Erwarten würde man nach dem gängigen Bild, dass urbane Gebiete eher links-grün, ländliche eher bürgerlich-konservativ wählen. Der gestrige Wahltag zeichnet aber ein umgekehrtes Bild: In der Wahlregion 1 mit den Wahlkreisen Allschwil, Binningen und Oberwil erzielten die Grünen 13 Prozent der Stimmen. In der Region 2 mit Reinach, Münchenstein, Muttenz und Laufen 13,1 Prozent. In der Region 3 mit Pratteln und Liestal 16,2 Prozent und in der Region 4 mit den Kreisen Sissach, Gelterkinden und Waldenburg 19,9 Prozent. Je weiter weg vom Zentrum Basel, desto grösser ist der grüne Wähleranteil also.

Starke Frauen im Oberbaselbiet

Steigt man eine Stufe tiefer und sucht nach dem grünsten Wahlkreis, so ist dies jener von Gelterkinden. Hier haben die Grünen 24 Prozent der Stimmen geholt, gefolgt vom Kreis Sissach mit 20 Prozent. Steigt man nochmals eine Stufe tiefer auf die lokale Ebene, so fallen zwei Orte auf: Sissach ist der einzige Ort im Kanton, in dem die Grünen stärkste Partei sind. Und in Oltingen sind die Grünen zwar hinter der SVP nur zweitstärkste Partei, aber hier holten sie mit 37 Prozent den höchsten Stimmenanteil.

Der grüne Erfolg bei den Landratswahlen im Oberbaselbiet hat vor allem zwei Namen: Florence Brenzikofer und Laura Grazioli. Die Landrätin und ehemalige Parteipräsidentin Brenzikofer machte mit 2165 Stimmen kantonsweit das beste grüne Resultat und unter allen Kandidaten das fünfbeste. Das ist besonders bemerkenswert, weil Brenzikofer in einem der bevölkerungsmässig kleinsten Wahlkreise angetreten ist. Fast selbstredend, dass Brenzikofer im heimischen Oltingen alle andern weit hinter sich liess.

Dasselbe schaffte Grazioli in Sissach, die damit einen Landratssitz holte. Bei den Grünen erzielte sie mit ihren 1982 Stimmen kantonsweit das drittbeste Resultat. Unweigerlich kommt einem die grüne Überfliegerin Maya Graf in den Sinn und es stellt sich die Frage: Ist das Oberbaselbiet ein besonders fruchtbarer Boden für smarte, selbstbewusste Frauen? Brenzikofer meint nach längerem Überlegen: «Der Erfolg ist das Resultat von jahrelanger Arbeit im Parlament und gleichzeitig das Authentische. Wir leben das, für das wir politisch einstehen.» Dazu komme die regionale Vernetzung, die vor allem bei Laura Grazioli gespielt habe. Und sie ergänzt: «Das war nicht nur eine Klimawahl, sondern auch eine Frauenwahl.»

Und wieso sind die Grünen im oberen Kantonsteil stärker? Dieses «Phänomen» habe mit dem Bekanntheitsgrad und der Vernetzung der Leute auf den Listen zu tun. Zudem sei im Unterbaselbiet die Konkurrenz durch die SP grösser gewesen, sagt Brenzikofer.

Bekannt und gut vernetzt: Dass man mit diesen Attributen auch als grüner Mann in der Agglo zum Überflieger werden kann, zeigte Karl-Heinz Zeller in Arlesheim. Dort hat der ehemalige Gemeindepräsident den zweiten Lokalmatador Balz Stückelberber (FDP) um drei und alle andern um Hunderte von Stimmen hinter sich gelassen. Damit holte er für die Grünen einen Landratssitz und verschaffte Arlesheim mit 24 Prozent einen hohen grünen Stimmenanteil.