Gemeindewappen verkörpern Schweizer Traditionen und stiften Identität. Einige reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück und liefern spannende geschichtliche Zusammenhänge. Doch was viele nicht wissen: Im Baselbiet, aber auch anderswo hatten Anfang des 20. Jahrhunderts die meisten Gemeinden noch kein eigenes Emblem.

«Vor allem Städte hatten Wappen. In den ehemaligen Untertanengebieten waren sie nicht üblich», sagt die Baselbieter Staatsarchivarin Regula Nebiker. Mit der Landesausstellung 1939 sollte sich dies ändern: Die Gemeinden waren aufgefordert, ihre Embleme einzuschicken. Der Fahnenhimmel ist als eines der prägenden Bilder der Landi im kollektiven Gedächtnis der Schweizer haften geblieben.

«Nur» 29 Baselbieter Gemeinden waren an der Landi vertreten

Allerdings schafften es damals viele Gemeinden nicht, fristgerecht ein Wappen zu kreieren. Aus Baselland waren «nur» 29 der damals 74 politischen Gemeinden mit ihrem Hoheitszeichen vertreten. Erst an der Expo 1964 wurden die Fahnen aller damals 3089 Schweizer Gemeinden aufgehängt.

Doch der Impuls war mit dem Landi-Aufruf gesetzt. Dass sich die Kommunen landauf landab plötzlich mit Heraldik beschäftigten, hatte auch mit der Stimmung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs zu tun. «Die Liebe zum Vaterland und die geistige Landesverteidigung waren wichtige Triebfedern zur Erarbeitung der Wappen», sagt Nebiker.

Um ein koordiniertes Vorgehen zu gewährleisten und einen Wappen-Wildwuchs zu verhindern, nahm im Baselbiet die Kommission zur Erhaltung von Altertümern die «freiwillige Wappenberatung» der Gemeinden an die Hand. Als Kommissionspräsident amtierte der Reigoldswiler Volkskundler Paul Suter.

Mit den Entwürfen wurde der bekannte Liestaler Künstler Otto Plattner beauftragt; die Gemeindewappen sollten nach einheitlichen grafischen Kriterien und Grundsätzen der Heraldik erstellt werden.

Da damals viele Wappen als Stempel verwendet wurden, mussten die Farben so gewählt werden, damit sie schwarz-weiss ohne Verwechslungsgefahr erkennbar waren. Zudem musste ein Wappen korrekt blasoniert werden. Es musste also möglich sein, Farben und Elemente fachsprachlich zu beschreiben (Beispiel: «Gespalten von Rot und Silber mit je einem erhobenen Arm in gewechselten Farben» für das Sissacher Wappen).

Klar definiertes und rechtlich geschütztes Emblem

Die Entwürfe Plattners lagern heute im Staatsarchiv.