dem Gelände zuständig. Rossi beschwichtigt: «Dass es in Thun viele Polizeieinsätze gab, zeigt mir eher, dass das Sicherheitsdispositiv funktionierte und Fehlverhalten der Bewohner nicht toleriert wurde.» Ausserdem zeigt sich Rossi überzeugt, dass man in Muttenz besser vorbereitet sei, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

So fehlte es in Thun an einzelnen Wohneinheiten in den grossen Hallen. Stattdessen reihte sich ein Bett ans andere. «So fehlt es den Menschen an Privatsphäre. Darauf haben wir besonders geachtet.» Zudem hätte man in den Hallen des alten Lastwagenterminals sehr viele Abtrennungsmöglichkeiten. Ausserdem hofft Rossi, dass nicht wie in Thun nur junge Männer in Muttenz untergebracht werden, denn «Kinder wirken beruhigend». Und dann ist da eben die Gestaltung des Aussenraumes. Diese sei in Thun viel rudimentärer ausgefallen. Das bestätigt auch Siegenthaler: «Der Waffenplatz ist natürlich keine grüne Wohlfühloase.» Es bleibt abzuwarten, ob nun ausgerechnet die Deponie Feldreben zu einer Oase wird.

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