Landrat

SP-Landräte fordern Tagesschulen im Baselbiet

SP-Landräte setzen sich für Tagesschulen ein. (Symbolbild)

SP-Landräte setzen sich für Tagesschulen ein. (Symbolbild)

Der Kanton hinke anderen hinterher – Miriam Locher und Jan Kirchmayr reichen deshalb zwei Vorstösse ein.

1994 sei es gewesen, als in Binningen für Schülerinnen und Schüler Blockzeiten eingeführt wurden, erzählt SP-Landrätin Miriam Locher. Später kamen andere Gemeinden dazu. Seither habe sich vonseiten der Schulen nicht mehr viel getan, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angehe. Deshalb reichen Locher und Parteikollege Jan Kirchmayr übermorgen Donnerstag im Baselbieter Landrat jeweils einen Vorstoss ein. Sie eine Interpellation mit neun Fragen rund um das Thema Tagesschulen, er ein Postulat mit der Forderung, bei künftigen Sanierungen und Neubauten von Sekundarschulen die Tagesstrukturen mitzudenken.

Bei der SP sei man schon lange am Thema, so Locher: «Weil es dringend eine Verbesserung der Betreuungssituation braucht und Tagesschulen viele Vorteile mit sich bringen.» Sie nennt beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Bildungsgerechtigkeit. Sobald die Antworten der Regierung stehen, werde man überlegen, wie man mit dem Thema fortfahre. In der Interpellation fragt die Landrätin beispielsweise nach den bisherigen Anstrengungen des Kantons, nach möglichen Pilotprojekten für Primar- und Sekundarschulen sowie nach den einmaligen und wiederkehrenden Kosten.

Eltern wünschen sich ein breiteres Angebot

Kirchmayrs Vorstoss stellt im Gegensatz zur Interpellation eine klare Forderung. Weshalb das Thema für ihn so wichtig ist? «Der Blick auf die Stadt Zürich und die Stadt Basel zeigt, was alles möglich ist», sagt Kirchmayr. «Das Baselbiet hinkt hier massiv hinterher, das muss sich ändern.» Aktuell bestünden nicht einmal die gesetzlichen Grundlagen, um Tagesschulen zu ermöglichen. Kirchmayr, der selber Lehrer ist, höre auch immer wieder von Eltern, dass ein breiteres Angebot gewünscht sei.

Bestehende Möglichkeiten wie Mittagstische seien zwar erfreulich, reichten aber nicht aus. Denn diese würden oft von verschiedenen Personen und nicht von der Schule betreut. «Es ist wichtig, dass alles unter einem Dach ist», findet Kirchmayr.

Betreuung rund um die Uhr ist eine Gefahr für Kinder

Ernst Schürch, Präsident der amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer, ist mit der Idee von Tagesschulen grundsätzlich einverstanden. Besonders, dass sie bei baulichen Massnahmen miteinbezogen werden, sei richtig. Wichtig sei ihm jedoch, dass die Tagesstrukturen nicht obligatorisch sind und dass es sich um eine pädagogische Betreuung handelt. Und: «Auch Primarschulen sollten flächendeckend berücksichtigt werden.» Für einzelne Schulen soll es nicht an den Finanzen der Gemeinde scheitern.

Schürch hat jedoch auch Kritikpunkte am Modell Tagesschule. «Viele Kinder sind bereits jetzt von Montagmorgen bis Freitagabend rund um die Uhr betreut. Es ist wichtig, dass sie auch Freizeit haben, in der keine Erwachsenen anwesend sind.» Dass diese Zeit komplett verloren geht, sei eine Gefahr.

Wie der Kanton zu den Vorschlägen der Tagesschulen steht, liess sich gestern nicht beantworten. Die zuständige Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion äussert sich nicht zu Vorstössen, die noch nicht eingereicht wurden.

Meistgesehen

Artboard 1