Geothermie

Soll das Baselbiet trotz Erdbeben-Gefahr auf Geothermie setzen?

Bohrturm der gescheiterten Geothermie-Bohrungen in Basel (Archiv)

Bohrturm der gescheiterten Geothermie-Bohrungen in Basel (Archiv)

Das Ausland profitiert von Erkenntnissen aus dem abgebrochenen Basler Geothermie-Projekt. In der Region aber herrscht Stille. Baselbieter Bürgerliche wollen dies ändern. Unklar ist, ob Geothermie noch Teil der Baselbieter Energie-Strategie ist.

Das Interesse an der Zukunft der Tiefen-Geothermie ist im Baselbiet gross. Dies zeigte der Politiker-Aufmarsch am Energie-Event der Liga der Baselbieter Stromkunden: Zehn Landräte quer durch alle Fraktionen, eine Nationalrätin und zahlreiche Gemeinderäte wollten mit rund 100 weiteren Gästen wissen, wie es um jene Energiequelle steht, die nach den Erschütterungen in Basel und dem darauf folgenden Abbruch des Projekts aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand.

Verschwunden ist die Geothermie offenbar auch aus der Kantonspolitik: Christoph Buser, Stromkundenliga-Präsident, FDP-Landrat und Wirtschaftskammerdirektor, kritisierte, dass in der aktuell noch unter Verschluss gehaltenen, überarbeiteten Energiestrategie des Kantons die Geothermie nicht mehr vorkommt. Buser hofft aber auf deren «langfristige wirtschaftliche Realisierung»

Aus Baselbieter Strategie gekippt?

Die Frage, ob die Baselbieter Regierung unter der Federführung von Sabine Pegoraro die Geothermie aus den Zukunftsperspektiven kippt, lässt sich derzeit nicht offiziell klären: Der Reigoldswiler SVP-Landrat Hansruedi Wirz habe diese Frage am 1. November als Interpellation gestellt, teilt der Leiter des Bereichs Umwelt und Energie, Alberto Isenburg mit. Immer wenn im Kanton Baselland eine parlamentarische Anfrage vorliegt, gilt zu diesem Thema ein Maulkorb für die Verwaltung.

«Wenn wir eine Energieform wollen, die ‹einschenkt› und uns unabhängig vom Ausland macht, dürfen wir die Geothermie nicht vernachlässigen», begründet Wirz sein Interesse. Am Energie-Event berichtete aber Markus Häring, damals Projektleiter bei der in Basel bohrenden Geopower AG, vor allem über Projekte im Ausland: Australien, Italien USA, Südkorea. Dabei würden jeweils auch die Ergebnisse des Basler Geothermie-Projekts verwendet.

Dieses sei technisch ein Erfolg gewesen, referierte der heutige Geschäftsführer der Liestaler Geo Explorers GmbH. Einzig weil die erwarteten Erschütterungen an der Oberfläche spürbar waren, sei das Projekt politisch gestorben. Derzeit suche man nach Methoden, solche Erschütterungen zu vermeiden. «Das Potenzial der Tiefen-Geothermie ist zu gross, als dass man es vernachlässigen dürfte», betonte er. «Das grösste Risiko ist, dass wir zu früh aufgeben.»

EBL und IWB finanzieren Innovation

Nicht aufgegeben hat EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner, damals Geopower-Verwaltungsratspräsident und heute Verwaltungsrat der Geo-Energie Suisse AG, die schweizweit nach einem Standort für ein Pilotprojekt sucht. «Wollen wir aus der Atom- und der fossilen Energie aussteigen, so ist dies nur mit Geothermie als Lieferant von Band-Energie möglich», betont Steiner. «Sonnenstrom und Windkraft allein reichen nicht, es braucht auch Grosskraftwerke.»

Die EBL hat 10 Millionen Franken für die weitere Forschung der Geo-Energie Suisse gesprochen. Auch die Basler IWB beteiligt sich, indem sie jeweils Mittel für die konkret anstehenden Schritte beisteuert. Steiner kritisierte, dass grosse Unternehmen wie BKW, Alpiq und Axpo sich nicht an der Innovation beteiligen. Zudem müsste der Bund sich an den Kosten für die Forschung beteiligen.
Deutlich wurde an diesem Abend: Im Gegensatz zum Podium der Handelskammer beider Basel vor zwei Wochen, wo Skepsis gegenüber der Energiestrategie 2050 des Bundes dominierte, denkt man im Umfeld der Wirtschaftskammer Baselland darüber nach, wie die Energiewende konkret zu bewältigen ist.

Meistgesehen

Artboard 1