Rechenspiel

SP, FDP und CVP wären bei der Fusion die Verlierer

Bei einer Kantonsfusion wäre die Basler Delegation zersplitterter (Archiv)

Bei einer Kantonsfusion wäre die Basler Delegation zersplitterter (Archiv)

Die Fusionsinitiative stärke die Abordnung in Bundesbern, behaupten die Initianten. Doch wer nachrechnet, stellt fest, dass die Basler Delegation im Nationalrat zersplitterter wäre. Die bz hat die Sitzverteilung errechnet.

Rechenspiele mit Wahlergebnissen aus der Vergangenheit dürfen nicht eins zu eins in die Zukunft übertragen werden. Dennoch ist es interessant, die Sitzverteilung der Nationalratswahlen 2011 für einen vereinigten Kanton Basel auszurechnen.

Die Übung hat allerdings einen Haken: Die Wählerinnen und Wähler der beiden Basel konnten 2011 nur Kandidierende aus dem eigenen Kanton wählen. Das würden sie vermutlich in einem vereinigten Kanton Basel mehrheitlich auch tun. Aber natürlich nicht ausschliesslich. Die parteipolitische Präferenz der Wählerinnen und Wähler würde davon aber kaum beeinflusst. 2011 haben sich in Basel-Stadt und Baselland auch die gleichen Parteien zu Listenverbindungen zusammengeschlossen.

Grössere Zersplitterung

Die bz hat die Sitzverteilung 2011 im Nationalrat für einen vereinigten Kanton Basel aufgrund der Stimmabgaben 2011 errechnet: SP 3, SVP 3, Grüne 2, CVP 1, FDP 1, GLP 1, BDP 1.

Im Vergleich zu heute wären SP, FDP und CVP die Verlierer, die SVP unverändert, Grüne, Grünliberale und BDP die Gewinner. Die vereinigten Basler Vertreter in Bundesbern wären parteipolitisch zersplitterter als heute, die grossen Parteien geschwächt, die kleinen gestärkt.

Ein Blick auf die heutige landesweite Zusammensetzung des Nationalrats bestätigt den Trend: In den Abordnungen der grossen Kantone Zürich, Bern und Waadt sind die kleineren Parteien besser vertreten. Das Gewicht der grossen Kantone steigt damit nicht. Die Ratsmitglieder aus den Bundesratsparteien haben mehr Einflussmöglichkeiten als die Mitglieder der kleineren Parteien.

Auch personell ergibt das Rechenspiel eine andere Zusammensetzung der Basler Nationalratsabordnung. Vergleichbarkeit wurde hergestellt, indem die effektiven Stimmenzahlen aus Basel-Stadt (heute 5 Sitze) auf das Landniveau (heute 7 Sitze) hochgerechnet wurde. Gewählt wären Eric Nussbaumer, Susanne Leutenegger Oberholzer, Beat Jans (alle SP), Caspar Baader, Thomas de Courten, Christian Miesch (alle SVP), Maya Graf, Anita Lachenmeier (beide Grüne), Peter Malama (FDP), Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP), Gerhard Schafroth (GLP) und Peter H. Müller (BDP). Interessant: Miesch und Lachenmeier hätten somit den Sitz verteidigt. Das Nachsehen hätten die heutigen Nationalräte Silvia Schenker (SP), Sebastian Frehner (SVP), Markus Lehmann (CVP) und Daniela Schneeberger (FDP). Bemerkenswert: Auch Opfer dieses Rechenspiels kämpfen heute an vorderster Front für die Fusion der beiden Kantone.

Weniger Stadtbasler

Nicht ganz unbedeutend bei der Projektion der Wahlergebnisse 2011 auf eine vereinigte Basler Zukunft ist, dass die Landschaft gegenüber der Stadt im Vorteil ist. Die Parteienlandschaft im heutigen Kanton Baselland ist weniger vielfältig als in der Stadt, wo exotische Kleinparteien und der Sonderfall LDP wenig wirksam Stimmen binden. Es erstaunt nicht, dass in der errechneten zwölfköpfigen Abordnung nur gerade drei Gewählte aus der Stadt kommen. Zugegeben: Rechenspiele sind hypothetisch. Doch die Fusionsbefürworter könnten sich auch real verrechnen.

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