Phishing

Solothurner FDP-Politiker wird Opfer von Hackern

Ein Phishing-Mail (Symbolbild)

Ein Phishing-Mail (Symbolbild)

Der Mail-Account des Schützenverbands-Präsidenten Benjamin Haberthür wurde gestern von Betrügern geknackt. In der Region nehmen Fälle von sogenannten Phishing-Mails deutlich zu.

Benjamin Haberthür war noch nie in der Ukraine und hat auch nicht vor, dorthin zu reisen. Bekannte des Hofstetters sollten gestern jedoch glauben, er befinde sich momentan im osteuropäischen Land. Mit einem gefälschten Mail über seine E-Mail-Adresse wollten Betrüger die Empfänger dazu bewegen, ihnen Geld zu überweisen.

«Ich hoffe du hast dies schnell erhalten, ich bin nach Ukraine verreist und habe meine Tasche verloren samt Reisepass und Kreditkarte», schrieb der vermeintliche Haberthür in nicht ganz lupenreinem Deutsch. Die Botschaft sei bereit, ihn ohne seinen Pass fliegen zu lassen – er müsse aber noch sein Ticket und die Hotelrechnungen bezahlen. Leider habe er kein Geld und wolle fragen, ob man ihm 1950 Euro leihen könne.

Bekannte wollte Geld schicken

Antworteten die Empfänger auf die Nachricht, erhielten sie über eine andere Mailadresse Anweisungen zur Geldüberweisung. «Bitte finde das nächste Western Union Büro in einer Bank oder Poststelle.» Um das Geld zu schicken, brauche man lediglich den Namen und die Adresse von Haberthür. Als Anschrift des Schwarzbuben wurde eine Strasse in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angegeben.

Trotz der im Grunde altbekannten Masche und den holprigen Formulierungen fielen zwei Personen auf den Betrug herein. «Ich habe Anrufe von zwei Bekannten erhalten, die auf der Bank waren, um mir das Geld zu überweisen», erklärte Benjamin Haberthür kurz nach dem Versand des Mails. Aufgrund seiner Tätigkeit als Präsident der Bau- und Planungskommission von Hofstetten-Flüh und als Präsident des Kantonal-Schützenverbands Basel-Stadt hat er einen grossen Mail-Verteiler.

Dementsprechend erhielt der FDP-Politiker auch mehrere Reaktionen von Menschen, die den Schwindel durchschauten und ihn warnten. Haberthür nimmt die Geschichte mit Humor, «denn was bleibt mir anderes übrig». Er könne sich nicht erklären, wie es den Hackern gelingen konnte, sich Zugang zu seinem Mail-Account zu verschaffen. «Vielleicht war mein Passwort zu leicht zu durchschauen.» Mittlerweile verfügt Haberthür wieder über die kurzzeitig von den Betrügern gelöschte E-Mail-Adresse. «Ich habe nun ein stärkeres Passwort und ein zweistufiges Authentifizierungsverfahren.»

Als die Bekannten gestern das Geld überweisen wollten, wurden sie aufgeklärt, dass es sich womöglich um einen Betrug handle. Eine telefonische Rücksprache mit Haberthür brachte Gewissheit, dass er nicht in der Ukraine weilt. Die regionalen Banken sind für solche Fälle sensibilisiert. «Entsteht im Kontakt mit Kunden der Verdacht, die Person könnte Opfer eines Angriffs sein, werden diverse Fragen gestellt», sagt Katja Epple, bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank für die Unternehmenskommunikation zuständig. Die Anzahl sogenannter Phishingmails und anderer Betrugsversuche nehme spürbar zu.

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