Kriminaltourismus

So will die Baselbieter Polizei auch die Hintermänner schnappen

Mehr Einsatzkräfte auf den Strassen sind ein Teil des Baselbieter Erfolgsgeheimnisses. Aber nicht der einzige.

Mehr Einsatzkräfte auf den Strassen sind ein Teil des Baselbieter Erfolgsgeheimnisses. Aber nicht der einzige.

Nachdem es der Baselbieter Polizei gelungen ist, den Kriminaltourismus in den vergangenen beiden Jahren um über ein Drittel zurückzudrängen und dabei die Aufklärungsrate zu verdoppeln, soll nun die strategische Stossrichtung auf eine neue Stufe gehoben werden.

Die nun auch statistisch belegbare gute Arbeit im vergangenen Jahr ist Balsam auf die geschundenen Seelen der rund 570 Baselbieter Polizistinnen und Polizisten. Dies bestätigt ein Korpsmitglied am Rande der gestrigen Präsentation der Polizeiführung.

Die Männer und Frauen im Einsatz sind es schliesslich, die – trotz Lohn- und Pensionskürzung durch den Kanton und unzähligen Einsatzstunden in Randzeiten – das umsetzen sollen, was sich die Führung ausheckt. Deshalb werden die Erfolgszahlen der aktuellen Kriminalstatistik an der Basis ebenso erfreut aufgenommen wie in der Chefetage.

Grund zum Zurücklehnen besteht allerdings nicht. Im Gegenteil. Nachdem es der Baselbieter Polizei gelungen ist, den Kriminaltourismus in den vergangenen beiden Jahren durch das neue flexible Einsatzkonzept um über ein Drittel zurückzudrängen und dabei die Aufklärungsrate zu verdoppeln, soll nun die strategische Stossrichtung auf eine neue Stufe gehoben werden.

«Jetzt wollen wir auch an die Hintermänner rankommen. Wir wollen das System herausfinden», fasst Sicherheitsdirektor Isaac Reber stark vereinfacht zusammen, was die Polizei vor hat, und was in der Umsetzung ein schwieriger Prozess ist.

Unberechenbare Gegner

Wie organisieren sich die Einbrecherbanden? Wo sitzen die Drahtzieher? Wie ticken die Verbrecher? Wo übernachten sie? Welche Verkehrsmittel benützen sie? Verhökern sie das Diebesgut hier, in Frankreich oder in ihrer Heimat? Dies ist nur ein kleiner Teil der Geheimnisse, denen die Polizei im Kampf gegen den Kriminaltourismus auf den Grund gehen will.

Letztlich soll dieses vertiefte Strukturverständnis dazu dienen, den vermuteten Ort und Zeitpunkt des nächsten Einbruchs oder der nächsten Einbruchsserie noch besser als durch den blossen Gebrauch der Analyse-Software «Precobs» vorhersehen zu können. Und ebenso wichtig: Wie man die Tätergruppen am besten dingfest kann, nachdem sie ihren «Bruch» begangen haben.

In diesem Sinne formuliert Polizeikommandant Mark Burkhard vier strategische Ziele für die nähere Zukunft: Die Prävention gezielt ausbauen. Die Aufklärungsrate noch weiter erhöhen. Die interne Polizeiorganisation optimieren sowie die personellen Mittel ganz auf diese Ziele ausrichten.

«Unsere Gegner leben nicht hinter dem Mond», stellt Burkhards politischer Chef, Regierungsrat Isaac Reber fest, «sie nutzen alle technischen Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen.» Hingegen ist insbesondere die genaue Struktur der meist osteuropäischen Diebesbanden noch weitgehend unbekannt.

Der Chef der Baselbieter Kriminalpolizei Martin Grob erklärt die ganze Tragweite des Problems anhand eines militärischen Vergleichs: «Wenn eine feindliche Panzerdivision angerollt kommt, weiss man ungefähr, was diese vorhat und wie man ihr begegnen muss. Wir dagegen haben es mit einem Feind zu tun, der völlig zersplittert ist.»

Die einen Banden sind laut Grob organisiert und haben irgendwo einen Chef sitzen, der im Internet und aus Zeitungen gezielt Informationen sammelt. Andere sind Kleingruppen oder Einzeltäter, die einfach drauflosziehen. Wiederum andere werden von älteren Einbrechern «ausgebildet», die nach Georgien, Rumänien oder sonst wohin zurückkehren und dort vor Ort ihr kriminelles Wissen an Jüngere weitergeben.

Mustergültig für die Weiterentwicklung der polizeilichen Abwehrmassnahmen steht die Bildung der Abteilung Lagebereich der Kriminalpolizei (siehe Interview rechts), die inzwischen mehrmals täglich die aktuelle Lage analysiert. Früher geschah dies lediglich einmal pro Woche.

Gelingt es der Baselbieter Polizei tatsächlich, den Kriminaltourismus noch erfolgreicher zu bekämpfen als in den vergangenen beiden Jahren, soll dies gleichzeitig Kräfte freimachen, um bei Bedarf weitere Tätigkeitsschwerpunkte bilden zu können. Kommandant Burkhard schwebt insbesondere der Bereich der Cyber-Kriminalität im Internet vor.

«Da machen wir bisher noch sehr wenig. Dabei verlagern sich die Betrugsdelikte heute immer mehr ins Internet.» Deshalb werde Baselland aller Voraussicht nach bald eine Spezialistengruppe aufbauen, die gezielt den Cyberkriminellen an den Kragen geht. «Aber sicher nicht mit den gleichen Methoden wie bei den Einbruchsdelikten», sagt Burkhard.

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