Fachtagung Gesundheit

So wollen die Basler die Zürcher überholen

Fachtagung Gesundheit

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Eine Fachtagung unter der Leitung derGesundheitsdirektoren beider Basel zeigte auf: Es gibt Handlungsbedarf, sonst gerät man gegenüber den anderen Forschungsstandorten ins Hintertreffen.

Die Gesundheitsdirektoren beider Basel können ihr Unbehagen nicht verbergen. Die Region droht, den Anschluss in der Spitzenmedizin zu verlieren. Denn seit der Revision des eidgenössischen Krankenversicherungsgesetzes und der damit angestrebten Konkurrenzsituation zwischen den Spitälern wird auf Bundesebene entschieden, wer die hoch spezialisierten Eingriffe vornehmen darf. Nur wer schon eine gewisse Fallzahl vorweisen kann, bekommt bei den komplexen Eingriffen den Zuschlag.

Das heisst: Die Starken werden noch stärker. Das Nachsehen hatte die Region schon – etwa bei den Herztransplantationen: Die dürfen seit September letzten Jahres nur noch am Inselspital in Bern und an den Unispitälern in Zürich und Lausanne durchgeführt werden.

SVPler Weber für Zusammenarbeit

Gestern nun luden der Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, Carlo Conti, und sein Baselbieter Amtskollege Thomas Weber Spital- und Hausarztvertreter aus der Region zu einer Fachtagung ein. Sie sollten mithelfen, Ideen zu entwickeln, wie die Region der Restschweiz in Zukunft Paroli bieten kann. Denn einig waren sich die rund 80 Spitaldirektoren, Verwaltungsräte und Gesundheitsexperten, die sich im Hotel Hofmatt in Münchenstein einfanden: Pflegen die hiesigen rund 25 Leistungserbringer der Akutsomatik weiterhin das Gärtchendenken, droht der Bedeutungsverlust. «Was passiert, wenn wir nichts ändern?» war denn auch eine der drei Fragen, welche Conti und Weber an die Leistungserbringer richteten. Dazu wollten sie, um Anhaltspunkte für eine zukünftige, gemeinsame Spitalpolitik zu bekommen, von den Vertretern wissen, wie sie sich das Gesundheitssystem im Jahr 2030 vorstellen und welche Prozesse in Gang gesetzt werden müssten, um dahin zu gelangen.

Von Lösungen war man nach dem gestrigen Brainstorming freilich noch weit entfernt. Nach den Sommerferien soll eine zweite Tagung stattfinden und die ausgewerteten Ergebnisse präsentiert werden. Eine Erkenntnis lieferte der gestrige Tag immerhin schon: Thomas Weber, der als SVPler gegen die Fusion von Basel-Stadt und Baselland ist, lässt durchblicken, dass er im Gesundheitswesen für ein ganzheitliches Denken einsteht. Dies im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vorgänger Peter Zwick, der die Konkurrenz mit den städtischen Spitälern suchte. Der Gesundheitsraum ende nicht bei den Kantonsgrenzen – ja nicht mal an der Landesgrenze, betonte Weber. Carlo Conti seinerseits definierte das Einzugsgebiet bis weit über die Landesgrenze hinaus. «Wir sehen, dass immer mehr Patienten aus dem Südbadischen in unsere Spitäler kommen. Das Einzugsgebiet umfasst rund eine Million Menschen», sagte er. Die anschliessend von Gesundheitsökonom Willy Oggier geleitete Podiumsdiskussion zeigte aber, dass es hinter dem Lippenbekenntnis zur gemeinsamen Spitzenmedizin durchaus noch einigen Diskussionsbedarf und Konfliktpotenzial gibt. Bedeutet beispielsweise das Streben nach höheren Fallzahlen in der Spitzenmedizin, dass die universitäre Medizin am Unispital in Basel konzentriert werden soll?

Verbund für die Spitzenmedizin

Das dürfte insbesondere dem Kantonsspital Baselland (KSBL) missfallen, das sich nicht mit der Rolle des Grundversorgers zufriedengeben will. Conti aber stellte klar, dass eine Bündelung nicht gleichbedeutend mit einer Abwertung des KSBL sei. «Universitäre Medizin lässt sich auch im Verbund, beispielsweise mit dem KSBL, machen – es spielt keine Rolle, ob das juristisch gesehen ein Unternehmen ist oder zwei.» Gelinge aber die Umsetzung, dann «könnten wir die Zürcher sehr schnell überholen», ist Conti überzeugt.

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