Bottmingen

Somalier sticht im Asylheim auf Mitbewohner ein – 3,5 Jahre Haft und Landesverweis

(Symbolbild)

Ein junger Mann sticht im Asylheim auf einen Mitbewohner ein.

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Nach einer Provokation ging ein 21-jähriger Mann aus Somalia auf einen Mann aus Afghanistan los. Das Baselbieter Strafgericht wertete den Angriff als versuchte Tötung und verhängte eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren sowie einen Landesverweis.

Er stammt aus Somalia, ist 21 Jahre alt, beschäftigt sich mit einem Praktikumsplatz als Küchengehilfe und hat eine Kochlehre in Aussicht. Es sah nicht schlecht aus für den jungen Mann. Doch wenige Minuten reichten, um seine Zukunft in der Schweiz zu verwirken, eine Handlung im Affekt, wie das Strafgericht in Muttenz am Montag sagte.

Von diesem kassierte er am Montag nicht nur eine Freiheitsstrafe in der Höhe von dreieinhalb Jahren, sondern auch einen anschliessenden Landesverweis von acht Jahren.

Zwei Versionen einer Geschichte

Das Drama ereignete sich im Juni 2017 im Asylbewerberheim in Bottmingen: Laut dem Somalier habe es einen Streit gegeben, ein strenggläubiger Mann aus Afghanistan habe ihn kritisiert und als Ungläubigen bezeichnet, weil er am Ramadan nicht gefastet habe. Es gab eine Schlägerei, bei der auch Stühle und eine Schneeschaufel benutzt wurden.

Der Mann aus Afghanistan schilderte die Geschichte allerdings anders: Der Somalier habe laut telefoniert, und als er den Mann zurechtgewiesen habe, sei dieser völlig ausgerastet und habe ihn geschlagen. Was danach passierte, war zumindest teilweise auf Videos der Überwachungskamera zu sehen: Der Somalier stach mehrmals mit einem kleinen Rüstmesser von oben herab auf seinen Kontrahenten ein. Dieser wehrte die Angriffe ab, es blieb lediglich bei einigen Schürfwunden. Der 21-Jährige meinte, er habe dem Anderen lediglich Angst einjagen wollen.

«Er hat das unbewaffnete Opfer regelrecht gejagt. Er wollte das Opfer töten», sagte Staatsanwältin Nicole Wolf und forderte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen versuchten Mordes sowie eine anschliessende Landesverweisung von fünfzehn Jahren.

Bis das Messer brach

Die fünf Richter gingen nicht ganz so weit. Sie verurteilten den Mann dennoch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Gerichtspräsident Andreas Schröder meinte, er habe beim Lesen der Anklage zuerst gedacht, die Vorwürfe seien etwas übertrieben. Beim Sichten der Videoaufnahmen sehe man aber, mit welcher Vehemenz und Rage der 21-Jährige auf sein Opfer eingestochen habe. Mordmerkmale seien nicht zu erkennen, die Tat sei spontan aus dem Affekt entstanden. Er habe aber den Tod des anderen Mannes in Kauf genommen. Aufgehört habe er erst, als das Rüstmesser abgebrochen sei.

Vorgeschichte bleibt unklar

Die Vorgeschichte blieb unklar, doch Schröder betonte, der 21-Jährige habe auf seiner Flucht aus Somalia bereits negative Erlebnisse mit strenggläubigen Moslems gehabt und sei laut den Akten auch in libyschen Lagern gefoltert worden. Dass er bei religiösen Vorwürfen so ausflippe, sei zumindest einfühlbar, auch wenn die Tat dadurch nicht entschuldbar werde.
Ob die Ausschaffung nach Somalia möglich ist, werden die Vollzugsbehörden zu beurteilen haben. Der Gerichtspräsident sagte dazu, die Lage in Somalia könnte in 3,5 Jahren ganz anders aussehen als heute.

Verteidiger Gabriel Giess hatte eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen wegen versuchter Körperverletzung verlangt, er dürfte das Urteil wohl weiterziehen. Damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

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